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Tuesday, September 29, 2026

Häggenschwils Abstimmungskrimi – 336 Nein, 335 Ja: Ein Dorf zwischen Staunen und Enttäuschung

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Häggenschwils Abstimmungskrimi 336 Nein, 335 Ja: Ein Dorf zwischen Staunen und Enttäuschung

Eine Stimme Unterschied verhindert die neue Turnhalle in Häggenschwil SG. Ein Besuch im gespaltenen Dorf.

«Das Dorf ist im Moment halbiert», sagt der Besitzer des Dorfladens. Ein anderer ist sich sicher, dass der Entscheid noch lange zu reden geben wird. «Unglaublich», nennt eine Dritte das Resultat.

Dass eine einzige Stimme den Baukredit von fast zehn Millionen Franken für eine neue Turnhalle zu Fall gebracht hat, sorgt auch am Tag danach für Staunen.

Person mit Fahrrad spricht vor einem Geschäft mit einem anderen.
Legende: Vor dem Dorfladen sorgt das hauchdünne Nein zur neuen Turnhalle für Gesprächsstoff. SRF

Gemeindepräsident Raffael Gemperle erinnert sich an den Moment, als sich beim Auszählen das knappe Ergebnis abzeichnete. Mit einem solchen Resultat habe niemand gerechnet. «Dann ist man schon ein bisschen nervös geworden», sagt er.

Die Stimmen wurden nochmals gezählt. Doch das Ergebnis änderte sich nicht: 335 Ja, 336 Nein. Für Gemperle bestätigt die Kontrolle, dass korrekt gezählt worden ist. So etwas habe er noch nie erlebt.

Die Stimmzettel werden deshalb sorgfältig aufbewahrt. Sie kommen in einem versiegelten Couvert in den Tresor. So sind sie vor Manipulation geschützt und können bei einer Beschwerde erneut geprüft werden.

Walter Schwizer steht in der Turnhalle, die ihm und seinem Komitee zu eng geworden ist. Sie hatten auf mehr Platz gehofft.

Nach dem knappen Nein bleibt Ernüchterung. Schwizer schildert, wie Schule und Vereine um Hallenzeiten ringen – und der Sport weichen muss, wenn eine Gemeindeversammlung ansteht.

«Für unsere Kinder haben wir zu wenig Platz», sagt Walter Schwizer. Nicht alle Turnstunden könnten stattfinden.

Erst ein deutliches Ja zur Planung

Das Projekt hat bereits mehrere politische Hürden hinter sich. Im November 2023 wies die Bürgerversammlung einen ersten Planungskredit zurück. Im Juni 2025 genehmigte sie dann einen Projektierungskredit von 650’000 Franken mit 123 zu 49 Stimmen.

Den Planungskredit unterstützte damals eine deutliche Mehrheit. Für den Baukredit von knapp zehn Millionen Franken fehlte nun an der Urne die Zustimmung – hauchdünn.

Wenn eine Stimme den Ausschlag gibt

Auch für Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo ist dieses Resultat aussergewöhnlich. «Das kommt sehr selten vor», sagt der Politologe.

Bei einer solch knappen Entscheidung stellt sich fast zwangsläufig die Frage nach dem Zufall: Eine Person, die anders stimmt, und der Ausgang wäre umgekehrt. Für Hermann ist das kein Widerspruch zur Demokratie. «Der Zufallsentscheid gehört auch zur Demokratie.»

Die neue Turnhalle ist vorerst vom Tisch, der Platzmangel aus Sicht der Befürworter bleibt. Während die Stimmzettel im Tresor liegen, wird im Dorf über das weitere Vorgehen diskutiert: Manche auf der Ja-Seite möchten nochmals abstimmen, auf der Nein-Seite wird das als Zwängerei empfunden.

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