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Tuesday, September 29, 2026

Pflegende Angehörige – «Mein Sohn braucht Hilfe rund um die Uhr»

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«Es ist mein Naturell, dass ich helfe», sagt Ursula Steinmann. Schliesslich sei Martin ihr Sohn, und es sei ihr nicht egal, wie es ihm gehe. Martin Steinmann (53) hat Multiple Sklerose und sitzt seit zehn Jahren im Rollstuhl. «Mein Sohn braucht eigentlich immer Hilfe, egal, was er macht», erzählt sie. Sei es bei der Toilette, beim Essen, bei den Transfers vom Rollstuhl ins Bett und umgekehrt. «Ausser in der Zeit, in der er schläft», meint sie.

Zwei ältere Personen helfen einer Person auf einem Bett in einem Zimmer mit hellem Tageslicht.
Legende: Der Transfer vom Rollstuhl ins Bett ist ein Kraftakt. SRF

Angehörige wie Ursula Steinmann können sich von privaten oder öffentlichen Spitex-Organisationen anstellen und bezahlen lassen. «Ich darf zwei Stunden am Tag abrechnen», sagt Ursula Steinmann. Alles müsse aber ganz genau dokumentiert werden, führt sie aus und zeigt uns die Formulare. 34 Franken pro Stunde bekommt sie von der Spitex.

Die Anstellung sei ihr wichtig, weniger wegen des Geldes, eher wegen der Anerkennung. «Ich habe das Gefühl, dass alle pflegenden Angehörigen auch das Recht auf etwas haben», erklärt die Seniorin. Es sei schliesslich eine grosse Aufgabe und Freizeit könne man weitgehend abschreiben. Sie sei immer für Martin da, wenn er sie brauche.

Martin Steinmann lebt mit seinen Eltern in einem Bauernhaus, er unten, die Eltern im ersten Stock. Verbunden sind die beiden Stockwerke durch einen Treppenlift.

Hohe Gewinne für einige wenige Organisationen

Immer mehr Menschen, die Angehörige pflegen, lassen sich dafür anstellen. Deshalb ist nun die Politik aktiv geworden. Der Bundesrat kommt in einem Bericht zum Schluss, dass sich einige wenige Organisationen darauf spezialisiert hätten und mit diesem Geschäftsmodell hohe Gewinne erzielen könnten.

Darauf angesprochen, sagt Ursula Steinmann: «Ich finde es nicht ganz richtig, dass diese Organisationen sich eine goldene Nase verdienen, denn am Ende mache ich die Arbeit.»

Auch Ursula Steinmann hatte bis vor Kurzem für eine private Spitex-Organisation gearbeitet. Das sei auch in Ordnung gewesen, aber sie hätte oft keine Ansprechperson gehabt bei Fragen rund um die Pflege von Martin. Das sei jetzt besser bei der Spitex. Dort rufe sie immer jemand zurück, das sei bei der anderen Organisation anders gewesen. Dort sei oft nur der Telefonbeantworter zu hören gewesen.

Politik wird aktiv

Das Parlament fordert schweizweit verbindliche Qualitätskriterien für die Angehörigenpflege. Der Bundesrat soll festlegen, wer genau für Geld pflegen darf und was die Krankenkassen respektive Kantone und Gemeinden dafür zu bezahlen haben. Geregelt werden soll auch die Ausbildung der bezahlten Pflegenden. Der Nationalrat unterstützte am Dienstag mit klarem Mehr Motionen zur bezahlten Angehörigenpflege. Der Ständerat hatte sie bereits zuvor angenommen.

Krankenkassen warnen

Box aufklappen Box zuklappen

Mindestens 350 Millionen Franken dürfte die Angehörigenpflege im Jahr 2026 laut Prioswiss, dem Verband der Krankenversicherer, die Prämienzahler und -zahlerinnen kosten.

Eine Umfrage bei rund vierzig Prozent der Spitex-Organisationen bestätigte bereits früher einen Anstieg. Erstellt hat sie der Bundesrat für einen im Oktober 2025 veröffentlichten Bericht. 2024 gab es neunmal mehr angestellte pflegende Angehörige als 2022. Die Zahl der abgerechneten Stunden versechsfachte sich auf rund eine Million.

Das Bundesgericht urteilte 2019, dass pflegende Angehörige sich für Leistungen in der Grundpflege anstellen und bezahlen lassen dürfen. Dabei hielt es fest, dass weder Gesetz noch Verordnungen definierten, welchen fachlichen Mindestanforderungen Angestellte von solchen Organisationen genügen müssten.

«Das heisst aber für uns ganz klar, dass nicht die Angehörigen weniger verdienen sollen, sondern dass die Margen kleiner werden bei den entsprechenden Organisationen», sagt Prioswiss-Direktorin Saskia Schenker gegenüber SRF. Dieser Meinung ist auch der Verband der privaten Spitex-Organisationen. Der übrigens auch die meisten geforderten Änderungen bei der Angehörigenpflege begrüsst.

Ursula Steinmann beobachtet interessiert, was die Politik diskutiert. Sie wünscht sich, dass ihre Leistung und die aller anderen pflegenden Angehörigen gesehen werden. «Ich glaube, es wäre einfach total falsch, wenn man wieder die pflegenden Angehörigen zurückschrauben würde.»

Und: «Es wäre auch schön, wieder einmal Ferien zu haben», meint sie mit einem Lachen.

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