Militärische Kommunikation: Großbritannien vertieft Abhängigkeit von SpaceX
Trotz wachsender europäischer Bedenken wegen der Abhängigkeit von US-Sicherheitsinfrastruktur hat Großbritannien mehr als 34 Millionen Euro für Satellitendienste des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX ausgegeben und damit seine Abhängigkeit von Elon Musk geführten Unternehmen vertieft. Die Ausgaben wurden von der britischen Regierung auf eine Anfrage durch die Nachrichtenagentur Reuters hin offengelegt.
Großbritannien habe damit als erstes Land außerhalb der Vereinigten Staaten öffentlich die Nutzung von Starshield bestätigt, einem SpaceX-Dienst für militärische und nachrichtendienstliche Satellitenkommunikation, so Reuters. Das Spionagenetz Starshield im Dienst des US-Militärs besteht aus einer Konstellation von Hunderten Satelliten. Es basiert auf der Technologie der ebenfalls von SpaceX aufgebauten Satellitenkonstellation Starlink, arbeitet aber unabhängig von dieser. Starlink richtet sich vor allem an Privat- und Geschäftskunden.
1.000 Starshield- und 500 Starlink-Terminals
Wie das britische Verteidigungsministerium auf die Reuters-Anfrage hin mitteilte, verfügt Großbritannien über rund 1.000 Starshield- und 500 Starlink-Terminals. Für Starshield, einschließlich Terminals und Verbindungsentgelten, wendete die Regierung in London demnach etwa 13 Millionen Pfund (15,1 Millionen Euro) auf; für Starlink schlugen 16,5 Millionen Pfund (19,2 Millionen Euro) zu Buche.
Die Zahlen werden bekannt zu einem Zeitpunkt, da die Europäer versuchen, in der kommerziellen und militärischen Satellitenkommunikation unabhängiger von US-Satellitenbetreibern wie eben SpaceX zu werden und die eigenen Verteidigungsfähigkeiten zu stärken. Hintergrund sind wachsende Sorgen über die technologische und sicherheitspolitische Abhängigkeit, insbesondere von Washington, und Bedenken hinsichtlich des Engagements der USA für die Sicherheit Europas. Auf dem Raumfahrtgipfel International Space Summit in Paris haben die Europäer in dieser Woche die Weichen für die Zukunft der europäischen Raumfahrt gestellt. Ein zentrales Thema war die strategische Autonomie, die durch geopolitische Spannungen zunehmend unter Druck steht.
Von Starlink zu Starshield
Bereits Anfang Juni berichtete Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass das britische Verteidigungsministerium Mitte 2022 mit der Nutzung von Starlink begann und den operativen militärischen Kommunikationsverkehr zunehmend auf Starshield verlagert hat.
Das britische Verteidigungsministerium gab demnach an, man habe sich für Starshield entschieden, nachdem SpaceX Vorschriften erlassen hatte, dass Starlink „nur für Zwecke der Truppenbetreuung, des Wohlergehens, der Freizeitgestaltung und der Ausbildung genutzt werden dürfe“. Starshield hingegen biete „erweiterte Verschlüsselung, militärspezifische Nutzungsbedingungen, höchste Netzwerkpriorisierung, flexible Lizenzierungsmodelle sowie eine erweiterte Abdeckung“, teilte das Ministerium mit. Für Großbritannien nutzt Starshield nach Angaben des Ministeriums dieselbe Satellitenkonstellation, dieselben Bodenstationen und dieselbe terrestrische Infrastruktur wie Starlink, operiert jedoch über spezielle Terminals und separate bodengestützte Netzwerk-Gateways.
Umstellung vor zwei Jahren
Wie aus der Antwort des Ministeriums an Reuters hervorgeht, begann London vor zwei Jahren damit, Starshield-Dienste über vorhandene Starlink-Terminals zu nutzen. Die ersten eigenen Starshield-Terminals schaffte das Ministerium dann im vergangenen Jahr an. Die Starshield-Terminals kosten zwischen 4.000 und 7.000 Pfund pro Stück, schreibt Reuters auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person, und damit doppelt so viel wie Starlink-Terminals für den geschäftlichen Einsatz.
Das britische Verteidigungsministerium verfügt mit Skynet über ein eigenes Netz an militärischen Kommunikationssatelliten. Großbritannien ist zudem Anteilseigner an dem europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat, dem neben Starlink einzigen Betreiber eines voll funktionsfähigen globalen LEO-Netzwerks von Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn. Eutelsat hat gerade den Ausbau seiner Satellitenkonstellation angekündigt.
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