«Das ganze Leben zieht in Sekundenschnelle vorbei»

- Bei Überschwemmungen im Osten Spaniens sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen gestorben.
- In den Provinzen Valencia und Alicante spülen Wassermassen Autos weg, die Bevölkerung soll zuhause bleiben.
- Rettungskräfte und Soldaten bergen Menschen von Dächern, 15 Helikopter sind im Einsatz.
Durch Überschwemmungen infolge starker Regenfälle sind im Osten Spaniens nach Angaben der Behörden mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. In der Region Valencia riefen die Behörden die Bevölkerung am Montag auf, zuhause zu bleiben.
Von der Wetterbehörde von Valencia veröffentlichte Videos zeigten Strassen, die sich in Sturzbäche verwandelten. In mehreren Orten der Provinzen Valencia und Alicante wurden Autos von den Wassermassen fortgespült.
«Man sieht, wie man alles verliert»
Gegenüber der Sendung «El tiempo justo» von Telecinco erklärt eine Frau, wie sie die zerstörerische Flut hautnah miterlebt hat. «Man sieht, wie man alles verliert, und denkt an seine Familie. Das ganze Leben zieht in Sekundenschnelle vorbei.»
Auch die Behörden rufen dazu auf, möglichst nicht nach draussen zu gehen. «Es ist unmöglich, sich fortzubewegen, Sie müssen zuhause bleiben. Es gibt heftige, anhaltende Regenfälle, die starke Überschwemmungen verursachen», warnte der Leiter des Katastrophenschutzes in Valencia, Juan Carlos Valterrama, am Montagmorgen.
In einigen Gebieten seien seit der vergangenen Nacht 500 Millimeter Niederschlag gefallen, erklärte Valderrama weiter. «Folgen Sie also bitte den Empfehlungen, weil es viele Menschen gibt, die festsitzen», und auf ihre Rettung warteten, betonte er. Rettungskräfte und Soldaten bargen am frühen Montagmorgen Menschen, die sich auf Dächer gerettet hatten, weil ihre Häuser überflutet wurden.
«Solange ich durchhalte, hält auch er durch»
In der spanischen Küstenstadt Oliva wartet eine Familie nach eigenen Angaben seit mehr als drei Stunden auf Rettung. In ihrem Haus stehe das Wasser rund eineinhalb Meter hoch, sagte die Anwohnerin Virgínia dem regionalen Sender À Punt. Sie und ihre Mutter hätten sich auf die Terrasse gerettet. Ihr Vater sei im Haus eingeschlossen und stehe auf einem Möbelstück. «Solange ich durchhalte, hält auch er durch», sagte Virgínia in der Sendung «Les notícies del matí».
Die Familie wohnt am Camí de les Portes de Ferro. Die Zufahrt werde bei starkem Regen regelmässig überflutet. Gegen 10.30 Uhr habe «nicht einmal ein Feuerwehrfahrzeug» durchfahren können, berichtete Virgínia. Sie habe seit 7 Uhr mehrfach den Notruf 112 kontaktiert und schon früh vor der drohenden Situation gewarnt.
Rettungskräfte im Dauereinsatz
Der Regionalpräsident der spanischen Region Valencia, Juanfran Pérez Llorca, bittet die Menschen um Geduld. «In sehr kurzer Zeit werden wir die grosse Mehrheit der Menschen erreicht haben», sagte er am Montag nach einer Sitzung des Krisenstabs. Sicherheits- und Rettungskräfte seien bereits in den am stärksten betroffenen Gebieten im Einsatz und würden Menschen retten, erklärte Pérez Llorca. Alle verfügbaren Mittel stünden der Bevölkerung zur Verfügung, zudem funktioniere die Zusammenarbeit zwischen den Behörden gut.
Der Regionalpräsident mahnte zugleich zur Vorsicht. Das Unwetter sei noch nicht vorbei: Auch in weiteren Gebieten könne es regnen. Dadurch könnten die Wasserstände in den besonders betroffenen Gemeinden weiter steigen. Insgesamt sind in der Region 15 Helikopter im Einsatz.
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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