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Friday, October 16, 2026

Schatz für die Wissenschaft – Die Universität Bern erhält 29’000 Rohdiamanten für die Forschung

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Für die Wissenschaft sind sie vor allem wertvolle Archive, die einzigartige Informationen über die Geschichte unseres Planeten bewahren.

Genau darin liegt der besondere Wert der Sammlung, die Jeffrey W. Harris und seine Ehefrau Francesca Harris nun der Universität Bern gestiftet haben.

Ihre «Harris Diamond Collection» umfasst rund 29'000 Rohdiamanten und gilt als weltweit grösste Diamantensammlung, die der Forschung und Lehre gewidmet ist.

Nahaufnahme eines grauen, metallischen Kristalls auf weissem Hintergrund.
Legende: Einer der Rohdiamanten aus der Harris-Sammlung. Die Einschlüsse sind mit blossem Auge sichtbar (graue Linien). Dieser Diamant hat Industriequalität; für die Verwendung als Schmuck wäre er zu trüb. RTS / Célia Bertholet

Die Steine sind ungeschliffen, funkeln deshalb kaum und haben nur einen vergleichsweise geringen Marktwert. Im Durchschnitt liegt dieser bei umgerechnet rund Fr. 8.25 pro Diamant.

«Diamanten in Schmuckqualität sind für die Forschung nicht besonders interessant», erklärt Suzette Timmerman, Assistenzprofessorin am Institut für Geologie der Universität Bern gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Ein Schmuckdiamant enthält keinerlei Unreinheiten, während Diamanten für die Forschung in der Regel Einschlüsse aufweisen.»

Bei diesen Einschlüssen handelt es sich etwa um hochdichte Flüssigkeiten oder Mineralien, die bei der Entstehung des Diamanten im Stein eingeschlossen wurden.

Durch die Untersuchung dieser Einschlüsse können Forschende die Entwicklung der Erde besser verstehen. Die Universität Bern gehört zu den wenigen Universitäten weltweit, die über eine eigene Diamantschleifmaschine, eine Anlage zum Zerkleinern von Diamanten sowie weitere hoch spezialisierte Geräte und Methoden verfügen, mit denen Diamanten untersucht werden können.

Derzeit interessiert sich Suzette Timmerman besonders für den in Diamanten enthaltenen Kohlenstoff. Sie sagt: «Wir verstehen recht gut, was passiert, wenn Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt. Wir wissen jedoch bisher nicht genau, welcher Anteil wieder in den Erdmantel zurückkehrt.».

Auch weitere Fragen zur Entwicklung der Erde könnten sich mithilfe der Einschlüsse untersuchen lassen: «Warum gibt es in den Tiefen der Erde unterschiedliche Mineralien? Wie sind sie entstanden? Und wir möchten auch mehr über die Entstehung der Kontinente erfahren», fügt sie hinzu.

Rückverfolgbarkeit der Diamanten

Die Rohdiamanten wurden Jeffrey W. Harris von der Londoner Diamond Trading Company für wissenschaftliche Forschungszwecke überlassen.

Jede Schenkung ist durch die ursprüngliche Schenkungsurkunde dokumentiert. Die Diamanten stammen aus Afrika, Südamerika, Nordamerika, Asien und Ozeanien und verfügen alle über die vorgeschriebene internationale Zertifizierung nach dem sogenannten Kimberley-Prozess; ein komplexes System, das über staatliche Herkunftszertifikate den Handel mit sogenannten Blutdiamanten unterbinden soll.

Der Kimberley-Prozess ist seit 2003 offiziell in Kraft. Durch ihn dürfen nur solche Diamanten gehandelt werden, für die offizielle Herkunftszertifikate des jeweiligen Ursprungslandes vorliegen.

Mittlerweile nehmen 56 Länder am Kimberley-Prozess teil, darunter auch sämtliche afrikanischen Diamantenproduzenten. Die Staaten der Europäischen Union werden als ein Teilnehmer gezählt.

«Die Idee dahinter ist eine Form der Rückverfolgbarkeit von Diamanten. Dadurch besteht die Möglichkeit, bestimmte Länder auszuschliessen, die sich in einem Konflikt befinden und von denen bekannt ist, dass sie Diamanten zur Finanzierung interner Kriege einsetzen», erklärt Alexandre Martin, Diamanthändler und Gemmologe in Neuenburg.

Sämtliche Rohdiamanten unterliegen diesem Verfahren, unabhängig davon, ob sie für Schmuck, die Industrie oder die wissenschaftliche Forschung bestimmt sind.

Der Kimberley-Prozess steht heute jedoch in der Kritik, weil seine Definition als zu eng angesehen wird: Sie beschränkt sich auf Diamanten, die zur Finanzierung eines Bürgerkriegs verwendet werden. Russland etwa, das wichtigste Diamantförderland der Welt, fällt trotz des Krieges in der Ukraine nicht darunter.

Die Diamanten der Universität Bern haben dieses Zertifizierungsverfahren erfolgreich durchlaufen. Das Verfahren nahm viel Zeit in Anspruch – und noch wesentlich länger wird es dauern, bis die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sämtliche Steine untersucht haben: Schätzungen zufolge 200 bis 300 Jahre.

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