Broken Windows Theory: Warum Unordnung mehr Chaos anzieht

«Deine dreckige Küchenzeile, der Berg an Wäsche, der Abwasch, der Haufen Klamotten auf dem Stuhl – das ist dein kaputtes Fenster». So erklärt Creatorin Onyi in einem Tiktok ihre These: die Broken-Windows-Theorie. Bleibt die erste kleine Unordnung liegen, signalisiert sie uns, dass es hier sowieso schon unordentlich ist. Also kommt mehr dazu.
Den meisten Menschen ist das wahrscheinlich vertraut: Du legst einen Pulli auf den Stuhl, am Abend landet der nächste darauf. Im Brünneli liegen schon zwei Tassen, dann kann man auch noch eine Müeslischüssel dazustellen. Doch Onyi überträgt eine Theorie auf den Haushalt, die ursprünglich mit Wohnungen wenig zu tun hatte.
Wie ordentlich bist du?
Die Theorie kommt aus der Kriminologie
1982 beschrieben der Politikwissenschaftler James Q. Wilson und der Kriminologe George L. Kelling die Broken-Windows-Theorie. Ihre Idee: Sichtbare Zeichen von Vernachlässigung im öffentlichen Raum können signalisieren, dass Regeln nicht durchgesetzt und weitere Regelverstösse begünstigt werden.
2008 stützten sechs Feldexperimente diese Grundidee: Sahen Menschen, dass andere eine Norm verletzt hatten, brachen sie eher eine weitere. Allerdings ist die Theorie bis heute umstritten. Eine Forschungsübersicht kommt zum Schluss, dass es zwar Hinweise gibt, aber wenig Konsens darüber, ob Unordnung tatsächlich weitere Regelverstösse verursacht.
Was Unordnung zu Hause mit dir macht
Tatsächlich kann aber auch das Puff in deiner eigenen Wohnung einen negativen Effekt auf deine Psyche haben. Eine Studie von 2025 im «Journal of Environmental Psychology» mit 501 Erwachsenen fand einen Zusammenhang zwischen mehr Unordnung zu Hause und geringerem psychischem Wohlbefinden. Die Forschenden betonen aber selbst: Daraus lässt sich nicht ableiten, was Ursache und was Folge ist. Weniger Wohlbefinden könnte genauso dazu führen, dass sich mehr Dinge ansammeln.
Einen ähnlichen Einfluss zeigte bereits eine Studie von 2010: Frauen, die ihr Zuhause häufiger als unordentlich oder unfertig beschrieben, hatten höhere Cortisolwerte und eine gedrücktere Stimmung.
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Das bedeutet die Broken-Windows-Theorie für deine Wohnung
Im Alltag beobachten Ordnungsprofis genau dieses «Dann kommt’s auf eines mehr auch nicht an»-Muster häufig. Allison Flinn, eine professionelle Aufräumerin, erklärt gegenüber «Good Housekeeping»: Liegt erst etwas auf einer Ablage, komme schnell mehr dazu. Sie rät deshalb, Dinge direkt zu versorgen oder einen festen Sammelplatz dafür einzurichten.
Ähnlich hält es der Schweizer Aufräumcoach Selim Tolga. Gegenüber SRF empfiehlt er feste «Parkplätze» für Gegenstände und das OHIO-Prinzip: «Only handle it once» – Dinge also möglichst nur einmal anfassen und direkt verräumen.
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Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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