Ballerina Mia Heathcote: «Die Bühne macht süchtig»

- Die australische Ballerina Mia Heathcote (32) ist von Melbourne nach Zürich gezogen und tanzt neu am Opernhaus Zürich.
- In der aktuellen Saison ist sie in «Ein Sommernachtstraum» zu sehen, inszeniert von Choreografin Cathy Marston.
- Trotz zweier Knöcheloperationen und chronischer Nackenschmerzen will Heathcote jeden Moment auf der Bühne geniessen.
Die 32-jährige Ballerina Mia Heathcote hat vor wenigen Wochen ihr Leben komplett umgekrempelt. Sie zog von Melbourne nach Zürich – ohne Freunde oder Familie in der Schweiz.
«Ich wollte eine Veränderung. Als sich die Chance ergab, ans Opernhaus Zürich zu wechseln, dachte ich mir, es sei der perfekte Zeitpunkt. Australien ist sehr isoliert von der Kulturszene der restlichen Welt», erklärt Mia im Gespräch mit 20 Minuten und fügt an: «Europa hat mehr zu bieten in dieser Hinsicht, und es ist inspirierend, hier Teil einer Kompanie zu sein.»
Mia geniesst die Schweizer Natur
Innert kurzer Zeit hat sich die Tänzerin in Zürich eingelebt – und das, obwohl sie die Stadt vorher noch nie besucht hat. «Schon vom ersten Moment an verspürte ich ein Gefühl von Heimat und Ruhe. Ich habe nicht damit gerechnet und bin sehr dankbar», sagt sie. Mit ihrem Bruder hat sie bereits die Schweizer Berglandschaft erkundet. Sie gingen wandern. «Er hat mir beim Umzug geholfen, musste unterdessen aber wieder nach Australien zurückkehren», teilt Mia mit.
Welche Kunstform besuchst du am liebsten, um dich inspirieren zu lassen?
Einsam ist Mia aber seither nicht. Von ihrer Ballettkompanie am Opernhaus wurde sie mit offenen Armen empfangen. In der aktuellen Saison ist sie Teil der Aufführung «Ein Sommernachtstraum». Die Komödie von William Shakespeare hat die britisch-schweizerische Choreografin Cathy Marston als Ballett inszeniert. «Ich habe mit Cathy bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Der kreative Prozess war sehr erfüllend, und ich habe stets gehofft, dass sich die Möglichkeit ergibt, noch einmal mit ihr eine Aufführung zu realisieren», schwärmt Mia von der Ballettdirektorin.
Mia musste schon zweimal den Knöchel operieren lassen
Ihre Karriere im Ballett wurde der Australierin gewissermassen in die Wiege gelegt – ihre Eltern waren beide professionelle Tänzer. «Sie haben mich aber nicht dazu gezwungen, Ballerina zu werden. Im Gegenteil: Sie wissen, wie anspruchsvoll eine Karriere als Tänzerin ist und dass man sich zu hundert Prozent sicher sein muss, dass man diesen Weg gehen will.»
Der Job bedarf voller Aufmerksamkeit, viel Zeit und Passion. «Die Karriere ist hart, sowohl körperlich als auch mental», erklärt sie und fügt an: «Ich musste schon zweimal meinen Knöchel operieren lassen. Zudem hatte ich mit chronischen Nackenschmerzen zu kämpfen.» All diese Erfahrungen haben sie geprägt und als Künstlerin wachsen lassen.
«Die Tage als Ballerina sind limitiert.»
Trotz der Herausforderungen kam und kommt für Mia kein anderer Job infrage. Die Bühne ist ihr «Happy Place». «Die Tage als Ballerina sind limitiert. Man kann nicht sein ganzes Leben lang professionell tanzen. Irgendwann kann der Körper nicht mehr», teilt sie nachdenklich mit. Genau deswegen geniesst sie jeden Moment, den sie auf dem Parkett hat.
Was sie danach macht, bereitet ihr bereits jetzt Kopfschmerzen. «Ich jage ständig der Euphorie nach, die mir Live-Performances geben. Es macht süchtig», so Mia. Bis jetzt hat sie kein Äquivalent gefunden.
Ein Sommernachtstraum mit Mia Heathcote in der Rolle der Hermia feiert am 11. Oktober 2026 Premiere am Opernhaus Zürich.
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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