Rechtsprofessor raste mit über 200 km/h in Frau – drei Jahre Haft

Darum gehts
- Ein Rechtsprofessor in seinen Sechzigern steht in Vevey wegen Mordes vor Gericht.
- Er soll 2020 auf der A9 mit über 210 km/h eine 44-jährige Frau gerammt haben, sie starb noch am Unfallort.
- Der Beschuldigte räumt ein, den Unfall verursacht zu haben, könne sich aber nicht erinnern.
Seit Dienstag steht D.* vor dem Strafgericht in Vevey. Dem Mann in seinen Sechzigern wird Mord vorgeworfen. Am 28. November 2020 soll er auf der A9 zwischen Vevey und Chexbres mit über 210 km/h unterwegs gewesen sein. Erlaubt sind auf diesem Abschnitt maximal 120 km/h.
Gegen 19.30 Uhr fuhr eine 44-jährige Waadtländerin auf der Autobahn, als Daniels Auto sie von hinten rammte. Ihr Fahrzeug geriet ins Schleudern und prallte in die Leitplanke. Die Frau wurde aus dem Auto geschleudert und starb noch an der Unfallstelle.
«Von der Realität abgekoppelt»
D. hat vor Gericht eingeräumt, den Unfall verursacht zu haben. An die Zeit zwischen der Ausfahrt «Vevey-Montreux» und dem Aufprall könne er sich jedoch nicht erinnern. Er sei «von der Realität abgekoppelt» gewesen, sagte er.
In ersten Aussagen hatte der Beschuldigte noch ein Fahrmanöver des Opfers verantwortlich gemacht. Diese Aussagen seien von einem «verwirrten Mann» gekommen, der «unter Schock gestanden habe und depressiv» gewesen sei. Staatsanwalt Stephan Johner hielt dagegen: «Ihre Art, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, war es, das Opfer zu beschuldigen, Sie gerammt zu haben?»
D. entschuldigte sich. Er habe sich aber nie seiner Verantwortung entziehen wollen. «Ich kann mir einfach nicht vorstellen, in einem normalen Zustand gewesen zu sein und mit über 200 km/h gefahren zu sein», sagte er.
Angeklagter spricht von Alkoholproblemen
Zum Unfallzeitpunkt hatte der Beschuldigte Alkohol im Blut. Der Angeklagte erklärte den Wert mit übermässigem Konsum von Echinaforce. Das pflanzliche Heilmittel enthält Alkohol. Er habe damals grosse Alkoholprobleme gehabt und das Mittel in hohen Mengen eingenommen, weil er geglaubt habe, es könne ihn vor dem Coronavirus schützen.
Der Staatsanwalt zeigte sich skeptisch: «Glauben Sie, dass der Grossteil der Konsumenten mehr als das 100-Fache der empfohlenen Dosis zu sich nimmt?»
Opferfamilie kontaktiert
Seit dem Unfall hat D. zwei Briefe an die Opferfamilie geschrieben. Darin bedauere er den Unfall «unendlich». Er denke bis heute jeden Tag daran. Ein Auto besitze er nicht mehr – und wolle auch nie wieder eines fahren. Die Plädoyers sind für Mittwoch geplant.
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