Raupen fressen Futter weg – jetzt zittern Bauern vor dem Frühling

- Wegen einer Raupenplage müssen Bauern im Sarganserland Futter zukaufen und teils Kühe verkaufen.
- Die Raupen der Einpunkt-Graseule fressen seit Mitte September Wiesen in der Region Sargans kahl.
- Unklar ist, ob das Gras im Frühling nachwächst oder neu angesät werden muss.
Seit Mitte September fressen Raupen der Einpunkt-Graseule in der Region Sargans im Kanton St. Gallen ganze Wiesen kahl. Die Plage trifft Bauern, denen schon der trockene Sommer zugesetzt hat. Weil jetzt das Gras fehlt, müssen manche Landwirte ihre Kühe früher in den Stall holen, Wintervorräte anbrechen und Futter zukaufen. Das geht ins Geld – auf einem Hof sollen wegen der angespannten Lage sogar einzelne Kühe verkauft werden.
«Sie fressen das ganze Gras»
In Heiligkreuz ist die Wiese grün-braun. Kühe stehen auf der Fläche, doch stellenweise fehlt das Gras. «Die Gräser fressen sie auf», sagt Beat Ackermann. Was noch steht, sind Löwenzahn und Klee. Der 48-jährige Landwirt führt mit seiner Frau und seiner Familie einen Milchwirtschaftsbetrieb. Seit 25 Jahren bewirtschaftet er den Hof. Eine solche Raupenplage wie jetzt habe er noch nie erlebt. Rund 6 Hektaren seien bei ihm betroffen.
Dabei hatte der Herbst nach dem trockenen Sommer Hoffnung gemacht. «Wir dachten, es gäbe noch einmal schönes Futter für die Tiere», erzählt Ackermann. «Und dann kamen die Raupen.»
Sogar in der Futtermischung für die Kühe sind die Raupen
Die Raupen tauchten auch in Ackermanns Stall auf: im Mehl und in der Futtermischung für die Kühe. «Das hat mich am meisten besorgt», sagt der Milchbauer. Er habe sich gefragt, ob seinen Tieren etwas passiere, wenn sie die Raupen mitfressen. «Bis jetzt ist nichts passiert.» Ob sie für die Kühe schädlich sein könnten, könne er nicht beurteilen.
Noch reichen seine Vorräte. «Gerade jetzt habe ich noch Futter zur Genüge», sagt Ackermann. Doch er denkt bereits an die kommenden Monate: «Vielleicht sieht es im Januar, Februar ganz anders aus.»
Ein Drittel von 35 Hektaren betroffen
Auch Milchbauer Willi Bartholet (47) kennt den Blick auf Wiesen, auf denen immer weniger Gras steht. Zuerst habe er sich gefragt, warum es verschwinde. Dann entdeckte er die Raupen.
Sein Betrieb bewirtschaftet insgesamt 35 Hektaren. Rund ein Drittel davon sei betroffen, schätzt er. Das fehlt ihm nun als Futter für seine Milchkühe. «Wir müssen jetzt Futter kaufen», sagt er. Die Kühe lässt er nur noch vom Morgen bis zum Mittag hinaus. Zusätzlich werden sie im Stall gefüttert. Eigentlich hätten sie jetzt noch auf der Weide genügend Gras finden sollen.
Bis zu 100 Franken zusätzlich – jeden Tag
Bartholet schätzt die zusätzlichen Futterkosten auf bis zu 100 Franken täglich. Wie lange er zukaufen muss? «Es ist sicher mehr als ein Monat.» Bei diesem Tagessatz wären das bereits in 30 Tagen 3000 Franken.
Schon die Trockenheit hatte dem Milchbetrieb zugesetzt. Seit Juni füttere die Familie die Tiere teilweise «fast wie im Winter», sagt Willi Bartholet. Das erhoffte Herbstgras fehlt nun ebenfalls.
«Jetzt bin ich am Futter sparen»
Auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Stefanie Müller und ihrem Mann Konrad stehen die Kühe inzwischen im Stall. «Ich musste jetzt schon alle Kühe in den Stall nehmen», sagt Konrad. Mehr als einen Monat früher als vorgesehen. «Jetzt bin ich am Futter sparen.»
Mindestens zwei Drittel ihrer Weideflächen sei betroffen, schätzt Stefanie. Die Familie muss deshalb bereits die Vorräte anbrechen, die für den Winter gedacht waren.
«Es ist schon frustrierend», sagt die Bäuerin. «Man arbeitet eigentlich das ganze Jahr.» Trotzdem habe es schon wegen der Trockenheit weniger Futter gegeben. Nun komme die Raupenplage dazu.
Jetzt sollen einzelne Kühe verkauft werden
Die Familie will deshalb auch Tiere abgeben. Aktuell wurden noch keine Kühe verkauft, sagt Stefanie Müller. Das soll sich jetzt ändern.
Trockenheit, fehlendes Weidefutter und zusätzliche Ausgaben: Auf ihrem Betrieb kommen mehrere Belastungen zusammen. Ob die Raupen im nächsten Herbst wieder auftauchen, weiss Konrad nicht. Er hofft, dass es bei diesem Jahr bleibt.
Landwirtschaftsamt beobachtet die Raupen
Auch das Landwirtschaftsamt befasse sich mit der Plage, berichtet Milchbauer Ackermann. Die Mitarbeitenden schauten sich die betroffenen Flächen an und beobachteten die Raupen. Wie gross die Schäden in der Region insgesamt sind, ist bisher unklar.
Unterdessen hätten sich die Raupen weiter ausgebreitet, erzählt Ackermann. Sie hätten bereits die Hauptstrasse überquert. Auch auf der anderen Talseite gebe es inzwischen betroffene Flächen. Nun hofft der Milchbauer auf kälteres Wetter, das der Plage ein Ende setzen könnte. «Man sagt, die Kälte haben sie nicht gerne», erklärt er.
Wächst im Frühling wieder Gras?
Doch mit dem Verschwinden der Raupen wären für Ackermann nicht alle Sorgen vom Tisch. Den Milchbauern beschäftigt die Frage, ob die Tiere auch die Wurzeln angreifen könnten. Er befürchtet, dass sich die Wiesen dann nicht ohne Weiteres erholen. Ob tatsächlich Wurzeln beschädigt werden, muss geklärt werden.
Müssten die Flächen neu angesät werden, kämen zum fehlenden Futter weitere Kosten hinzu. Für Ackermann geht es deshalb längst auch um den nächsten Frühling – und darum, ob auf den grün-braunen Wiesen dann wieder genügend Gras für seine Kühe wächst.
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Daniela Bertuzzi (dbe) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten im Ressort Regionen-Netzwerk
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