Jagd auf Güsel-Sünder: Abfalldetektiv Nyffeler entgeht nichts

Darum gehts
- Richard Nyffeler (58) kontrolliert als Abfalldetektiv an fünf Tagen pro Woche die Strassen der Stadt St. Gallen.
- Er sammelt falsch entsorgte Säcke ein, sucht darin nach Hinweisen und zeigt die Abfallsünder an.
- Dabei hilft ihm die Einsicht in die Daten des Einwohneramts.
- Im Kehrichtheizkraftwerk prüft er täglich rund 100 Kilo Abfall.
«Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit», sagt Richard Nyffeler (58) nach seiner Abfall-Kontrolltour durch die Stadt St. Gallen. Nyffeler ist der Abfalldetektiv der Stadt. 20 Minuten begleitet ihn einen Morgen lang bei der Arbeit.
Zuvor hat er auf seiner täglichen Abfall-Kontrolltour durch die Stadt unter anderem fünf vollbepackte und illegal abgestellte Abfallsäcke am selben Ort auf der Strasse zusammengelesen. «Die meisten Meldungen über falsch entsorgten Abfall erhalte ich von der Abfallabfuhr», sagt Nyffeler. Aber auch Privatpersonen können der Stadt melden, wenn sie falsch entsorgten Abfall entdecken.
Nyffeler geht davon aus, dass die fünf Abfallsäcke auf der Strasse alle aus demselben Haushalt stammen. «Da ist wohl jemand ausgezogen und wollte seinen Kram loswerden», sagt er. Nachdem er noch an weiteren Orten falsch entsorgten Kehricht aufgesammelt hat, geht es für Nyffeler zum Kehrichtheizkraftwerk (KHK) zur Kontrolle.
Rund 100 Kilo pro Tag
Pro Tag prüft der Abfalldetektiv im KHK durchschnittlich rund 100 Kilo falsch entsorgten Abfall. «Diese Menge macht trotzdem nur einen Bruchteil des gesamten Abfalls aus. Wir bewegen uns im Promillebereich», erklärt Nyffeler.
«Einen Teil der Säcke werden wir keiner Person zuordnen können», sagt Nyffeler. Bei seinem grossen Fund – den fünf Abfallsäcken – hofft er auf Hinweise. «Das ist viel, da will ich herausfinden, wer es war», sagt Nyffeler. Trotz sorgfältiger Suche fehlt aber der entscheidende Hinweis auf den Namen des Verursachers.
Eines fällt besonders auf
Eines fällt Nyffeler jedoch auf: In den fünf Säcken befinden sich Windeln sowie Spielsachen für Kleinkinder. «Bei Windeln kann es sich ziemlich sicher um eine junge Familie handeln. Da ich die Adresse des Gebäudes kenne, kann ich mit der Hilfe der Hausverwaltung und des Einwohnermeldeamtes mögliche Personen eingrenzen.»
Nachdem Nyffeler alle Beweisfotos gemacht hat, kehrt er ins Büro zurück und zeigt die Abfallsünder an. Ist er – wie bei den Abfallsäcken mit den Windeln – nicht sicher, kontaktiert er die Hausverwaltung des Gebäudes, vor dem die Säcke gefunden wurden.
30 Autopneus im Wald gefunden
Neben den täglichen Funden ist Nyffeler in seinen 25 Jahren als Abfalldetektiv schon auf allerlei gestossen. «Einmal entdeckten wir 30 Autopneus, welche im Wald entsorgt wurden», sagt er. Dank Reifenspuren vor Ort habe die Polizei den Täter ermitteln können. «Es stellte sich heraus, dass es eine Garage war, die ihre Reifen im Wald loswerden wollte.»
Der Kühlschrank mit Inhalt
Bei seinem wohl ekligsten Fund handelte es sich um einen in einem Naturschutzgebiet abgestellten Kühlschrank. Vor allem der Geruch des Inhalts bleibe ihm in Erinnerung. «Im Kühlschrank haben wir vergammeltes Fleisch gefunden», erzählt Nyffeler. «Ich bin nicht geruchssensibel, bei diesem Gammelfleisch musste aber sogar ich erbrechen.»
In diesem Fall sei der Täter von einem Passanten während seiner Falschentsorgung gesehen worden. Der Passant habe dies daraufhin der Polizei gemeldet. «Das war Glück, dass der Beobachter der Polizei die Autonummer sowie ein Bild des Täters liefern konnte. Die Polizei fand so schnell heraus, wer es war», sagt der Abfalldetektiv. «Der Kühlschrank-Entsorger musste dann eine Busse zwischen 2000 und 3000 Franken zahlen.»
Entsorgst du deinen Abfall korrekt?
Ihm gefällt sein Beruf sehr gut, sagt Nyffeler. «Man muss einen Ordnungssinn haben und psychisch belastbar sein. Wenn alles gut kommt, habe ich vor, bis zu meiner Pension als Abfallkontrolleur zu arbeiten.»
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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