Gina H. weinte um ihr Pferd, aber nicht um Fabian (8)

- Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow stuft Gutachter Peter Keiper die Angeklagte Gina H. als voll schuldfähig ein.
- Er diagnostizierte bei der 30-Jährigen eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung sowie psychopathische Anteile, schloss aber eine verminderte Steuerungsfähigkeit aus.
- Als mögliches Motiv nennt Keiper «Egozentrik, Eifersucht und Rache» gegenüber Fabians Vater Matthias R.
Im Prozess um den getöteten Fabian stand am Donnerstag eine entscheidende Frage im Mittelpunkt: War Gina H. zum mutmasslichen Tatzeitpunkt schuldfähig? Der psychiatrisch-forensische Sachverständige Peter Keiper kam vor dem Landgericht Rostock zu einem klaren Ergebnis:
Laut «Bild» war die 30-Jährige in der Lage gewesen, das Unrecht und die Konsequenzen ihres Handelns vollständig zu erkennen. Eine erheblich verminderte oder aufgehobene Steuerungsfähigkeit schloss er aus.
Dabei stellte der Gutachter psychische Auffälligkeiten fest. Gemäss der Zeitung diagnostizierte er bei H. eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung des impulsiven beziehungsweise Borderline-Typs. Diese sei höchstens mittelgradig ausgeprägt. Zudem sprach Keiper von «psychopathischen Anteilen».
Fall Fabian
Gina H. bestreitet, Fabian getötet zu haben. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.
«Alles dreht sich um die Egozentrik von Frau H.»
Besonders aufgefallen sei Keiper H.s Umgang mit Emotionen. Laut «Bild» hat sie während der Gespräche zweimal geweint – wegen ihres verstorbenen Pferdes Tiffy und ihres leiblichen Sohnes. In Bezug auf Fabian habe er dagegen «zu keinem Zeitpunkt eine echte Betroffenheit oder tiefe Traurigkeit» bei ihr wahrgenommen. Etwas, was ihn überraschte.
«Alles dreht sich um die Egozentrik von Frau H.», sagte Keiper laut «Bild». Die Emotionslosigkeit der Angeklagten habe selbst den erfahrenen Psychiater erstaunt.
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Gutachter sieht «psychopathische Anteile»
Keiper beschrieb H. zudem als dominant, kontrollierend und manipulativ. Bei einer von ihm herangezogenen Psychopathie-Checkliste erreichte sie 22 von 40 Punkten. Die von Keiper genannte Schwelle liegt bei 25 Punkten. Er betonte jedoch, psychopathische Merkmale seien keine Krankheit, sondern «kriminologische Merkmale».
Laut Keiper wäre die mutmassliche Tat zudem nicht als Symptom ihrer Persönlichkeitsstörung zu werten. Nach seiner Einschätzung wäre sie aufgrund der von ihm beschriebenen psychopathischen Merkmale auch ohne diese Störung geschehen.
Fabian könnte zum «Störfaktor» geworden sein
Sollte sich die Tat so ereignet haben, wie es die Staatsanwaltschaft annimmt, sprechen laut Keiper die Vorbereitung, das planmässige Vorgehen und die Fähigkeit abzuwarten gegen eine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit.
Als mögliche Erklärung für die Tat brachte der Gutachter laut «Bild» die Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. ins Spiel. H. habe die Trennung von ihm als «existenzbedrohend» erlebt. Als Hypothese nannte Keiper eine «rächende Bestrafung des Vaters mit der Instrumentalisierung des Kindes». Mittlerweile sind R. und die Angeklagte wieder ein Paar.
Fabian habe sie möglicherweise als «störend und lästig» empfunden, weil sie Matthias R. wieder mit seinem Sohn habe «teilen» müssen. Keiper sprach von einem möglichen Zusammenspiel aus «Egozentrik, Eifersucht und Rache». Am 29. Oktober soll der Prozess laut «Bild» mit den Plädoyers weitergehen.
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