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Sunday, August 23, 2026

Schutzprojekt im Rheintal – Ein Zwei-Milliarden-Projekt gegen die Flut – und für die Natur

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Schutzprojekt im Rheintal Ein Zwei-Milliarden-Projekt gegen die Flut – und für die Natur

Das Alpenrheintal zählt zu den wertvollsten Naturräumen Mitteleuropas. Gleichzeitig leben hier Hunderttausende Menschen in einer Region mit extremer Hochwassergefahr. Das Projekt Rhesi soll beide Interessen zusammenbringen: Schutz vor Hochwasser und Schutz der Natur.

22.08.2026, 09:52

Das Alpenrheintal ist ein Raum der Gegensätze. Auf der einen Seite des Tals stehen Siedlungen, Gewerbegebiete und Verkehrsachsen einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen zwischen Bodensee und Alpen. Auf der anderen Talseite finden sich Auenwälder, Feuchtgebiete und Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Nach Jahrzehnten der Begradigung und Entwässerung wird die Natur vielerorts wieder gestärkt. Moore werden erneut vernässt, Schutzgebiete entstehen und Gewässer erhalten wieder mehr Raum.

Seltene Tierarten im Alpenrheintal

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  • Bild 1 von 6. Das Braunkehlchen ist ein stark bedrohter Zugvogel. Der Vogel lebt auf Wiesen, die spät und selten gemäht werden. Bildquelle: SRF.

    Vogel sitzt auf einer hohen Pflanze in einem grünen Feld mit lila Blumen.
  • Bild 2 von 6. Die letzten Brutpaare des Grossen Brachvogels werden mit viel Aufwand geschützt. Bildquelle: SRF.

  • Bild 3 von 6. Naturschützer markieren die Nester von Kiebitzen auf den Feldern, um sie für Landwirte sichtbar zu machen. Bildquelle: SRF.

  • Bild 4 von 6. Der Rotmilan hat sich stark ausgebreitet und ist jetzt ein häufiger Greifvogel im Alpenrheintal. Bildquelle: SRF.

  • Bild 5 von 6. Zigtausende Enten verbringen den Winter am Bodensee. Bildquelle: SRF.

  • Bild 6 von 6. Die seltene Geburtshelferkröte lebt auf der Schweizer Seite des Alpenrheintals und hat den Rhein nie überquert. Bildquelle: SRF.

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Es kehren Arten zurück, die vielerorts längst verschwunden waren: Kiebitze, Grosse Brachvögel, Flussseeschwalben, Biber oder Rotmilane finden hier wieder Lebensräume.

Hochwasserrisiko Rhein

Doch die Region ist ein Gefahrengebiet. Der Alpenrhein wurde mit gutem Grund begradigt und kanalisiert. Die Massnahmen schützten die Bevölkerung vor den verheerenden Überschwemmungen früherer Jahrhunderte und machten die wirtschaftliche Entwicklung des Tals überhaupt erst möglich.

Gleichzeitig ging aber ein grosser Teil der natürlichen Dynamik des Flusses verloren. Mit dem Projekt Rhesi («Rhein, Erholung und Sicherheit») versucht man, beide Interessen zusammenzubringen: Hochwasserschutz und Naturschutz sollen nicht länger Gegensätze sein, sondern einander stärken.

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Wissen Laufzeit 36 Minuten.

Es ist das grösste Hochwasserschutzprojekt in der Geschichte des Alpenrheins. Auf einer Strecke von 26 Kilometern soll der Fluss für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte umgebaut werden.

Hohes Schadenspotenzial

Die heutigen Schutzanlagen stammen teilweise noch aus dem späten 19. Jahrhundert. Zwar wurden sie laufend verstärkt. Doch Fachleute weisen seit Jahren darauf hin, dass die internationale Rheinstrecke die grösste Schwachstelle des gesamten Alpenrheins darstellt.

Der Fluss kann derzeit rund 3100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sicher ableiten. Das passiert statistisch gesehen ein Mal pro Jahr. Schon 4300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde wären fatal.

Historische Quellen zeigen, dass solche Hochwasser bereits vorgekommen sind. Sollte die Wassermenge die heutige Kapazität der Dämme übersteigen, drohen Überflutungen und Dammbrüche mit weitreichenden Folgen. Das Schadenspotenzial wird heute auf bis zu 14 Milliarden Franken geschätzt.

Mehr Platz für den Rhein

Rhesi soll dieses Risiko deutlich senken. Statt den Rhein einfach mit immer höheren Dämmen einzuengen, erhält er künftig mehr Platz. Geplant sind breitere Flussabschnitte, Aufweitungen innerhalb des bestehenden Dammsystems sowie die Sanierung und Erneuerung alter Schutzbauten.

Dadurch soll die Abflusskapazität von heute 3100 auf künftig 4300 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden. Gleichzeitig entstehen neue Kiesinseln, naturnahe Uferbereiche, Auenlandschaften und Erholungsräume für die Bevölkerung.

Schutz für mehr als 300’000 Menschen

Der Fluss wird sicherer und zugleich ökologisch wertvoller. Auch das Grundwasser, aus dem die Rheintaler Bevölkerung ihr Trinkwasser bezieht, soll besser geschützt werden.

Direkt profitieren sollen mehr als 300’000 Menschen. Betrachtet man den gesamten Lebens- und Wirtschaftsraum, sprechen die Behörden sogar von rund 450’000 Einwohnerinnen und Einwohnern, deren Wohn-, Arbeits- und Lebensraum langfristig gesichert werden soll.

Politisch hat das Projekt in den vergangenen zwei Jahren entscheidende Hürden genommen. Im Mai 2024 unterzeichneten Bundesrat Albert Rösti und der österreichische Wasserminister Norbert Totschnig den neuen Rhesi-Staatsvertrag.

Nach der Zustimmung der Parlamente beider Länder trat dieser am 1. Juli 2025 in Kraft. Seit Frühjahr 2026 liegen die umfangreichen Unterlagen bei den zuständigen Behörden. Seither laufen die Bewilligungsverfahren. Der Baustart wird ab 2027 erwartet.

Kostenteilung zwischen Österreich und der Schweiz

Die Kosten liegen nach aktuellen Schätzungen bei rund 2 bis 2.2 Milliarden Franken. Österreich und die Schweiz tragen die Summe je zur Hälfte. Auf Schweizer Seite übernimmt der Bund 80 Prozent des Anteils, der Kanton St. Gallen die restlichen 20 Prozent.

Damit ist Rhesi weit mehr als ein klassisches Wasserbauprojekt. Es ist der Versuch, eine der am dichtesten besiedelten Regionen des Alpenraums vor einer möglichen Jahrhundertflut zu schützen und gleichzeitig der Natur einen Teil ihres verlorenen Raums zurückzugeben.

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