Film "NAZA": Israelische Armee veröffentlicht Stellungnahme
Bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig Mitte September bekam der Film gute 25 Minuten lang stehende Ovationen und den Spezialpreis der Jury. In Israel aber löste "NAZA" heftige Debatten aus. Der israelische Kulturminister Miki Zohar bezeichnete die Arbeit der beiden Filmemacher - Rachel Szor und Yuval Abraham - als Landesverrat und forderte, ihnen die Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Auch die israelische Armee (IDF) hatte die im Film thematisierten Vorwürfe über ihr Vorgehen in Gaza entschieden zurückgewiesen. Nun hat sie ein mehrseitiges Dokument veröffentlicht, in dem sie den Filmemachern vorwirft, ein "verzerrtes, irreführendes und unaufrichtiges Bild" zu zeichnen. Die Darstellung des Films beruhe auf "erheblichen sachlichen Fehlern", so heißt es weiter, die aus "manipulativen Falschdarstellungen der Realität" resultierten.
Blick hinter die Kulissen des Krieges
Der 80-minütige Dokumentarfilm "NAZA" untersucht die Vorgehensweise der israelischen Armee im Gaza-Krieg. Er basiert auf Interviews, die mit 24 anonymen Militär- und Geheimdienstangehörigen geführt wurden. Diese schildern interne Abläufe und Entscheidungsprozesse bei der Auswahl von Angriffszielen im Gazastreifen. Nach Darstellung der Gesprächspartner wurden dabei hohe zivile Opferzahlen teils bewusst einkalkuliert.
Die israelische Armee widerspricht dieser Darstellung. So habe die Armee niemals Angriffe geplant oder durchgeführt, bei denen Hunderte zivile Todesopfer erwartet worden seien. Auch die Behauptung, Künstliche Intelligenz habe eigenständig Angriffsziele ausgewählt, sei falsch. Entscheidungen über Ziele und Angriffe seien stets von Menschen getroffen worden.
Zugleich wirft die Armee den Filmemachern vor, wichtige Aspekte auszublenden. Der Film zeige weder die Rolle von militärischen Rechtsberatern und Kommandeuren bei der Prüfung und Freigabe von Angriffen noch thematisiere er die Maßnahmen der Streitkräfte zum Schutz von Zivilisten. Außerdem räume er dem Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023 nicht das aus Sicht der Armee angemessene Gewicht ein.
Das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg wird von mehreren internationalen Menschenrechtsorganisationen und einer UN-Kommission als Genozid eingestuft. Nach Angaben lokaler Gesundheitsbehörden sowie weiterer Quellen wurden seit Beginn des Krieges mindestens 74.000 Palästinenserinnen und Palästinenser im Gazastreifen getötet.
"Naza" weltweit in den Kinos
Bei der Preisverleihung in Venedig Mitte September sagte Co-Regisseur Yuval Abraham: "Wir glauben, dass die Leugnung eines Verbrechens dazu beiträgt, dass es fortbesteht. Und deshalb ist es für uns wirklich, wirklich besonders wichtig, dass Israelis diesen Film sehen." Rachel Szor und Yuval Abraham hatten auch an dem Film "No Other Land" mitgewirkt, der 2025 einen Oscar als bester Dokumentarfilm bekommen hat.
"NAZA" leitet sich vom hebräischen Ausdruck "Nezek Agavi" für Kollateralschaden ab. Nach Darstellung eines im Film befragten Soldaten bezeichnet das Kürzel im Militär die geschätzte Zahl der Zivilisten, die bei einem Angriff sterben könnten.
Neben Kulturminister Miki Zohar hat auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Dokumentation scharf kritisiert. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, darunter die israelische Organisation B'Tselem, stellen sich hingegen hinter die Regisseure. Nach seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig startet der Film derzeit in zahlreichen Ländern weltweit in den Kinos.
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