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Sunday, September 20, 2026

Joel und Biagio wollen Frauen in Clubs schützen: Mit Taschenalarm

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  • Die zwei Freunde Joel (26) und Biagio (23) haben das Start-up Femety gegründet, das vor allem Frauen – aber auch andere Personen im Ausgang – schützen soll.
  • Ihr erstes Produkt, ein Getränkeschutz gegen K.-o.-Tropfen, haben die beiden Gründer eingestellt, weil Clubs und Veranstalter wenig Interesse daran hatten.
  • Nun setzen die beiden auf einen persönlichen Taschenalarm für 17.90 Franken, der für mehr Aufmerksamkeit in schwierigen Situationen sorgen soll.

Als Joel (26) an der Zürcher Langstrasse unterwegs war, verlor er plötzlich die Kontrolle über sich. «Es war irgendwie wie ein Traum», erzählt der Zürcher im Gespräch mit 20 Minuten. Ohne seine Kollegen wäre er damals nicht mehr nach Hause gekommen, ergänzt er. Was genau passiert war, weiss er bis jetzt nicht. Seine Vermutung: K.-o.-Tropfen im Drink.

Acht Jahre später beschäftigt Joel sich gemeinsam mit seinem Kollegen Biagio (23) mit der Frage, wie sich Menschen im Ausgang schützen können. Die beiden lernten sich durch die Lehre kennen, sind heute Arbeitskollegen und gründeten zusammen das Start-up Femety. Vor zwei Jahren starteten sie mit dem Gedanken, einen Getränkeschutz gegen Spiking zu entwickeln.

Ursprüngliche Idee: vor K.-o.-Tropfen schützen

Das ursprüngliche Produkt von Femety war ein Getränkeschutz aus Silikon, den man über seinen Drink spannt. «Die Idee entstand während eines Abendessens», erzählt Joel. Ein paar Tage später überraschte Biagio ihn mit einem Prototyp aus dem 3-D-Drucker. Wir waren beide sofort dabei bei der Idee.

Nach monatelangem Tüfteln, Produzieren und Vermarkten folgte jedoch die Ernüchterung: Das Interesse im B2B-Markt war kleiner als erhofft. Den Getränkeschutz wollten die beiden ursprünglich an Clubs, Festivals und andere Veranstalter verkaufen.

Plan mit Clubs ging nicht auf

«Es haben sich viele Kontakte und potenzielle Partner ergeben. Veranstalter haben teilweise von grösseren Mengen gesprochen», erzählt Biagio. Danach seien jedoch Absagen gekommen oder Antworten ganz ausgeblieben. «Das war für uns natürlich ernüchternd.»

Wir verabschieden uns vom Nachtleben und Trinken.

Joel und Biagio, Gründer von Femety

Bei Privatpersonen kam das Produkt besser an. Die beiden stellten kurzfristig einen Onlineshop auf und brachten nach eigenen Angaben rund 3000 Stück ihres Getränkeschutzes unter die Leute. Für einen nachhaltigen Markteintritt reichte dies jedoch noch nicht.

Rückblickend sehen die Gründer des Start-ups besonders eine mögliche Erklärung für die Zurückhaltung der Veranstalter beim Getränkeschutz: Wer seinen Gästen einen Getränkeschutz anbietet, könne damit überhaupt erst das Gefühl vermitteln, dass es im eigenen Club ein Problem mit K.-o.-Tropfen gebe. Auch beobachten die beiden einen weiteren Trend: das Clubsterben. «Auch geht die Gen Z ohnehin weniger aus und trinkt weniger Alkohol, was auch dazu beiträgt», sagen die beiden Gründer.

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Jetzt setzen sie auf einen persönlichen Alarm

Nun ändern die beiden den Kurs ihres Start-ups. «Wir wollen Femety nicht nur auf Nachtleben und Trinken beschränken», sagen die beiden. «Wir verabschieden uns vom Nachtleben und Trinken.» Statt nur ein Produkt für den Ausgang anzubieten, soll Femety zu einer Marke für persönliche Sicherheit werden.

Das neueste Produkt von Femety hat darum nichts mehr mit Getränken zu tun, denn die beiden setzen auf einen persönlichen Alarm: Er soll Aufmerksamkeit erzeugen, wenn sich jemand bedroht fühlt oder Hilfe benötigt. Verkauft wird er für 17.90 Franken.

«Neu ist die Idee nicht – das ist uns bewusst. Unser Anspruch ist, persönliche Sicherheit zugänglicher zu machen und stärker ins Bewusstsein zu bringen», sagt Joel im Gespräch mit 20 Minuten. Viele Anbieter verkaufen bereits persönliche Taschenalarme, die Preise befinden sich zwischen knapp 20 und 50 Franken.

Der persönliche Alarm erreicht ca. 130 Dezibel und ist mit einem LED-Licht ausgestattet.20 Minuten

«Cup-Condoms»: Das sagt die Zürcher Clubkommission dazu

Dass Clubs wenig Interesse am Getränkeschutz von Femety zeigten, überrascht Alexander Bücheli von der Bar & Club Kommission Zürich nicht. Ähnliche Produkte gebe es schon seit ein paar Jahren. Die damit gemachten Erfahrungen zeigen, dass die Nachfrage nach solchen Cup-Condoms klein ist», sagt Bücheli. Sei Spiking gerade ein Thema in den Medien, steige die Nachfrage, «verpuffe» danach aber schnell wieder. Dass Clubs solche Produkte aus Angst vor einem schlechten Image ablehnten, hält Bücheli für spekulativ.

Alexander Bücheli von der Zürcher Klubkommission.

Alexander Bücheli von der Zürcher Klubkommission.Boris Müller

Für die Sicherheit im Ausgang seien verschiedene Massnahmen wichtig: «Sensibilisierung des Personals ist das wichtigste Element», sagt Bücheli. Dazu gehören Schulungen zum Umgang mit Spiking-Verdachtsfällen und Awareness-Konzepte. «Wenn es einem nicht gut geht, soll und kann man sich immer beim Personal melden.» Auch Angebote wie das Codewort «Luisa» oder die städtische Kampagne «Zürich schaut hin» bieten dabei einen möglichst niederschwelligen Zugang zu Hilfe.

Einen Zusammenhang zwischen Sicherheitsbedenken und den aktuellen Herausforderungen, in denen sich die Clubkultur befindet, sieht Bücheli nicht. Vielmehr spielen die schwindende Kaufkraft junger Menschen und ihre veränderten Freizeitgewohnheiten eine Rolle. Dank der zunehmenden Sensibilisierung des Personals und der immer häufiger anzutreffenden Awareness-Strukturen sei der Ausgang aus seiner Sicht sogar «so sicher wie noch nie».

Nicht nur Frauen, sondern alle Menschen

Auch wenn der Name «Femety» aus den englischen Wörtern «Feminine» (dt. weiblich) und «Safety» zusammengesetzt ist, soll der neue Alarm genderneutral sein. «Bei Frauen passiert leider mehr», sagt Joel mit Blick auf sexualisierte Gewalt. Durch ihre Schwestern und Gespräche mit Frauen würden die beiden immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert.

Dass sie als Männer Frauen erklären könnten, wie diese sich schützen sollen, wollen Joel und Biagio nicht für sich beanspruchen. «Als Männer können wir zuhören», sagt Joel. Gleichzeitig soll der Alarm aber ein breiteres Publikum ansprechen. Er könne auch einem Mann helfen, der sich bedroht fühle, oder einer älteren Person, die nach einem Sturz auf sich aufmerksam machen müsse.

«Die Wurzel ist der Verursacher»

Die Gründer betonen, dass ein Sicherheitsprodukt das eigentliche Problem nicht löse. «Die Wurzel ist der Verursacher», sagt Joel. Der Alarm könne einen Angreifer weder aktiv stoppen noch verletzen. Er soll abschrecken und dafür sorgen, dass andere eine Situation bemerken. «Bei dieser Thematik spielt auch Zivilcourage eine entscheidende Rolle. Wenn man diesen Alarm hört, kann man schlecht wegschauen», sagt Joel.

Damit bleibt bei Produkten wie Personenalarmen und Getränkeschutz eine grundsätzliche Frage: Sie setzen bei Menschen an, die sich vor einem möglichen Übergriff schützen wollen – und nicht bei denjenigen, von denen die Gefahr ausgeht.

Das ist auch den Gründern bewusst. Sie wollen nicht vermitteln, dass Menschen einen Alarm bei sich tragen müssten. «Wir wollen keine Angst machen», sagt Joel. Die Produkte seien als Ergänzung gedacht. Langfristig solle Femety auch für Sensibilisierung, Prävention und Zivilcourage stehen.

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Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

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