VBS macht erste Schätzung – Für die Aufrüstung benötigt das VBS bis zu 700 neue Stellen

- Die Armee rüstet in den nächsten Jahren deutlich auf.
- Das Verteidigungsdepartement VBS schätzt, dass dafür bis zu 700 zusätzliche Stellen nötig sind.
- Möglichst viele Stellen sollen anderswo eingespart werden – doch dagegen regt sich Widerstand.
Drohnen, Flugabwehrsysteme, Cyberabwehr: Die Armee will Milliarden in die Aufrüstung investieren. Für den Betrieb und die Instandhaltung der neuen Systeme braucht es Spezialistinnen und Spezialisten. Die Aufrüstung zieht einen bedeutenden Personalausbau mit sich.
Nun haben die Armee und das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) erstmals Zahlen auf den Tisch gelegt: «Gesamthaft gibt es nach ersten Schätzungen einen zusätzlichen Mehrbedarf an Personal im Umfang von rund 660 bis 700 Vollzeitstellen in den Jahren 2028 bis 2035.» Das heisst es in einem Sitzungsprotokoll von Mitte August, welches das VBS auf seiner Website aufgeschaltet hat
Sparbefehl von Martin Pfister...
Bereits heute arbeiten für Armee und Armasuisse rund 10'500 Personen. Weitere bis zu 700 sollen nun hinzukommen. Allerdings will Verteidigungsminister Martin Pfister so viele Stellen wie möglich anderswo einsparen.
Er will dazu die Führungsstrukturen der Armee verschlanken und Kommunikations-, Personal- und Finanzabteilungen stärker zentralisieren. Das soll Geld freispielen für den Stellenausbau. Politisch werde erwartet, «dass intern umpriorisiert wird, um zusätzliche Stellen zu kompensieren», heisst es im Sitzungsprotokoll.
... stösst auf Widerstand bei der Armee
Doch es zeichnet sich Widerstand ab gegen die Sparorder des Verteidigungsministers. Noch in der Sitzung von Mitte August meldeten die Armee und Armasuisse Bedenken an. Sie halten es für wenig realistisch, dass die benötigten 700 Stellen anderswo kompensiert – sprich: gestrichen – werden können.
Das VBS zählt heute 12'402 Vollzeitstellen. Davon fallen 9'502 Stellen auf die Armee (Gruppe Verteidigung) und 946 auf die Beschaffungsbehörde Armasuisse.
Nicht eingerechnet sind in diesen Zahlen die Milizangehörigen der Armee. Militärisch eingeteilt sind in der Schweiz zurzeit 174'017 Personen.
Konkret seien sie «skeptisch, dass die Vorgabe, sämtliches zusätzlich benötigtes Personal intern zu kompensieren, möglich ist». Das Budget für Beschaffungen und Immobilien werde verdoppelt, erinnern die Armee und die Beschaffungsbehörde. Das habe Folgen für den Personalbedarf, denn: «Das Material muss auch bewirtschaftet werden.»
Verteidigungsminister im Dilemma
Das VBS erklärt auf Anfrage: Die Diskussionen seien noch nicht abgeschlossen. Noch sei nicht klar, wie viele Stellen intern eingespart werden könnten. Zwischen den Zeilen des Sitzungsprotokolls lässt sich herauslesen, dass die VBS-Führung einen höheren Sparbeitrag erwartet als die betroffenen Abteilungen bisher vorgeschlagen haben. Es gebe «die Erwartungshaltung des Chefs VBS, dass laufend geprüft wird, wo und wie noch effizienter gearbeitet werden kann», heisst es im Protokoll.
Für Bundesrat Pfister ist der Stellenbedarf ungemütlich. Stellen, die er nicht intern kompensieren kann, muss er mit demjenigen Geld bezahlen, das der Bundesrat und zuletzt auch der Ständerat für den Kauf von Flugabwehrsystemen, Drohnen und Cyberabwehrmitteln beschlossen hat.
Auf den Punkt gebracht: Je mehr Personal der Verteidigungsminister zusätzlich anstellen muss, desto weniger Geld steht ihm zur Verfügung für die eigentlichen Rüstungskäufe. Ein Dilemma.
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