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Tuesday, October 20, 2026

Russische Propaganda nach Angriff: Eigene Schäden sind im Staatsfernsehen kaum ein Thema

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Erstmals wird Russlands zweitgrößte Stadt von ukrainischen Drohnen gleich mehrfach getroffen. Dem Staatsfernsehen ist dies kaum Sendezeit wert.

Kaum Sendezeit war dem russischen Fernsehen der heftigste Angriff auf St. Petersburg seit Kriegsbeginn wert. In der Nacht auf den 18. Oktober knallte und brannte es gleich in mehreren Stadtteilen. Zwei Öllager gingen in Flammen auf, eine der wichtigsten Brücken über die Newa wurde getroffen, ein Logistikzentrum des Internethändlers Ozon und ein Rechenzentrum des IT-Konzerns VK wurden schwer getroffen.

Es gab Verletzte, ein Autofahrer wurde von herabstürzenden Drohnenteilen tödlich getroffen. Es ist der erste zivile Kriegstote in der nördlichen Metropole Russlands. Die schwarzen Rauchfahnen der brennenden Öltanks und Lagerhallen vernebelten die Stadt.

In den 20 Nachrichtensendungen der Staatskanäle Rossija, Erster Kanal und NTW, die den ganzen Sonntag über und bis zum Montagvormittag ausgestrahlt wurden, gab es keine eigenständigen Berichte über den Angriff – die Sender beschränkten sich auf kurze Meldungen der Moderatoren, die nicht länger als eine Minute dauerten. Insgesamt gab es für den bisher schlimmsten Angriff auf die zweitgrößte russische Stadt weniger als fünf Minuten Sendezeit. Den Unruhen in Frankreich widmeten sie im gleichen Zeitraum hingegen mehr als eine Stunde.

Ablenkung statt Information

Und statt die Schäden zu zeigen, lenkte der Nachrichtensprecher von Rossija die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums insbesondere auf ein Detail: Die Kampfdrohnen seien über Hoheitsgebiet der benachbarten baltischen Staaten Richtung St. Petersburg geflogen. Woher sie kamen, sagte er nicht.

Tatsächlich stand dieses Mal, anders als bei vorangegangenen Attacken, gleich eine ganze Palette völlig unterschiedlicher Ziele im Visier. Auf Satellitenaufnahmen sind eindeutige Schäden zu sehen. Der erste Großbrand infolge der Drohnenangriffe entstand kurz vor drei Uhr morgens im Ölterminal am Hafen, später brannten Teile eines Ölreservoirs am anderen Ende der Stadt. Getroffen wurden außerdem ein riesiges Logistikzentrum des Onlinehändlers Ozon und ein Rechenzentrum des IT-Konzerns VK.

Ukraine zahlt Russland ähnliche Attacken heim

Erstmals feuerte das ukrainische Militär Drohnen gezielt gegen eine Brücke. Dabei handelt es sich letztlich nur um eine spiegelbildliche Reaktion auf vorangegangene russische Attacken gegen Brücken über den Dnipro in Kyjiw. Jetzt wurde die erst 2016 fertiggestellte 622 Meter lange und achtspurige Korabelnyj-Brücke in der Flussmündung der Newa getroffen. Sie verbindet weit entfernt voneinander liegende, vom Wasser getrennte Stadtteile.

Während die Staatskanäle schwiegen, kriegten die Menschen das Unheil mit: „Ich habe die ganze Nacht über Explosionen gehört“, berichtete der taz die Bewohnerin eines Hochhauses, das sich keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt vom Ölterminal befindet.

Als sie etwas später das Haus verließ, bot sich ihr ein Anblick von Zerstörung: Am anderen Ende des riesigen Blocks klafften an der Fassade Lücken von zerbrochenen Fenstern, Autos waren voller zersplitterter Glasscheiben, und an einer Stelle im Hof klaffte ein riesiger Trichter im Boden. In diesem Haus blieben zumindest die Be­woh­ne­r*in­nen verschont. Auf dem Kosmonautenprospekt war hingegen eine Drohne direkt in ein Wohngebäude eingeschlagen, dort gab es Verletzte.

Wohin Menschen sich im Alarmfall in Sicherheit bringen können, dürften nur die wenigsten wissen. Die Behörden geben Adressen von Luftschutzräumen nur auf Anfrage bekannt. Das St. Petersburger Onlineportal Fontanka berichtete, dass bei der Haushaltsdebatte für die kommenden Jahre die Vernachlässigung vorhandener Schutzräume zwar zur Sprache kam. Geld ausgeben will die Stadt für deren Reparatur und Ausstattung aber nicht. Die für den Zivilschutz vorgesehene Summe wurde fast komplett gestrichen.

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