Mit 9 Jahren schon WM-Titel: «Man kann nicht ohne Gefühle tanzen»

Darum gehts
- Am Samstag, 24. Oktober, findet im Zürcher Hallenstadion der Red Bull Dance Your Style World Final statt.
- Vor 15’000 Zuschauenden entscheidet ein Improvisations-Battle, wer Weltmeister wird.
- Acht Dancer haben eine Wildcard, darunter der Schweizer Stalamuerte aus Vevey. Wir stellen sie vor.
Am Samstag, 24. Oktober, treffen im Zürcher Hallenstadion die besten Tänzerinnen und Tänzer der Welt bei Red Bull Dance Your Style aufeinander. Vor 15’000 Zuschauenden entscheidet sich im Improvisations-Battle, wer den Weltfinal gewinnt.
Neben den nationalen Champions und den Teilnehmenden der Pre-Finals haben acht Dancer eine Wildcard erhalten und stehen damit direkt in den finalen Battles in Zürich. Sieben kommen aus dem Ausland, der achte ist der Schweizer Stalamuerte.
Alle Finalistinnen und Finalisten
- Sharay (Kolumbien)
- Happyfeet (Neuseeland)
- Yoon Ji (Südkorea)
- Waacking Slayer (Grossbritannien)
- Lil Syd (Österreich)
- Hector (Dänemark)
- Willis (Frankreich)
- Ringo Winbee (Japan)
Die acht Qualifizierten treffen auf acht internationale Wildcards: Candyman, Stalamuerte, Capjay, Locker Zee, Limpopo Boy, Xelyna, SonYa und Hinata/Chaa.
Stalamuerte (Schweiz)
Cédric Jorge Borges alias Stalamuerte hat im Freestyle Dance fast alles erreicht. Jetzt geht es ihm um sein Vermächtnis. Der 33-Jährige aus Vevey kam durch seinen älteren Bruder zum Hip-Hop und probierte schon als Kind verschiedene Stile aus. Mentor Mamadou «Mams» Kalombo gab ihm später Grundlagen in House, Popping, Locking und Hip-Hop.
Mit Diablo bildet er seit 2016 das Duo «Los Diablos de la Muerte», 2019 gewannen sie Juste Debout. Heute reist Stalamuerte für Events, Videodrehs und Model-Jobs um die Welt und gibt sein Wissen an die nächste Generation weiter. Gewinnen ist längst nicht mehr alles, wie sie dem «The Red Bulletin» sagt: «Zieh nicht in die Schlacht, um zu gewinnen. Zieh in die Schlacht, um zu zeigen, wer du bist.»
Locker Zee (Südkorea)
Kim Minji alias Locker Zee rechnet vor einem Battle mit dem Verlieren. Denn wenn sie unbedingt gewinnen will, wird sie nervös. Die Südkoreanerin begann mit Breaking und wechselte später zum Locking, einem Funk-Stil mit fliessenden Bewegungen und abrupten Stopps.
2025 gelang ihr der Durchbruch: Sie gewann Feel the Funk, siegte tags darauf in China und später mit Joshua bei Summer Dance Forever als erste Person aus Asien in der Locking-Kategorie. Anfang 2026 wurde sie bei den Choreo Awards als Female Dancer of the Year ausgezeichnet. Ihr Verhältnis zum Tanz bleibt intensiv: «Manchmal tut es so weh, als würde mein Leben enden. Und manchmal denke ich: Deshalb bin ich am Leben!»
Xelyna (Spanien)
Fünf unfreiwillige Monate in Äquatorialguinea veränderten Xelynas Karriere. Wegen Problemen mit ihren Papieren musste sie 2025 in ihrem Herkunftsland bleiben. Dort beobachtete sie Tänzer, die weniger nach Regeln tanzten und stärker darauf vertrauten, was sich richtig anfühlte. So entwickelte Xelyna ihren Hip-Hop-Freestyle mit Einflüssen afrikanischer Tänze.
Aufgewachsen ist sie in einer Familie, in der Tanz zum Alltag gehörte. Mit 16 stellte sie Videos ins Netz, später wurde Tanzen ihr Beruf. Der World Final 2023 war ihr erster internationaler Wettbewerb, ihre erste Runde ging viral. Danach arbeitete sie sogar mit Will Smith. Drei Jahre später kehrt sie mit einer Wildcard zurück.
Capjay (USA)
Jaden «Capjay» Mosby will nicht mehr primär seine Gegner besiegen, sondern sich selbst. Seine Spezialität ist Wordplay: Er reagiert auf einzelne Wörter eines Songs und wird zum Charakter der Musik. Weil ein internationales Publikum die englischen Texte womöglich nicht versteht, muss in Zürich seine Bewegung die Geschichte erzählen.
Capjay tanzte schon als Kleinkind und war mit drei in der Kindersendung «Hip Hop Harry» zu sehen. Später wollte er Basketballprofi werden, ehe er sich Freestyle selbst beibrachte. 2025 gewann er mit 18 Jahren seinen ersten Dance-Your-Style-Qualifier. Sein Credo: «Tanzt aus Liebe zum Tanz und lasst eurer Leidenschaft freien Lauf. Seid ganz euch selbst.»
Hinata (Japan)
Auf Hinatas Vision Board steht nicht: «Ich möchte den World Final gewinnen.» Dort steht: «Ich habe den World Final gewonnen.» Seit die Japanerin mit zwölf Jahren THE D, SoraKi und Kyoka auf der World-Final-Bühne sah, verfolgt sie dieses Ziel.
Hinata begann mit vier Jahren aufzutreten und entdeckte mit sechs Krump. Später trainierte sie mit Krump-Pionier Tight Eyex. 2018 gewann sie mit gerade einmal neun Jahren das International Illest Battle in Frankreich, ihren ersten Weltmeistertitel. Zusätzlich begann sie zu breaken. Heute will die 18-Jährige sowohl den Dance Your Style World Final im Krump als auch den BC One World Final im Breaking gewinnen. «Man kann nicht ohne Gefühle tanzen. Wenn du nichts fühlst, kommt auch nichts an.»
Candyman (Frankreich)
Eine verlorene Wette machte Milandou Christ alias Candyman zum Tänzer. Als Schüler hielt der gebürtige Kongolese Tanzen für Zeitverschwendung. Dann verlor er eine Wette, deren Einsatz ein Jahr Tanzunterricht war. Er zog es durch und blieb beim Locking. Seinen Namen verdankt er den Süssigkeiten, die er beim Training für zusätzliche Energie dabeihatte.
Battle zum Greifen nah
Für den Final sind die Tickets schon längere Zeit weg. Doch für Tanzbegeisterte gibt es am Freitagabend eine grosse kostenlose Show. Das Highlight vor dem grossen Final im Hallenstadion bildet das Battle rund um Stalamuerte im Schiffbau und ist ebenfalls für alle ohne Ticket zugänglich. Der Abend wird mit Red Bull Dance Your Style Catwalk & Bracket Reveal eingeläutet und endet mit einem Live-Konzert im Moods.
Dazu hat man am Freitag noch die Chance auf Tanzworkshops.
- 25hours Hotel Langstrasse 14–15.30 «Who runs the floor?» Run Club with Salty Sports Club & adidas Runners
- Bananenreiferei 16–17.30 Choreo-Workshop mit Luciano
Alle Infos zum Event gibt es hier.
Lange führte Candyman ein Doppelleben: unter der Woche Buchhalter, am Wochenende Battle-Dancer. Er stand im Final von Street Dance of China und gewann zweimal Juste Debout. Ende 2025 erklärte er seine Battle-Karriere für beendet, inzwischen tanzt und unterrichtet der zweifache Vater wieder hauptberuflich. In Zürich will er tanzen wie ein Kind: ohne Gedanken an Technik oder Sieg.
Sonya (Frankreich)
Sonia Bel Hadj Brahim alias SonYa trainiert in imaginären Räumen in ihrem Kopf. Einen gibt es für Grundlagen, andere für Rhythmus, Tricks, Musikalität oder Bodenarbeit. Die Französin begann mit 14 mit Popping und brachte sich später über Youtube Waacking bei. Rund fünfzehn Jahre arbeitete sie vor allem auf Theaterbühnen.
Mit 36 tritt SonYa in Zürich erstmals bei Red Bull Dance Your Style an. Sie beherrscht mehrere Stile, will sich im Battle aber nicht verzetteln. Denn dort müsse man auch funktionieren, wenn der Körper schmerzt oder die Musik nicht inspiriert. «Tanzen war eine Art Flucht für mich. Ich wollte etwas können, das mit der Schule nichts zu tun hat.»
Limpopo Boy (Südafrika)
Limpopo Boy wuchs ohne Eltern im südafrikanischen Sekonye Molemole auf. Seine Mutter war Tänzerin. Wenn er im Dorf tanzte, sagten ältere Menschen zu ihm: «Du erinnerst mich an sie. Mach weiter, deine Mutter schaut dir zu.» Heute ist er selbst Vater und stolz darauf, für seinen Sohn da zu sein.
2014 entdeckte DJ Cleo ein Video von ihm. Später choreografierte Limpopo Boy beim Global Citizen Festival für Sho Madjozi und stand mit Beyoncé und Jay-Z auf der Bühne. Sein grösster Traum führt jedoch zurück nach Hause: Er möchte in jeder der neun südafrikanischen Provinzen ein Tanzstudio eröffnen. In Limpopo arbeitet er bereits am ersten. «Ich tanze nicht einfach nur. Ich verbinde mich mit der Musik.»
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
