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Friday, October 23, 2026

Angriffe im Schwarzen Meer: Wird bald unser Brot teurer?

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  • Vor den Küsten Bulgariens und Rumäniens häufen sich Drohnenangriffe auf Cargoschiffe im Schwarzen Meer.
  • Seit Ende August wurden mindestens 20 Vorfälle gemeldet, in den letzten zwei Wochen starben oder fehlen 23 Seeleute.
  • Der globale Getreidehandel gerät unter Druck, die Schweiz dürfte wegen geringer Importe aus der Region kaum betroffen sein.

Die Nato verstärkt ihre Ostflanke. Sie entsendet zusätzliche Seeaufklärungsflugzeuge, Radarsysteme, Drohnen und nachrichtendienstliches Personal sowie Ausrüstung zur Drohnenabwehr. Damit reagiert das Bündnis auf eine Reihe von Vorfällen, bei denen in den letzten Monaten zivile Schiffe im Schwarzen Meer getroffen wurden. Letzte Woche schlugen Bulgarien und Rumänien Alarm. Die Angriffe seien zur ernsten Gefahr für den Handel über das Meer geworden und ein Anzeichen dafür, dass sich der Ukrainekrieg ausweite.

Wo wurden welche Schiffe angegriffen?

Seit Ende August wurden mindestens 20 Vorfälle mit Beteiligung ziviler Schiffe gemeldet. Diese ereigneten sich zunächst nahe der ukrainischen und russischen Küsten, zunehmend aber auch in den Gewässern anderer Länder – insbesondere Rumänien und Bulgarien. Rumänien registrierte dieses Jahr bisher 35 unerlaubte Drohnenübergriffe, gegenüber neun im Jahr 2025. Die rumänischen Streitkräfte schossen in diesem Jahr sechs Drohnen ab, im Vorjahr war es keine einzige.

Bei den Angriffen vor der Küste wurden in den letzten zwei Wochen mindestens 23 Seeleute getötet oder gelten noch immer als vermisst. Gemäss den Behörden der Region und der Herkunftsländer der Besatzungen wurden in den letzten Monaten Dutzende Angestellte von Schifffahrtsunternehmen verletzt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Bei den betroffenen Schiffen handelt es sich fast ausschliesslich um Frachtschiffe. So transportierte etwa die «Able», die am sechsten Oktober in Brand geriet, Weizen. Sie wurde gemäss den lokalen Behörden in der exklusiven Wirtschaftszone Bulgariens durch Luft- und Seedrohnen beschossen. Beim gleichen Vorfall sank das Cargoschiff «Alfa Watan» mitsamt der zehnköpfigen Besatzung. Bei zwei Schiffen, die am 14. und 15. Oktober in Rumäniens Gewässern brannten, handelte es sich um Tanker.

Wer steckt hinter den Angriffen?

Sowohl Russland als auch die Ukraine machen sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich. Rumänische und bulgarische Behörden haben sich bislang nicht ausdrücklich zur Herkunft der Drohnen geäussert. Im Falle der am 14. und 15. getroffenen Schiffe sagte ein namentlich nicht genannter Nato-Vertreter gegenüber Reuters, die Drohnen seien «russischer Herkunft». Der Kreml dementiert eine Beteiligung.

Wie stark ist der Getreidemarkt betroffen?

Das Schwarze Meer ist ein wichtiger Korridor für Getreide. Jährlich werden über das Binnenmeer über hundert Tonnen Getreide exportiert. Russland und die Ukraine machen zusammen rund 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte und zwölf Prozent der Maisexporte aus, wie Thomas de Waal von Carnegie Europe sagt. Werden Häfen angegriffen und Seewege eingeschränkt, muss das Getreide auf teurere Transportwege ausweichen, etwa per Bahn oder Lastwagen. Der Weg über die Donau kann die Seetransportkapazitäten nicht vollständig ersetzen.

Doch selbst wenn Schiffe nicht direkt getroffen werden, erhöhen Angriffe auf Tanker oder Frachtschiffe das wahrgenommene Risiko für den gesamten Handelsverkehr, wie bei der Strasse von Hormus. Reedereien verlangen höhere Frachtraten, Versicherer zusätzliche Kriegsrisikoprämien. Das führt dazu, dass Bauern weniger Geld für ihr Getreide erhalten und Importländer mehr bezahlen müssen, wie Forscher des Center for Strategic and International Studies (CSIS) erklären. Vor allem bei der Ukraine zeigen die Exportzahlen, wie der Handel in den letzten Jahren immer weiter zurückgeht. Der Getreidetransport von und nach Rumänien, Bulgarien, der Türkei und Moldawien nutzt dieselben Seewege.

Welche Auswirkungen hat das auf Europa und die Schweiz?

Das Schwarze Meer ist für den globalen Getreidehandel von grosser Bedeutung. Die Einschränkungen lösen besonders auf dem afrikanischen Kontinent und im Nahen Osten, wo die grössten Abnehmerländer liegen, Sorgen zur Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit aus. De Waal betont, dass es beim Schwarzen Meer auch um Ernährungssicherheit gehe. Doch Europa und speziell die Schweiz sind deutlich weniger betroffen.

Russische und bulgarische Getreideimporte waren gemäss Zahlen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) bereits vor dem Krieg praktisch vernachlässigbar. Ukrainische Importe machten in den letzten Jahren bis zu drei Prozent der gesamten Getreideimporte aus, rumänische lagen etwas darunter. Gemessen am Gesamthandel machten also auch sie keinen grossen Teil aus.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

Jan Janssen

Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News.

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