Nach dem Hitzesommer – Skifahren auf schwindendem Eis: Wie lange noch?

Acht Wochen standen die Lifte auf dem Allalingletscher still. Seit ein paar Tagen laufen sie nun teilweise wieder. Damit das möglich ist, präparieren die Bergbahnen die Pisten mit Schnee, der vom letzten Winter übrig geblieben ist. «Es ist kein neuer Schnee dazugekommen», sagt Simon Bumann, Direktor der Saastal Bergbahnen.
Normalerweise liegt Anfang Oktober auf 4200 Metern über Meer bereits genügend Schnee. Dieses Jahr sei die Situation jedoch anders. «Die Schneedecke ist momentan sehr dünn. Trotzdem ist ein Skibetrieb möglich», so Bumann.
Snowfarming ist eine Form des Schneemanagements. Dazu gehören Transport, Lagerung, Verarbeitung, Konservierung, Präparation und Pflege von Schneeanlagen und Schneedepots.
Auf dem Allalingletscher werden zum Beispiel Terrassen angelegt, damit der Schnee bei Verwehungen hängen bleiben soll.
Doch der Aufwand dafür ist erheblich. Man habe etliche Mann- und Maschinenstunden investiert. «Kritisch ist vor allem der Unterhalt der Lifte. Da hatten wir im oberen Bereich Steinschlag und mussten räumen.» Auch Gletscherspalten habe man schliessen müssen, damit die Liftanlagen überhaupt in Betrieb gehen konnten. «Wir haben es irgendwie geschafft.»
Baumann betont, dass ein Skigebiet auf dem Gletscher grundsätzlich viel Arbeit mit sich bringe. «Es entstehen neue Gletscherspalten, weil sich der Gletscher bewegt.» Diese müsse man aus Sicherheitsgründen schliessen. «Ohne die Arbeiten im Sommer wäre auch der Betrieb im Winter nicht möglich.»
Skicracks auf Piste angewiesen
Trotz der schwierigen Bedingungen profitieren dieser Tage rund 800 Athletinnen und Athleten von den präparierten Pisten auf dem Allalingletscher in Saas-Fee. «Für uns ist es das A und O, dass wir im Herbst trainieren können, um im Dezember parat zu sein», sagt die Schweizer Skicrosserin Saskja Lack.
Die Skicrosserin trainiert nicht zum ersten Mal in Saas-Fee. «In anderen Jahren hatte es meterweise Schnee», so Lack. «So krass wie jetzt hat man den Gletscher noch nie gesehen.»
Gletscherskibetrieb als Auslaufmodell?
Trainingsteams auf den Pisten bedeuten gleichzeitig auch Gäste in den Hotels von Saas-Fee. Die touristische Bedeutung des Sommerskifahrens sei aber relativ klein, sagt Damian Constantin, Direktor der Walliser Tourismusorganisation. «Im Sommer lebt der Tourismus vor allem von den Gästen, die auf einem Berg die Aussicht geniessen wollen. Sie kommen unabhängig vom Skigebiet auf den Gletscher.»
So krass wie jetzt hat man den Gletscher noch nie gesehen.
Wozu also der Aufwand, wenn er touristisch nicht ins Gewicht fällt? «Für den Schweizer Ski-Nachwuchs ist der Aufwand wohl gerechtfertigt», so Tourismusdirektor Constantin. Schliesslich könnten es sich nicht alle leisten, fürs Training nach Südamerika zu reisen. «Aber früher oder später wird man sich die Frage stellen müssen, ob und zu welchen Bedingungen der Sommerbetrieb aufrechterhalten werden kann.»
Eine Frage, die man sich auch in Saas-Fee stellt. «Uns ist bewusst, dass das Ganze ein Verfallsdatum hat. Irgendwann wird der Gletscherskibetrieb nicht mehr möglich sein – es gibt ein End of Life», sagt Simon Bumann von den Saastal Bergbahnen. Man bereite sich bereits darauf vor. «Wenn die Skitrainings nicht mehr stattfinden können, müssen wir uns mit Alternativprogrammen anders ausrichten.»
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 09.10.2026, 17:30 Uhr ; lana;stes;noes
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