UNO-Generaldebatte – Als Ordnungsmacht melden sich die USA ab

In New York versammeln sich die Staats- und Regierungschefs. An Problemen fehlt es nicht – an Lösungsvorschlägen schon.
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22.09.2026, 19:27
Die Abschiedsrede von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres ist seine längste und seine eindringlichste. Doch sie hat zugleich ein wenig den Charakter einer Predigt an Ungläubige. Die Gräben in der Welt seien zu Schluchten geworden, so Guterres.
Besonders ins Visier nimmt er die Supermächte, die er in seiner zehnjährigen Amtszeit schonen musste, weil die UNO auf deren minimale Kooperation angewiesen ist. An den Supermächten und ihrem überbordenden Machtbewusstsein scheitere derzeit vieles.
Ein empörter Lula da Silva
Es gäbe, so Guterres, einen anderen, einen besseren Weg, als jenen, den die Welt derzeit einschlage. Einen, auf dem Recht und nicht Macht dominiert. Einen Weg mit Regeln für und gegen die grossen Herausforderungen – Atomwaffen, Killerroboter, Klimawandel oder, gerade ganz brisant, künstliche Intelligenz.
Bloss – ob Guterres ernsthaft daran glaubt, dass die Welt diesen positiven Weg wählt, wird aus seinen Worten nicht klar. Jedenfalls führt er selber die Weltorganisation nicht mehr dorthin. Er tritt in hundert Tagen ab.
Etliche Staats- und Regierungschefs pflichten Guterres’ Analyse und Forderungen bei. Unter ihnen Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Nie in all den Jahren, da er vor der Generalversammlung sprach, seien der Zustand der UNO und der Zustand der Welt so kritisch gewesen wie jetzt. Es sei empörend, das miterleben zu müssen.
Trump in eigener Sache unterwegs
Doch all den Forderungen, das sich das ändern müsse, versetzt US-Präsident Donald Trump einen Dämpfer. Für die UNO hat er keinerlei Vision und kein Interesse. Seine Rede gehört in weiten Teilen zur Kampagne für die US-Zwischenwahlen. Fast seine ganze Redezeit nutzt er für Selbstlob.
Ausserdem habe er das Iran-Problem gelöst. Nicht so recht dazu passen will seine Drohung, das Land auszulöschen. Für den Ukraine-Krieg verspricht er ein Ende – schneller als die meisten dächten.
Und er preist den neuen Grönland-Vertrag als grossartige Errungenschaft. Dabei ist er bloss der Neuaufguss eines Vertrags von 1951. Das neue Abkommen war den heftigen Streit zwischen Amerikanern und Europäern jedenfalls nicht wert.
Derzeit ist kein Verlass auf die USA
Immerhin: Seinen Anspruch auf den Friedensnobelpreis wiederholt Trump nicht. Viele andere Punkte bei ihm waren indes repetitiv. Und vieles fehlte in Trumps UNO-Rede ganz: Nicht mal ansatzweise gab’s ein Bekenntnis zu breiter internationaler Zusammenarbeit, zu völkerrechtlichen Prinzipien, zu fairen Regeln.
Trump selbst und die UNO dürften offenkundig nicht mehr zusammenfinden. In seinem Umfeld gibt es gar entschiedene UNO-Hasser. Hinter den Kulissen und auf operativer Ebene kooperiert Washington zwar weiterhin punktuell ganz gut mit der UNO.
Doch verlassen auf die USA sollten sich unter der jetzigen Regierung weder die UNO noch die internationale Gemeinschaft oder die traditionellen Partner.
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