Mit Züchten gegen Trockenheit – Klima und Landwirtschaft: Wie Sorten für die Zukunft entstehen

Die Pflanzenselektion ist keine moderne Erfindung. Der Mensch praktiziert sie, seit es Landwirtschaft gibt, indem er nachahmt, was spontan geschieht: «Es handelt sich um einen natürlichen Mechanismus der Anpassung von Pflanzen an Stress wie Krankheiten, Schädlinge, Trockenheit oder Kälte», erklärt Valérie Kottmann, Sprecherin von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung.
Allerdings sind die Zeitabläufe der Natur zu langsam für die Herausforderungen der modernen Ernährungssicherheit. Deshalb greift die Forschung ein, indem sie den Prozess der Selektion lenkt und beschleunigt. «Die Sortenzüchtung, die wir in der Schweiz betreiben, ist eine Säule der Nachhaltigkeit», betont Kottmann. Wenn eine Pflanze gegen Krankheiten und externe Einflüsse resistent werde, müssten auch weniger Pestizide und chemische Düngemittel eingesetzt werden.
So entstehen neue Sorten
Die Pflanzenselektion ist eine geduldige Arbeit und kann über zehn Jahre dauern.
- Zunächst wird ermittelt, welche Probleme für welche Kulturen gelöst werden müssen. Das kann die Resistenz gegen eine Krankheit sein oder die Toleranz für Hitze und Trockenheit.
- Dann werden die Elternpflanzen ausgewählt, die gekreuzt werden sollen. Manchmal sind es bereits bekannte Sorten, manchmal auch wilde oder experimentelle Pflanzen, die wir nie essen würden, weil sie vielleicht herb oder holzig sind, aber möglicherweise sehr starke Wurzeln haben, die der Trockenheit widerstehen. Das Ziel ist es, diese beiden Pflanzen zu «verheiraten».
- Durch die Bestäubung vermischt die Natur die Gene der Eltern. Unter den Tausenden von «Tochter»-Pflanzen, die aus der Kreuzung hervorgehen, müssen die Forschenden die perfekte Kombination aufspüren. «Es ist ein Wahrscheinlichkeitsspiel», erläutert Kottmann. «Je mehr Nachkommen getestet werden, desto grösser sind die Chancen, die seltene Perle zu finden, die alle gewünschten Eigenschaften vereint.»
- Jahr für Jahr wird die Selektion fortgesetzt, um das genetische Erbe der künftigen Sorte zu fixieren und die Stabilität der Merkmale zu gewährleisten.
Hilfe durch Sorten aus wärmeren Ländern
Eine Pflanze zu entwickeln, die wir im Jahr 2040 essen werden, ist eine komplexe Herausforderung, weil das künftige Klima unvorhersehbar ist. «Die Klimaerwärmung verläuft nicht linear», sagt die Agroscope-Sprecherin. «Wir werden einen instabilen Übergang erleben und ständig zwischen heissen Sommern, Trockenheit und plötzlichen Kälteeinbrüchen pendeln.»
Die Forschenden von Agroscope begegnen dem, indem sie sich Länder aussuchen, die heute bereits das Klima haben, das die Schweiz in zwanzig Jahren haben wird (wie Kroatien oder Marokko). Von dort holen sie Sorten, die an extreme Hitze gewöhnt sind, um sie mit den Schweizer Sorten zu kreuzen. Das genetische Material wird in Gewächshäusern getestet, die künstliche Trockenheit simulieren, oder direkt in den heissen Partnerländern.
Eine andere Methode ist die sogenannte Pendelzüchtung: Die Pflanzen werden gleichzeitig in Versuchsstationen mit sehr unterschiedlichen Klimata, Böden und Höhenlagen angebaut. Nur die Sorten, die überall gesund wachsen können, bestehen die Prüfung.
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