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Sunday, November 8, 2026

«Spucken uns ins Gesicht»: Just-Eat-Kuriere bangen um Existenz

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Am Zürcher Stauffacher versammeln sich am Sonntag rund 20 Just-Eat-Kuriere zum Streik.20 Minuten

Darum gehts

  • Just-Eat-Kuriere in Zürich und im Glattal streiken am Sonntag von 11 bis 22 Uhr gegen den geplanten Stellenabbau.
  • Das Unternehmen will stärker auf Selbstständige setzen, mehrere Hundert der rund 700 Kurierstellen könnten wegfallen.
  • Die Streikenden fordern den Erhalt der Anstellungen und Verhandlungen mit der Gewerkschaft Syndicom.
  • Am Zürcher Stauffacher erzählen streikende Just-Eat-Kuriere, was der geplante Stellenabbau für sie bedeutet.

Wer am Sonntagmittag zu Hause auf seinen Burger oder seine Nudeln wartet, zählt auf sie: die Kuriere mit den orangen Jacken und den grossen Liefertaschen. Sie sollen das Essen bringen, bevor es kalt wird. Doch heute bleiben die Taschen vieler Just-Eat-Kuriere am Boden. Am Stauffacher stehen gegen 13 Uhr rund 20 Menschen in Orange versammelt, die, statt die nächste Bestellung auszuliefern, um ihre Jobs und ihre Rechte kämpfen.

Mehrere Hundert Stellen könnten wegfallen

Die Kuriere der Standorte Zürich und Glattal streiken laut Gewerkschaft Syndicom von 11 bis 22 Uhr. Sie protestieren gegen den angekündigten Stellenabbau bei Just Eat. Das Unternehmen will stärker auf selbstständige Kuriere und externe Lieferpartner setzen. Mehrere Hundert der rund 700 Kurierstellen in der Schweiz könnten wegfallen.

Just Eat begründet den Umbau mit veränderten Bestellzeiten und dem Bedürfnis nach mehr Flexibilität. Selbstständige könnten entscheiden, ob sie einen Auftrag zum angebotenen Betrag annehmen wollten, erklärte Schweiz-Chef Lukas Streich gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Im Gespräch mit den Menschen vor Ort wird klar: Sie fordern den Erhalt ihrer direkten Anstellungen, einen Verzicht auf die Massenentlassungen und Verhandlungen mit ihrer Gewerkschaft. In den Gesprächen geht es um Einkommen, Versicherungen und die Risiken ihrer Arbeit.

Severin (26): «Es ist eine krasse Entscheidung»

Einer der Streikenden ist der 26-jährige Severin. Er studiert Philosophie und arbeitet seit rund zwei Jahren für Just Eat. Er liefert im Glattal mit dem Velo Essen aus, etwa zehn Stunden pro Woche. Dafür erhält er nach eigenen Angaben ungefähr 1000 bis 1050 Franken im Monat.

«Ich bin auf das Geld angewiesen, obwohl ich nur im Nebenjob dafür arbeite», sagt er. «Ich muss ja auch meine Miete und meine Krankenkasse zahlen.» Er kritisiert, dass Just Eat bisher mit der Sicherheit direkter Arbeitsverträge geworben habe und diese nun abbauen wolle.

Die versprochene Freiheit bei der Auftragsannahme sieht er skeptisch. Severin hat bereits für Uber ausgeliefert. Dort habe er zehn Sekunden Zeit gehabt, eine Lieferung zum angebotenen Betrag anzunehmen oder abzulehnen. «Also unabhängig ist das sicher nicht», sagt er. Schon heute bezahle er zudem sein Fahrzeug selbst. Er befürchtet, dass künftig noch mehr Kosten und Risiken bei den Kurieren hängen bleiben.

Severin kritisiert zudem den angebotenen Sozialplan. «Das Unternehmen muss die Beschäftigten ernst nehmen, statt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden», sagt er.

Severin kritisiert zudem den angebotenen Sozialplan. «Das Unternehmen muss die Beschäftigten ernst nehmen, statt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden», sagt er.20min/man

Andere treffe der Umbau noch härter, erzählt er. Ein Kollege habe ihm bei einer früheren Kundgebung gesagt, dass er nach einem Jobverlust möglicherweise die Schweiz verlassen müsse. Manche Beschäftigte seien für ihren Aufenthalt auf den Arbeitsvertrag angewiesen.

S.* (38): «Ich bin schon mehrere Male gestürzt»

Eine weitere Forderung der Streikenden ist der Erhalt ihrer Absicherung bei Unfall und Krankheit. Für S.* ist das besonders wichtig: Er arbeitet schon länger in einem 50-Prozent-Pensum für Just Eat und liefert das Essen meist abends mit seinem Motorrad aus.

«Ich bin schon mehrere Male gestürzt, vor allem abends und wenn es kalt ist», erzählt er. Deshalb bereitet ihm die Aussicht Sorgen, sich als Selbstständiger selbst um seinen Versicherungsschutz kümmern zu müssen. «Würde mir etwas Schlimmeres passieren, könnte ich ohne Versicherung die Behandlungskosten nicht übernehmen.»

David Roth warnt vor «Scheinselbstständigkeit»

Auch David Roth steht vor Ort. Der Co-Sektorleiter Logistik bei Syndicom und Nationalrat fordert, dass «Just Eat die Menschen weiterhin anstellt». Er warnt davor, die Kuriere in eine «Scheinselbstständigkeit» zu drängen. Ob das geplante Modell rechtlich zulässig ist, ist damit noch nicht geklärt.

Für Roth steht fest: Wenn Beschäftigte auf Aufträge warten müssen und nur bei einer Lieferung Geld verdienen, werde das Geschäftsrisiko auf sie verlagert. «Das ist die Abwälzung des unternehmerischen Risikos», sagt er.

Eine Antwort von Just Eat steht noch aus.

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*Name der Redaktion bekannt

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Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

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