Zu klein: Bauernfamilie Müller bleibt auf Zwetschgen sitzen

- Die Bauernfamilie Müller aus Neukirch TG musste 300 Kilo Zwetschgen vom Grosshändler zurücknehmen, weil die Früchte zu weich waren.
- Dank eines Facebook-Posts wurden die 300 Kilo innert einer Stunde für einen Franken pro Kilo verkauft – aus den Zwetschgen wird nun Schnaps.
- Der Hitzesommer liess die Früchte zu früh reifen und zu klein werden; Bauer Mathias Müller wünscht sich mehr Toleranz und einen höheren Mindestdurchmesser als 36 Millimeter.
Unter dem Motto «Hauptsach, sie sind weg» hat es für einen Franken das Kilo funktioniert. Familie Müller aus Neukirch TG ist 300 Kilo Zwetschgen losgeworden. Diese waren zu weich für den Grosshändler und Müllers mussten sie wieder zurücknehmen. Damit sie nicht auf den 300 Kilo sitzen bleiben, hatte Amanda Müller (38) einen Facebook-Post veröffentlicht und die Zwetschgen für einen Franken das Kilo angeboten. «Innert einer Stunde bin ich die 300 Kilo losgeworden», wie sie zu 20 Minuten sagt. Aus den zu weichen Zwetschgen wird jetzt Schnaps produziert.
Bäume voller Blüten
«Dieses Jahr haben wir ein spezielles Jahr», sagt Mathias Müller (38), Amandas Ehemann, zu 20 Minuten. Im Frühjahr seien sie noch optimistisch gewesen. «Die Bäume waren im Frühling voll mit Blüten. Die Ernte kann nur super werden, hatten wir gedacht.» Nach der langen Trockenperiode diesen Sommer sind die Zwetschgen nun leider viel zu früh reif geworden und beendeten ihr Wachstum frühzeitig. «Der Regen der letzten Zeit braucht der Baum nun selber für sich und stösst die Zwetschgen ab», so der Bauer.

Mindestens 36 Millimeter sind gefragt
Die zu weichen Zwetschgen sowie die zahlreichen Zwetschgen, welche für den Handel einen zu kleinen Durchmesser haben, muss die Familie selber privat unter die Konsumenten bringen. Der Grosshandel kontrolliert bei jeder Lieferung stichprobenartig die Kisten. «Wenn nur vereinzelte Zwetschgen kleiner sind als die vorgegebenen 36 Millimeter, wird es toleriert», so der Bauer.
Sind es aber mehrere aus einer Kiste, die den Durchmesser nicht erfüllen, so müssen wir die Früchte wieder zurücknehmen», erklärt der Bauer. Die Familie weiss schon während der Ernte, welche Früchte die Grösse erfüllen. Deswegen kommt es selten vor, dass die Familie Kisten wieder entgegennehmen muss, welche eigentlich für den Grosshändler bestimmt waren. In diesem trockenen Sommer wünscht sich Müller deswegen etwas mehr Toleranz der Händler, dass der Mindestdurchmesser etwas runtergeschraubt wird, damit zahlreiche Früchte mehr in den Grosshandel schaffen können.
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Selber ernten für nur 50 Rappen pro Kilo
Um trotzdem mit den Zwetschgen noch Umsatz zu generieren, verkauft Amanda die zweitklassigen Zwetschgen für einen Franken das Kilo in ihrem kleinen Hofladen in Neukirch. Erstklassige Zwetschgen kann die Familie nach wie vor einem Grosshändler verkaufen.

Um möglichst alle Zwetschgen unter die Konsumenten zu bringen, kann man ab nächster Woche bei der Familie Müller die Zwetschgen auf Voranmeldung (unter der Nummer: 079 926 32 24) für 50 Rappen pro Kilo selber ernten. «Wir können auch auf Bestellung die zweitklassigen Zwetschgen bereitlegen. Dies würden wir für einen Franken das Kilo anbieten.»

Gefrierer geleert und wieder mit Zwetschgen gefüllt
Hofladen-Kundin Stefanie (41) hat über Facebook von den vielen zweitklassigen Zwetschgen mitbekommen und ist kurzerhand aus Roggwil TG losgefahren, um Zwetschgen zu besorgen. Kilo für Kilo packt sie in ihre eigenen mitgebrachten Schüsseln um. «Aus den Zwetschgen wird nun Wähe, Mousse und Konfitüre. Ein Teil wird unverarbeitet für später eingefroren», sagt Stefanie zu 20 Minuten.
Bevor sie sich auf den Weg gemacht hat, hat sie extra noch ihren Gefrierer geleert, um ihn bei der Rückkehr wieder mit Zwetschgen zu füllen. «Ich komme dieses Jahr bestimmt wieder, vielleicht auch mal mit meinen Kindern, um Zwetschgen selber zu pflücken.»
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2024, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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