Im ausführlichen SRF-Interview – Der neue FIS-Präsident Ospelt über Herausforderungen und Ideen

Seit dem 11. Juni dauert die Ospelt-Ära bei der FIS an. Seit etwas mehr als 100 Tagen ist Alexander Ospelt aus dem Fürstentum Liechtenstein Präsident des Internationalen Skiverbands. Gegenüber seinem Vorgänger Johan Eliasch behielt er mit 65:64 Stimmen ganz knapp die Oberhand.
Es habe sich viel in seinem Leben verändert seit der gewonnen Wahl, bestätigt Ospelt im ausführlichen Gespräch mit SRF wenig überraschend. Die Aufgabe sei sehr anspruchsvoll und gerade in den ersten Tagen habe viel organisatorische Arbeit angestanden. «Jetzt aber sind wir ein gutes Team und führen gemeinsam die FIS», so Ospelt. «Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Job machen muss und erfahre dafür auch viel Unterstützung, gerade in der Familie.»
Dass er die Wahl gegen Eliasch nur hauchdünn gewann, überraschte den 58-Jährigen nicht. «Ich verstehe, dass es sehr schwierig ist, einen amtierenden Präsidenten herauszufordern», konstatiert Ospelt, der trotz der 64 Gegenstimmen keine 2 Lager befürchtet. «Ich habe nach meiner Wahl viele Gratulationen bekommen, auch von Athletinnen und Athleten. Es gab einen tollen Austausch. Ich denke, dass man schon mit der Wahl einiges an Einigkeit gewinnen konnte.»
Küng, Weirather und der Wunsch nach mehr Weltmeisterschaften
Stichwort Einigkeit: Eine solche herrscht bezüglich Ospelts Idee, künftig fast jährlich FIS-Weltmeisterschaften auszutragen, noch nicht. Anfang September wurde publik, dass ab 2032 in allen nicht-olympischen Jahren Weltmeisterschaften in FIS-Sportarten stattfinden sollen. «Es wäre nur ein Grossanlass mehr als Stand jetzt», erklärt Ospelt. Was aber steckt genau hinter seinem Wunsch?
«Im Vorfeld der WM 2015 habe ich den späteren Abfahrtsweltmeister Patrick Küng unterstützt. Dabei wurde mir bewusst, was der Wert von einem Athleten mit und ohne WM-Titel ist. In meiner Zeit als Präsident des liechtensteinischen Skiverbands erlebte ich, wie sich Tina Weirather, die super in Form war, in einer WM-Saison schwer verletzte. Ich empfand es ungerecht, dass nicht jedes Jahr eine WM stattfindet. So stärkte in mir die Überzeugung, jedes Jahr eine WM durchzuführen.»
Ospelt möchte mit seiner Idee aber auch die Möglichkeit schaffen, die internationale Präsenz zu stärken. «Japan, China und Südkorea würden in einem nachhaltigen Weltcup-Kalender keinen Platz finden. Ich würde es gut finden, mit einer zusätzlichen WM in den ersten beiden Februar-Wochen neue Märkte zu erschliessen.» Ob es wirklich so kommt und allenfalls schon ab 2028? Fraglich. Entschieden sei jedenfalls noch nichts, so Ospelt.
Ospelt will überzeugend und authentisch sein
Unter Ex-FIS-Präsident Eliasch verliefen gerade die letzten Monate ziemlich turbulent und kontrovers. Die Kritik an ihm von Seiten grosser Verbände war gross. Unter Ospelt soll nun eine neue Richtung eingeschlagen werden.
«Ich versuche, das Beste für die FIS zu machen. Wenn ich das Beste für die FIS mache, dann mache ich auch das Beste für alle Mitgliedsverbände. Wenn man überzeugend und authentisch seinen Weg findet und geht, und das im Sinne der FIS macht, dann glaube ich, dass man die Staaten hinter sich bringen kann», zeigt sich Ospelt zuversichtlich.
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