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Saturday, August 15, 2026

Winterthurer Musikfestwochen – Warum sind Wolf Alice nicht längst Weltstars?

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«Wie geht's euch da oben in den Fenstern?», fragt Frontfrau Ellie Rowsell von der Mainstage der Winterthurer Musikfestwochen aus die Leute, welche den Headline-Gig von Wolf Alice aus den Häusern an der Steinberggasse heraus geniessen. Die 34-Jährige fügt an: «Muss ziemlich nervig sein, während des Festivals hier zu wohnen, sorry.»

Doch an diesem Freitagabend ist niemand genervt vom Londoner Quintett, das live zu fünft unterwegs ist. Im Gegenteil: Spätestens, als die Band «Bros» vom 2015er Debütalbum «My Love Is Cool» anstimmt, werfen die 5000 Menschen vor und über der Bühne kollektiv die Arme in die Luft und nehmen sie erst anderthalb Stunden später wieder runter.

Zuhause gefeiert

Das Einzige, was nervt oder zumindest verwundert, ist der Umstand, dass Wolf Alice in der Schweiz vor einem vergleichsweise überschaubaren Publikum performen. Kommen bei ihnen doch so viele Qualitäten zusammen, dass sie längst Weltstars sein sollten.

Daheim in England sind sie das mittlerweile. Erst vergangenen Monat headlinten sie vor 50'000 Leuten ihre bislang grösste Show im Finsbury Park in London, Ende 2025 scharten sie in der O2-Arena ebenda zweimal 20'000 Fans um sich. Die letzten beiden Platten stiegen im UK auf Platz eins der Charts ein und im Februar holten sie den Brit Award für die beste Band – schon zum zweiten Mal.

Was hindert den Rest der Welt also daran, Wolf Alice ebenso zu verfallen?

Live eine Wucht

An der Bühnenpräsenz liegt's nicht. Schon beim Einmarsch hypen Bassist Theo Ellis und Gitarrist Joff Oddie die Menge mit strahlenden Gesichtern auf und machen klar: Sie sind an diesem Abend hier, um Fun zu haben.

Sängerin Rowsell ist beim Opener «Bloom Baby Bloom» eine Glam-Rock-Queen, ein zarter Popstar bei «Just Two Girls» und wird während «Yuk Foo» zur Noise-Punk-Röhre. Zwischendurch taucht sie ihre Haare in kühlendes Wasser, tauscht das Mikro- gegen ein Megafon und zieht die High Heels aus, um zu signalisieren, dass es ans Eingemachte geht.

Unfassbare Bandbreite

Auch an den Songs liegt's nicht. Kaum eine Gitarrenband schafft es so konsequent, sich mit keinem Stück selbst zu kopieren, zwischen Brettern und Balladen zu wechseln, ohne an Spannung einzubüssen und im Songwriting gekonnt Plattitüden zu umgehen.

Frau spielt elektrische Gitarre und singt auf der Bühne.
Legende: Vor wenigen Tagen spielten Wolf Alice am berühmten Sziget Festival in Budapest. Fotos von Winterthur folgen, sobald sie vom Band-Management freigegeben worden sind. Getty Images/Matt Jelonek

Aber: Wolf Alice sind gerade wegen ihrer schieren Bandbreite nicht so einfach zu fassen. Sie lassen sich weder in eine bestimmte Genre-Schublade stecken noch haben sie typische Stadion-Refrains, die auch noch bei zwei Promille im Pub gegrölt werden können.

Organisches Wachstum

Und: Ihnen fehlt der eine Hit. Das Lied, das im Radio so oft gespielt wird, dass es nervt und Dauergast in den tonangebenden Streaming-Playlists ist. Ihr meistgestreamtes Stück «Don't Delete the Kisses» ist eine grossartige Dreampop-Nummer, aber eben kein Welthit.

Vielleicht wird's diesen von Wolf Alice auch nie geben. Vielleicht sind sie einfach zu gut darin, eine Band zu sein, die entdeckt werden statt sich aufdrängen will. Vielleicht brauchen sie ihn auch nicht, denn mit dem Release ihres vierten Albums «The Clearing» vor einem Jahr sind die internationalen Venues zahlreicher und grösser geworden. Und mit dem Nordamerika-Tour-Support für Olivia Rodrigo diesen Herbst erreichen sie ein neues, genau richtiges Publikum. Organisches Wachstum statt viraler Erfolg also.

Wolf Alice haben es jedenfalls verdient, überall so gefeiert zu werden wie an diesem Freitagabend in Winterthur.

Autor-Storytime: Ein Schlag ins Gesicht

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Bühnenauftritt mit Musikern und Lichtern, umgeben von Texten und Grafiken.
Legende: Vor knapp 13 Jahren erstmals auf einer Schweizer Bühne: Wolf Alice 2013 im Zürcher Mascotte. RCKSTR Mag.

Als Wolf Alice gerade mal ein Hype in der Londoner Szene waren, wünschte ich sie mir als Live-Act für die 2013er Weihnachtsfeier des Popkultur-Magazins, für das ich damals arbeitete.

Der Booker des Zürcher Mascotte erfüllte mir diesen Wunsch und buchte die Truppe für ihren ersten Schweizer Auftritt am 10. Dezember 2013.

Und er war gut. Die Party danach auch.

Fortgesetzt wurde sie – natürlich – an der Zürcher Langstrasse, wo sich Bassist Theo Ellis und Drummer Joel Amey in die Haare kriegten. Ich ging dazwischen, geriet ins Ohrfeigen-Kreuzfeuer und dachte mir nur: «Wie lange macht es diese Band wohl, wenn ihre Mitglieder so hässig aufeinander sind, dass sie sich gegenseitig und sogar andere ohrfeigen?»

Wie sich herausstellt, machte sie es noch mindestens 13 Jahre länger in derselben Besetzung und ist in dieser Zeit zu einem offenbar sehr harmonischen und offensichtlich grossartigen Haufen gewachsen.

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