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Wednesday, November 4, 2026

Tod des «Tigerente»-Erfinders – Janosch erschuf ein Seelenpflaster für die Welt – und sich selbst

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Was wohl Tiger und Bär getan hätten? Sie hätten Janosch bis zuletzt umsorgt, ihm Bouillon mit Karotten aus dem Garten gekocht. Und nach seinem Tod hätten sie geweint, verzweifelt erst, um sich später mit Geschichten und Erinnerungen zu trösten. Am Dienstag ist der Schriftsteller und Maler Janosch im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben.

Besonders bekannt ist Janoschs Buch «Oh, wie schön ist Panama». Die Geschichte bietet allen Generationen grosses Identifikationspotenzial: Sie erzählt von Fernweh und Abenteuern, von Freunden und Geborgenheit, Zusammenhalt und Zufriedenheit. Angereichert mit einer Prise Humor – und kindlich gezeichneten Figuren, die man sofort ins Herz schliesst.

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  • Bild 1 von 3. Tigerente, Tiger und Bär führen ein glückliches Leben in ihrem gemütlichen Häuschen am Fluss. Eines Tages entdeckt der Bär beim Angeln eine Kiste, die mit «Panama» angeschrieben ist und so gut nach Bananen riecht. Sofort wird Panama zum Land der Träume für den kleinen Bären. Und so machen er und seine Freunde sich auf den Weg dorthin. Bildquelle: Beltz & Gelberg in der Beltz Verlagsgruppe Weinheim Basel.

    Zeichnung eines Bären mit Angelrute und Tiger mit Rucksack, spazierend unter Bäumen.
  • Bild 2 von 3. Sie gehen im Kreis, merken es nicht – und landen nach einer aufregenden Reise wieder dort, wo sie zuhause waren. Aber ihr Häuschen ist mittlerweile so verfallen, dass sie es nicht erkennen. Bildquelle: Beltz & Gelberg in der Beltz Verlagsgruppe Weinheim Basel.

  • Bild 3 von 3. Sie richten es wieder gemütlich her: «Das kleine Haus bei den Sträuchern kam ihnen jetzt so schön vor wie kein Platz auf der Welt. «O Tiger», sagte jeden Tag der kleine Bär, «wie gut es ist, dass wir Panama gefunden haben, nicht wahr?». Bildquelle: Beltz & Gelberg in der Beltz Verlagsgruppe Weinheim Basel.

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«Wie ein Rettungsring»

Diese heile Welt ist ein wesentlicher Faktor für die Zeitlosigkeit von Janoschs Geschichten. Sie sind eine Art Seelenpflaster. Nicht nur für die Leserschaft, sondern auch für den Autor selbst. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger sagte Janosch 2016: «Ich suchte immer alles das, weil es in meiner Familie nicht vorkam, wie einen Rettungsring.»

Janosch bezieht sich auf seine Kindheit. Am 11. März 1931 kommt er in einem oberschlesischen Bergarbeiterort im heutigen Polen zur Welt, wächst auf mit alkoholsüchtigen, gewalttätigen Eltern. Seine ersten Lebensjahre sind geprägt von Armut, Bosheit und Dummheit. «Meine Eltern interessierten keine Farben», erzählt er 2010 in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung».

Auch als junger Mann geht es vorerst trostlos für ihn weiter. Er scheitert an der Aufnahmeprüfung der Kunstakademie in München. Und plant einen Racheakt: Er will ein – nach eigenen Worten – kitschiges Buch machen. Das tut er später auch – und das Blatt wendet sich: Mit «Oh, wie schön ist Panama» schafft er 1978 den Durchbruch. Seine Leserschaft findet es gar nicht kitschig, sondern grossartig. Seither haben die Tigerente, der Tiger, der Bär und viele andere Figuren in vielen Kinderzimmern eine Heimat gefunden.

Janoschs Geschichten sind wohl bis heute so beliebt, weil sie nicht predigen, sondern zeigen, dass der Autor die kindliche Perspektive nicht verloren hatte. Er war ein Verbündeter seiner Leserschaft. Das gilt auch für die Bücher, die er für die Erwachsenen geschrieben hat. Er erzählte darin unter anderem von seinen traumatischen Kindheitserinnerungen. Aber, zum Beispiel im Roman «Polski Blues», auch vom Wert der Freundschaft und der Kunst, das Leben zu meistern.

Unvergessen ist auch Janoschs Kolumne im Magazin der Wochenzeitung «Die Zeit»: Wondrak, ein Mann mit Schnurrbart und gelb-schwarzer Garderobe, gibt darin Antworten auf kleine und grosse Lebensfragen. So wie Janosch selbst. In einem Interview mit SRF sagte er 2017: «Je weniger man braucht, umso glücklicher ist man.»

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  • Bild 1 von 3. Herr Janosch, was brauchen wir, um all die Grenzen zu überwinden, die uns trennen? Antwort: «Vor allem Flügel.». Bildquelle: Janosch/Reclam.

  • Bild 2 von 3. Herr Janosch, was schenkt Wondrak Ihnen zum Geburtstag? Antwort: «Eine wunderschöne Wachsblume. Sie hält sich jetzt schon seit fünf Geburtstagen und ist immer noch frisch.». Bildquelle: Janosch/Reclam.

  • Bild 3 von 3. Janoschs Illustrationen, die in der Wochenzeitung «Die Zeit» erschienen sind, wurden gesammelt als Buch publiziert: «Wondrak für alle Lebenslagen» (2021). Bildquelle: Janosch/Reclam.

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Sein privates Paradies fand Janosch vor Jahrzehnten auf Teneriffa, wo er mit seiner Frau Ines lebte. Sein Lieblingsplatz: «Immer Hängematte», vertraute er seiner Biografin an. Er verbrachte dort ein einfaches Leben, wie er zu seinem 85. Geburtstag am 11. März 2016 erzählte, «mit Essen, und ich trinke diesen Wein. Und ich pflanze im Garten Kartoffeln, zum Beispiel.» Sein grösster Wunsch damals: «Dass ich hier ewig so sitzen kann und die Sintflut erst kommt, wenn ich ganz weg bin. Also nach meiner Himmelfahrt.»

Dieser Artikel wurde erstmalig im März 2026 veröffentlicht und aus aktuellem Anlass aktualisiert.

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