Zoff um Sperre von Kart-Wunder Emily (5): Vater spricht von Lügen

Darum gehts
- Dem Schweizer Kart-Wunderkind Emily (5) wurde vom Schweizer Motorsportverband für ein Jahr die Lizenz entzogen.
- Hintergrund ist Emilys Teilnahme an einem Rennen in Italien im Mai, wo sie laut Verband illegal startete.
- Ihr Vater Markus Brun bestreitet die Vorwürfe und wirft dem Verband Lügen vor.
«Sie tut mir am meisten leid. Für ein Kind in dem Alter ist es das Schönste, wenn sie auf einem Podium stehen darf und eine Trophäe erhält», sagt Markus Brun, als ihn 20 Minuten sonntagmorgens am Telefon erreicht. Der Vater der Schweizer Kart-Sensation Emily (5) fühlt mit seiner Tochter mit, der vom Schweizer Motorsportverband für ein Jahr die Lizenz entzogen wurde.
Hintergrund der Sperre ist Emilys Teilnahme im Mai an einem Event auf dem norditalienischen South Garda Karting Circuit. Laut dem Verband hat Emily illegal an dem Rennen teilgenommen, weil sie bloss Inhaberin der sogenannten Puffo-Trainingslizenz ist und so bloss für Demonstrations- und Trainingsfahrten zugelassen ist.
Emilys Vater über Verbandsverhalten:
«Das ist absolut lächerlich»
«Sie wurde dort eingeladen. Es hiess ausdrücklich, sie brauche keine Lizenz», wehrt sich Brun, der sich ungerecht behandelt fühlt. «Auf der ganzen Welt fahren Kinder in ihrem Alter diese Rennserie, nur die Emily aus der Schweiz darf da nicht mitfahren».
Auch Kinder von zwei seiner Kollegen seien beim Event in Italien ohne Lizenz mitgefahren. «Aber da gibts dann keine Konsequenzen. Sie reden von Kinderschutz? Muss man denn die anderen Kinder nicht auch schützen? Das ist absolut lächerlich», ärgert sich Emilys Papa. Die anderen Kinder hätten auch keine Tageslizenz gelöst, wie der Verband behauptet: «Da haben sie noch gelogen».
Verbandsboss schickte Mail kurz vor Mitternacht
Schon beim Beantragen der Lizenz wurde das Kart-Wunderkind nicht mit offenen Türen empfangen. «Sie sagten uns, wir müssten gar nicht meinen, dass Emily wegen ihres Auftritts auf Social Media irgendwelche speziellen Vorteile erhalten würde», betont der Sohn des ehemaligen Schweizer Automobilrennfahrers und Rennstallbesitzers Walter Brun. Über den Lizenzentzug sei er vom Verbandsdirektor an einem Sonntagabend kurz vor Mitternacht informiert worden.
Hoffnung, dass die Sperre doch noch fallen gelassen wird, hat der Zentralschweizer keine mehr. «Jetzt wird sie halt ein Jahr nur trainieren und auf Podeste und Trophäen warten – dann kommt sie stärker und schneller zurück». Für Emily selbst würde sich wegen der Sperre gar nicht allzu viel ändern. «Denn wenn sie auf einer Strecke fährt, ist es für sie immer ein Rennen. Sie will auch im Training schneller sein als die anderen».
«Anstatt den Rennen trainieren wir einfach»
Emily habe den Lizenzentzug insofern nicht mega tragisch genommen, weil sie es einfach liebe, Kart zu fahren. «Anstatt den Rennen trainieren wir einfach. Auf ihre Runden kommt sie sowieso», meint ihr Vater.
Was hältst du von der einjährigen Sperre für Emily?
«Am meisten trifft es mich, dass sie ein Jahr lang nicht geniessen kann, Podestplätze und Trophäen zu sammeln. Ich bin überzeugt, mit ihrem Speed und Know-how hätte sie dies schaffen können», sagt Brun, der für die Leidenschaft seiner Tochter sogar seinen Job aufgab.
Vater wehrt sich gegen Kritik
Nach Publikation der Sperre gegen Emily gab es auch in der Kommentarspalte von 20 Minuten einige negative Kommentare, die Bruns Vaterrolle kritisch betrachten oder sich um die Sicherheit der 5-Jährigen sorgen. Brun kennt solche Rückmeldungen von Social Media, wo seine Tochter auf Instagram an der 300’000-Follower-Grenze kratzt.
«Es gab schon Momente, wo ich dachte, wir lassen Social Media sein und fahren nur noch Kart», sagt er. Gleichzeitig gebe es weltweit viele Menschen, für die Emily Teil ihres Lebens sei und die sich für den Content bedanken würden. «Sie inspiriert auch viele junge Leute».
«Wir könnten das niemals finanzieren ohne Social Media»
Den Vorwurf, er würde sein Kind als Marketingvehikel benutzen oder sich bereichern wollen, weist Brun von sich. Der Auftritt im Netz sei vielmehr zwingend, um sich das teure Hobby leisten zu können. «Wir könnten das niemals finanzieren ohne Social Media. Der Rennsport ist so teuer. Da wird nie mehr reinkommen, als wir ausgeben.»
«Wir haben das Glück, dass Emily so gut ist, dass sie ins Werkteam aufgenommen wurde», sagt ihr Vater. Alles, was das Kartfahren angehe, werde so mit einem Vertrag bis zu Emilys 13. Lebensjahr gedeckt. Irgendwann würde man da von sechsstelligen Beträgen im Jahr reden. Kosten für die Reisen und Unterkünfte nicht inkludiert.
Spezialsitz sorgt für Emilys Sicherheit
Dass Emily überhaupt den Weg zum Kartfahren gefunden habe, sei einfach Zufall gewesen und von ihr aus gekommen. «Ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, dass eine meiner drei Töchter Rennsport betreiben würde. Das ist Scheissdreck», weist der Luzerner von sich. «Das Fahren ist Emilys Lieblingsbeschäftigung. Wenn sie auf der Rennstrecke ist, ist sie in ihrer Welt».
Die Sicherheit und Gesundheit stehen für Brun an erster Stelle. Deswegen liess er Emily einen speziellen Karbonsitz für ihren Kart anfertigen, der wie eine Sicherheitszelle sei. «Alle anderen Kinder haben das nicht. Ich könnte Emily nicht zuschauen und würde sie auch nicht fahren lassen in einem normalen Sitz. Das finde ich mega gefährlich».
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Florian Gnägi (flo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten im Ressort Sport. Seine grösste Expertise hat er auf den Themengebieten Fussball und Tennis.
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