Studie sieht schwierige Lage: Rüstungsbranche kann strauchelnde Industrie nicht retten

Studie sieht schwierige LageRüstungsbranche kann strauchelnde Industrie nicht retten
21.09.2026, 12:26 Uhr

Energiekrisen, Zollstreits und Transformationsprozesse: Die deutsche Industrie gerät seit Jahren zunehmend unter Druck. Eine aktuelle Studie macht deutlich, dass auch der Ausbau einiger Branchen die Schwierigkeiten in anderen nicht auffangen können.
Die deutsche Rüstungsindustrie ist einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge bisher nicht in der Lage, Jobverluste in anderen Industriezweigen wie etwa der Automobilbranche aufzufangen. Im vergangenen Jahr seien bundesweit etwa 1100 Beschäftigte von anderen Industriebranchen in die Rüstungsindustrie gewechselt, sagte der IAB-Forscher Enzo Weber, der die Studie gemeinsam mit seiner Kollegin Yasemin Yilmaz geschrieben hat. Das waren dreimal so viele wie noch vor 2020. Auch von außerhalb der Industrie seien mit 1400 Menschen doppelt so viele wie vor Beginn der Krise in die Rüstung gewechselt. Doch dagegen seien 23.000 Industriebeschäftigte in die öffentliche Verwaltung oder Sozialversicherung gewechselt.
Insgesamt sei die Industriebeschäftigung deutlich gesunken, weil deutlich weniger Jobs neu geschaffen worden seien. Die deutsche Industrie verliert derzeit monatlich rund 15.000 Jobs. "Neben den Energiekrisen setzen die Transformation angestammter Geschäftsfelder und die Umwälzungen im Handel mit China und den USA die Industrie unter Druck", fasst die Studie zusammen. "Investitionen sinken seit Jahren, Gründungen sind auf dem Tiefpunkt - es werden so wenige Stellen geschaffen wie noch nie."
Derzeit bewege sich der Arbeitsmarkt in der Industrie kaum. "Eine erfolgreiche Transformation aus einer Erneuerungskrise heraus hängt aber an einer durchgreifenden wirtschaftlichen Erneuerung", heißt es in der Studie. "Deshalb müssen alle Register für Weiterentwicklung im Arbeitsmarkt gezogen werden." Notwendig sind etwa Flexibilität wie auch Kompetenzentwicklung, damit Beschäftigte sowohl in aufstrebende Bereiche wechseln als auch den Wandel ihrer Tätigkeitsbereiche voranbringen.
Es bedürfe nun politischer Impulse, um den Arbeitsmarkt anzuregen. "Den Arbeitsmarkt in Bewegung zu setzen und berufliche Weiterentwicklung voranzubringen - das sind zentrale Reformen für Wohlstand und neue Wertschöpfung", betonte Weber angesichts der aktuellen politischen Debatte um die Sozialstaatsreformen der Bundesregierung.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.