Schnappt die Zürich-Falle schon wieder zu?

Parmelin-Nachfolge bringt SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli in Dilemma
Schnappt die Zürich-Falle schon wieder zu?
Natalie Rickli gilt als eine der Favoritinnen für die Parmelin-Nachfolge. Doch die Zürcher Wahlen bringen die SVP-Regierungsrätin in ein Dilemma, das sie bestens kennt. Blick zeigt, welche Optionen Rickli bleiben – und welche Risiken sie bergen.
Publiziert: vor 14 Minuten
- Rickli gilt als mögliche Parmelin-Nachfolgerin, will aber 2027 erneut in Zürich antreten
- Scheitert sie in Bern, wäre ihre Regierungsratskandidatur angekratzt
- Schon 2022 verzichtete Rickli wegen der nahenden Zürcher Wahlen auf den Bundesrat
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik
Am Namen Natalie Rickli (49) kommt man dieser Tage nicht vorbei. Die Zürcher SVP-Regierungsrätin gilt als mögliche Nachfolgerin ihres Parteikollegen Guy Parmelin (66) im Bundesrat. Auch für die Blick-Community ist Rickli die Topfavoritin. Doch die Ausgangslage ist delikat: Längst hat Rickli angekündigt, für eine dritte Amtszeit als Regierungsrätin anzutreten. Im Sommer nominierte sie die SVP, Anfang April 2027 sind die Wahlen.
Rickli liess verlauten, sie sei «sehr motiviert», sich weiterhin für die Zürcher Bevölkerung einzusetzen. Formal steht einer Bundesratskandidatur nichts entgegen. Politisch haben Rickli, die bis 2019 elf Jahre im Nationalrat sass, und die Zürcher SVP aber ein Problem.
Es droht die Zürich-Falle
Ein Verzicht könnte Rickli die seltene Chance auf den Bundesrat kosten. Eine Kandidatur wiederum würde ihr Bekenntnis zu Zürich infrage stellen. Und bei ihrer Wahl in den Bundesrat müsste die kantonale SVP wenige Monate vor den Regierungsratswahlen einen Ersatz für ihre Spitzenfrau finden.
Natalie Rickli steckt schon wieder in der Zürich-Falle! So kann man das Dilemma nennen, in das sie der Wahlkalender ihres Kantons bringt.
Im Herbst 2022, ebenfalls nur wenige Monate vor den Zürcher Regierungsratswahlen und ein Jahr vor der Gesamterneuerung des Bundesrats, trat SVP-Bundesrat Ueli Maurer (75) zurück. Rickli wurde heiss gehandelt. Doch nach kurzer Bedenkzeit verzichtete sie: Sie habe sich für eine weitere Legislatur in Zürich bereit erklärt.
Erst diesen Sommer folgte das nächste Bekenntnis zum Kanton. Nach den Turbulenzen um Daniel Jositsch (61) prüfte Rickli eine Kandidatur für den Ständerat. Nach wenigen Tagen entschied sie sich dann dagegen.
Diese Szenarien sind denkbar
Und diesmal? Noch mag sich Rickli nicht in die Karten blicken lassen. Sie wolle sich dann äussern, wenn es etwas zu sagen gebe. Folgende Szenarien sind denkbar:
Szenario 1: Rickli kandidiert für den Bundesrat – und verliert. Bleibt sie danach im Rennen um den Regierungsrat, müsste sie dem Zürcher Stimmvolk gut erklären, weshalb sie weitere vier Jahre im Kanton bleiben will.
Szenario 2: Rickli setzt alles auf die Karte Bundesrat und zieht ihre Regierungsratskandidatur zurück. Ihre Partei geriete unter Druck: Die SVP müsste kurzfristig eine neue Kandidatur aufbauen und ihr Ticket umbauen. Scheitert Rickli in Bern, stünde sie ganz ohne politisches Amt da.
Szenario 3: Rickli verzichtet auf den Bundesrat und hält Zürich die Treue. Politisch wäre das der bequemste Weg. Doch für sie bliebe die Frage: Wie oft bietet sich die Chance auf das höchste politische Amt noch?
Der Zürcher SVP-Präsident Domenik Ledergerber (39) räumte im «Tages-Anzeiger» ein: Das Szenario für die Kantonalpartei sei nicht ideal, man hätte gerne mehr Zeit. «Aber die Aussicht, eine Bundesrätin zu stellen, überwiegt», schob er nach.
Immerhin: Etwas mehr Luft bleibt Rickli und ihrer Partei diesmal im Vergleich zu 2022. Damals lagen zwischen der Bundesratswahl und den Zürcher Regierungsratswahlen nur gut zwei Monate. Diesmal sind es knapp vier.
Superwahljahre haben Folgen
Nicht zum ersten Mal geraten Zürcher Regierungsräte in einen solchen Terminkonflikt. Im Kanton gibt es jeweils ein Superwahljahr: Zuerst sind im Frühjahr die kantonalen Wahlen, im Herbst folgen die nationalen und im Dezember die Gesamterneuerung des Bundesrats. Zusätzliche Brisanz entsteht, wenn kurz davor ein Bundesrat vorzeitig zurücktritt. Diese Konstellation kommt immer wieder vor.
2022 schlug die Zürich-Falle gleich doppelt zu: Auch SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr (63) verzichtete nach dem Rücktritt von Simonetta Sommaruga (66) auf eine Bundesratskandidatur – wie Rickli mit Blick auf die kantonalen Wahlen.
Unter anderen Vorzeichen stand die Wahl von SP-Mann Moritz Leuenberger (80). Im April 1995 in die Zürcher Regierung wiedergewählt, schaffte er im September den Sprung in den Bundesrat.
Kaum bestätigt, bereits wieder weg? Und schon wieder ein Urnengang? Die dadurch nötige Ersatzwahl sorgte in Zürich zwar für etwas Nervosität. Doch bei der SP war man sich einig: Nach dem überraschend vorgezogenen Rücktritt von Bundesrat Otto Stich (1927–2012) musste Leuenberger die Chance packen.
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