Aktienmärkte im Sinkflug – Sorge vor «schwarzem Freitag»

- Der südkoreanische Leitindex Kospi bricht im Frühhandel um über 8 Prozent ein, der Handel wird kurz ausgesetzt.
- Auslöser ist ein Ausverkauf von Tech-Aktien in den USA nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen.
- Der SMI dürfte laut Broker IG vorbörslich rund 0,7 Prozent im Minus starten.
Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen sind Tech-Aktien weltweit unter Druck geraten. Am Freitag brach der südkoreanische Leitindex Kospi im Frühhandel um über acht Prozent ein. Auch in der Schweiz zeichnet sich ein schwächerer Börsenstart ab. Die US-Börsen haben am Donnerstagabend ebenfalls im Minus geschlossen.
Das ist passiert
Die südkoreanische Börse ist im Zuge eines weltweiten Ausverkaufs von Tech-Aktien massiv unter Druck geraten. So brach der Leitindex Kospi im Frühhandel um über acht Prozent ein. Die Wertpapiere der Speicherchip-Produzenten SK Hynix (-11 Prozent) und Samsung Electronics (-8 Prozent) gaben ebenfalls deutlich nach. Wegen der heftigen Kursverluste setzte die Börse in Seoul den Handel für 20 Minuten aus. Ein sogenannter «Circuit Breaker» soll verhindern, dass Panikverkäufe den Markt weiter destabilisieren.
Der japanische Leitindex Nikkei 225 sank im Frühhandel um rund 6,5 Prozent. Der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong fiel kurz nach Handelsstart um rund 1,3 Prozent, während der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Werten an Chinas Festlandbörsen um etwa 1,7 Prozent nachgab.
Heftige Verluste an der Wall Street
Ausgangspunkt waren die Kursstürze in den USA am Donnerstag. Der Technologieindex Nasdaq Composite schloss 5,5 Prozent tiefer, der Dow Jones gab 3,4 Prozent nach. Beim breiter abgestützten S&P 500 betrug das Minus 4,4 Prozent. Die Furcht vor einer stärkeren Regulierung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) hat am US-Aktienmarkt zu einem Ausverkauf bei Technologiewerten geführt.
Sorge um den Ausbau von Rechenzentren
Die Anleger reagierten offenbar auf die Verluste an der Wall Street, wo Sorgen über die künftige Entwicklung der Investitionen in Künstliche Intelligenz die Kurse belasteten. Hintergrund ist der Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen, der Befürchtungen über eine mögliche Verlangsamung des Ausbaus von Rechenzentren verstärkte. Wegen ihres hohen Finanzierungsbedarfs sowie potenzieller Umweltschäden stösst der Ausbau neuer Rechenzentren in den Vereinigten Staaten zunehmend auf Widerstand.
Demokraten kritischer gegenüber KI
Die Demokraten haben sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat für sich entschieden. Sie stehen KI kritischer gegenüber als die Republikaner, weshalb an den Märkten nun mit strengeren Vorgaben für die Technologie gerechnet wird. Rechenzentren sind für KI-Anwendungen unverzichtbar, stehen aber auch wegen ihres grossen Verbrauchs an Strom und Wasser in der Kritik.
Sandisk bis zu 22 Prozent verloren
Am stärksten getroffen wurden Halbleiterkonzerne und deren Zulieferer. Die Rechnung der Anleger: Entstehen weniger Rechenzentren, sinkt womöglich auch die Nachfrage nach Chips und Speicherlösungen. Die Nvidia-Aktie büsste gut neun Prozent ein. Noch deutlicher fielen die Verluste bei den Speicherspezialisten Seagate, Western Digital und Sandisk aus, deren Titel bis zu 22 Prozent verloren. In Asien standen neben Samsung und SK Hynix auch die Papiere von TSMC unter Druck. Viele dieser Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten kräftig vom KI-Boom profitiert.
Das bedeutet es für die Schweiz
Auch hierzulande dürfte der Handel am Freitag mit Verlusten beginnen. Julius Bär sieht um etwa 8.15 Uhr den SMI vorbörslich rund 0,75 Prozent im Minus. Schon am Donnerstag hatte der Leitindex knapp 0,4 Prozent eingebüsst – nachdem er am Mittwoch noch Rekordwerte erreicht hatte. Die Kurse liegen damit nach wie vor auf hohem Niveau, wie SRF berichtet.
Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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