Wunderläuferin Werro: Die Chronologie eines sagenhaften Aufstiegs
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
Marco PescioReporter Sport
Es klingt verrückt, ist aber wahr: Da taucht plötzlich eine junge Schweizerin in der Leichtathletik-Elite auf, überflügelt in nur einem Jahr Superstars und Bestmarken – und steigt zur absoluten Königin über die 800-m-Distanz auf. Davor galt sie in der Szene als Rohdiamant, den es nur noch zu schleifen galt. Das Protokoll ihrer wichtigsten Karrierestationen bis anhin:
Grosse Taten als Juniorin
Audrey Werro ist gerade einmal 17-jährig, als sie das erste Mal so richtig auf sich aufmerksam macht. 2021 gewinnt sie in Tallinn (Est) über 800 m Gold an den U20-Europameisterschaften (2:03,12 Minuten). Es ist das Jahr, in dem sie sogar auch im Fünfkampf einen bis heute noch gültigen Schweizer U18-Rekord aufstellt. Das Mädchen aus Courtepin FR weiss ihre hervorragende Athletik schon früh effizient einzusetzen. 2022 holt sie Silber an der U20-WM in Cali (Kol). Als 18-Jährige.
Der historische Ausflug in eine andere Disziplin
2023 verteidigt sie in Jerusalem ihren U20-EM-Titel. Vor allem aber ragt ihre sensationelle Leistung beim Meeting in Nizza heraus: Für einmal geht sie über 1000 m an den Start – und läuft auf eindrückliche Art und Weise in 2:34,89 Minuten zum U20-Weltrekord. Seit jenem 17. Juli ist nie wieder eine andere Frau auf dieser Altersstufe und über diese Distanz schneller gelaufen.
Die Olympia-Premiere
Mit 20 feiert Werro an den Sommerspielen 2024 in Paris ihre Olympia-Feuertaufe. Das Riesentalent sammelt wertvolle Erfahrungen, bezahlt aber auch Lehrgeld. Die Konkurrenz ist zu schnell. Werro (1:59.38) scheidet schon vor dem Halbfinal aus.
Blick-Kommentar zur Wahnsinns-Saison von Audrey Werro
Das erste Sturz-Drama
An der Hallen-EM der Elite in Apeldoorn (Ho) darf Werro von einer Medaille träumen, doch dann stürzt sie in aussichtsreicher Position, sieht das Feld davonziehen und weint hinterher bittere Tränen. Sie geht leer aus.
Gestatten, Audrey Werro!
Im Sommer 2025, im Jahr, in dem sie ihre Matura am Kollegium Gambach in Freiburg erfolgreich abschliesst, krönt sich Werro in Bergen (Nor) zur U23-Europameisterin. Schweizer Rekordhalterin über 800 m ist sie zu diesem Zeitpunkt längst – sie wird diese Zeit in diesem Jahr auch noch verbessern. Ihr rasanter Aufstieg in der Elite beginnt jetzt.
Ein Traummonat
Den August 2025 wird sie wohl nie vergessen. Erster Diamond-League-Podestplatz in Lausanne. Schweizer Meisterin in Frauenfeld mit neuer nationaler Bestmarke, die sie prompt bei ihrem Sieg bei Weltklasse Zürich noch einmal herunterschraubt – auf starke 1:55,91 Minuten. «Verrückt», meint Werro, fast verlegen, als sie realisiert, welche Begeisterungsstürme sie in ihrer Heimat auslöst: «Einfach magisch!»
WM ohne Exploit
Wieder ein Grossanlass, wieder gibts eine Lektion für die Hochveranlagte. Werro wird an der WM im September 2025 in Tokio Sechste.
Unterstütze Schweizer Sporttalente
Dein Herz schlägt für Schweizer Sporterfolge? Mit deiner finanziellen Unterstützung schreibst du nicht nur Erfolgsgeschichten, sondern entfesselst auch das Potenzial von über 1200 Athletinnen und Athleten in mehr als 80 Sportarten auf ihrem Weg an die Spitze. Supporte jetzt Schweizer Sporttalente von heute und morgen: sporthilfe.ch
Dein Herz schlägt für Schweizer Sporterfolge? Mit deiner finanziellen Unterstützung schreibst du nicht nur Erfolgsgeschichten, sondern entfesselst auch das Potenzial von über 1200 Athletinnen und Athleten in mehr als 80 Sportarten auf ihrem Weg an die Spitze. Supporte jetzt Schweizer Sporttalente von heute und morgen: sporthilfe.ch
Die Edelmetall-Erlösung
Im März 2026 ist es endlich so weit: Werro holt auf Elite-Stufe ihre erste Medaille. An der Hallen-WM in Torun (Pol) ist es Silber. Hinter Siegerin und Superstar Keely Hodgkinson (24, Gb), die später zu ihrer grossen Rivalin werden soll.
Die Geburtsstunde eines Weltstars
Nun gibts kein Halten mehr bei Werro. Überall, wo sie 2026 an den Start geht, räumt sie ab. Auf den Diamond-League-Sieg in Rabat lässt sie in Stockholm auf gleicher Stufe eine Woche später, am 7. Juni, eine Fabelperformance folgen: In 1:53,90 Minuten entscheidet sie erstmals ein Duell mit Hodgkinson für sich. Experten staunen – und trauen ihr nun alles zu.
Eine Jahrhundert-Zeit
Es geht noch besser: Beim Diamond-League-Halt in Paris am 28. Juni realisiert Werro eine Zeit von 1:53,80 Minuten. Damit wird sie zur schnellsten 800-m-Läuferin dieses Jahrhunderts. Und zur drittschnellsten Frau überhaupt über diese Distanz. Nur die Tschechin Jarmila Kratochvilova (1:53,28) und die für die Sowjetunion startende Nadija Olisarenko (1:53,43) waren noch rasanter unterwegs. Ihre Zeiten gehen in die Jahre 1983 respektive 1980 zurück.
Das zweite Sturz-Drama – mit Happy End
An der EM in Birmingham Anfang August erwarten alle den grossen Showdown zwischen Werro und Lokalmatadorin Hodgkinson. Doch dann stürzt Werro im Halbfinal schon wieder, schürft sich Knie und Hüfte auf. Ausgeschieden ist sie damit allerdings nicht, weil die Jury sie rettet. Touchiert von einer Gegnerin, darf sie doch noch im Final ran. Und dort läuft sie erneut allen davon: EM-Gold in 1:54,81 Minuten! Hodgkinson wird Zweite. Die mitgereisten Eltern Philomène und Claude platzen fast vor Stolz.
Die berührenden Heimspiele
Die frisch gekürte Europameisterin wird bei der Athletissima in Lausanne von den Fans frenetisch empfangen. Rund 54 Kilometer Luftlinie von ihrem Wohnort im Kanton Freiburg entfernt rennt sie zum Heimsieg auf der altehrwürdigen Pontaise. Sie gewinnt in 1:55,33 Minuten mit neuem Meeting-Rekord. Nicht einmal eine Woche später brilliert sie bei Weltklasse Zürich, indem sie ihre Pariser Jahrhundert-Zeit verbessert. 1:53,70! Nur noch 42 Hundertstel trennen sie von Kratochvilovas Uralt-Bestleistung.
Die (vorläufige) Krönung
Müde nach einer langen Saison? Denkste. Erst krönt sie sich beim Final in Brüssel zur Diamond-League-Siegerin. Dann wirft sie auch bei der Ultimate Championship in Budapest noch einmal alles in die Waagschale – und gewinnt den Jahresabschluss. 1:55:88 Minuten. Den anvisierten Weltrekord knackt sie dieses Jahr also nicht. Noch nicht, ist man gewillt zu sagen. Historisch und heroisch ist diese Saison trotzdem.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.