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Wednesday, October 14, 2026

Geheimdienstwarnungen – Darum kommen die Warnungen an Kiew jetzt zu spät

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Der Krieg in der Ukraine geht weiter, unabhängig davon, was der US-Präsident sagt. Allerdings erhält die Ukraine – so Wolodimir Selenski – die Geheimdienstwarnungen nicht mehr oder zu spät. Auch die Informationen via das Satellitensystem Starlink fliessen nicht mehr wie gewohnt. SRF-Russlandkorrespondent David Nauer erklärt, was die Gründe sein könnten.

David Nauer

Ukraine- und Russland-Korrespondent

David Nauer ist Ukraine- und Russland-Korrespondent bei SRF TV. Von 2016 bis 2021 war er als Radio-Korrespondent in Russland tätig. Zuvor war er Russland-Korrespondent des «Tages-Anzeigers». Nauer reist seit Beginn des russischen Angriffskriegs regelmässig in die Ukraine.

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Warum kommen laut Selenski die Warnungen vor Angriffen nun zu spät oder gar nicht mehr?

Das weiss man nicht genau. Es ist möglich, dass es technische Gründe gibt oder das Wetter zu schlecht ist. Möglich ist aber auch, dass die US-Regierung ihre Geheimdienste angewiesen hat, den Ukrainern die entsprechenden Informationen vorzuenthalten. Trump sagte zwar, die Informationen würden immer noch fliessen, und auch die Europäer haben keine Kenntnis von einem US-Informationsstopp. Allerdings hat Trump sich zuletzt mehrfach prorussisch geäussert. Also: Die fehlenden Warnungen könnten eine Folge von Trumps derzeitigem eher russlandfreundlichen Kurs sein.

Was sind die Auswirkungen, wenn diese Warnungen wegfallen?

Ohne diese Warnungen entdecken die Ukrainer anfliegende russische Raketen erst, wenn sie quasi schon in Kiew sind. Das heisst, es bleibt kaum mehr Zeit, um Luftalarm auszulösen. Und es wird noch schwieriger, die Raketen abzuschiessen, weil schlicht zu wenig Zeit bleibt.

Wieso sagt Selenski, die Vorbereitungen auf den Winter in Kiew seien schlechter als in anderen Jahren?

Das hat politische und wohl auch faktische Gründe. Es gibt schon länger eine Rivalität zwischen Selenski und Vitali Klitschko, dem Bürgermeister von Kiew. Die Kritik des Präsidenten ist also eine Spitze gegen einen Widersacher. Es gibt aber auch von neutralen Stimmen immer wieder Kritik an Klitschko. So wird etwa bemängelt, in Kiew gebe es nicht genug Schutzräume, die Strominfrastruktur sei zu wenig gegen Angriffe geschützt und so weiter. Mag sein, dass die Kiewer Stadtregierung einiges versäumt hat – aber Kiew wird derzeit besonders heftig von den Russen angegriffen.

Wie ist die gesamte Ukraine auf den nächsten Winter vorbereitet?

Die Ukraine hat versucht, ihre Energieinfrastruktur besser zu schützen. Ich habe selbst gesehen wie in einer Frontstadt E-Werke mit einer Betonhülle umgeben werden. Allerdings ist die Infrastruktur im ganzen Land immer noch sehr zentralisiert. Es gibt etwa grosse Kraftwerke, die ganze Viertel mit Strom und Wärme versorgen. Wird ein solches Werk zerstört, frieren unter Umständen danach zehntausende Anwohner. Es ist sehr schwierig, sich gut vorzubereiten, wenn der Kriegsgegner so viel Feuerkraft hat und diese auch hemmungslos gegen zivile Infrastruktur einsetzt.

Zwei Personen vor einem beschädigten Gebäude.
Legende: Kiew steht dieser Tage unter besonders schwerem Beschuss durch Russland. Keystone / Efrem Lukatsky

Wieso hat Starlink die Nutzung für das Satellitennetzwerk über der Ukraine eingeschränkt?

Auch das weiss man nicht genau. Es gibt Meldungen, wonach die ukrainischen Starlink-Terminals nicht mehr funktionieren ab einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde. Wenn das so bleibt, ist das ein grosses Problem für die Ukrainer, weil viele ihrer Drohnen mit Starlink-Geräten ausgerüstet sind und diese dann nicht mehr funktionieren würden. Über die Gründe kann man nur spekulieren, aber es kann auch hier sein, dass es einen politischen Hintergrund gibt: Trump ist aus bisher unklaren Gründen offenbar wieder einmal Russland sehr wohlgesonnen und er scheint einen Groll gegen die Ukraine zu hegen. Wir haben solche Stimmungswandel beim US-Präsidenten immer wieder gesehen, der derzeitige trifft aber die Ukraine in einer besonders heiklen Phase.

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