Hilfe bei Vergiftung – Chemie und Pharma sollen Tox Info mitfinanzieren

Der Bundesrat will weiterhin nicht, dass die nationale Auskunftsstelle für Vergiftungen (Tox Info) allein durch die öffentliche Hand finanziert wird. Mithilfe von Gesetzesanpassungen will er nun die Industrie dazu zwingen, Tox Info Suisse mitzufinanzieren.
Freiwillig will Industrie nicht bezahlen
Laut dem Bundesrat ist die chemische und pharmazeutische Industrie nicht bereit, die Auskunftsstelle auf freiwilliger Basis dauerhaft substanziell zu unterstützen. Das hätten Gespräche zwischen dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) und Vertretern der beiden Industriezweige gezeigt.
Anfang dieses Jahres gab die Trägerstiftung von Tox Info Suisse bekannt, dass immer mehr Menschen wegen Vergiftungen die Notrufnummer 145 wählten, also die Nummer des Giftnotrufs.
Pro Tag hätten sich durchschnittlich 123 Menschen an die Notrufnummer 145 gewandt. Das Anrufvolumen habe zuletzt jährlich um zwei bis vier Prozent zugenommen, im vergangenen Jahr sogar um 4.6 Prozent.
Insgesamt 44'736 Beratungen führte Tox Info Suisse 2025 durch. 40 Prozent der Fälle betrafen Anfragen zu Kindern im Vorschulalter – fast immer handelte es sich dabei um Unfälle. Weitere sechs Prozent der Anrufe betrafen Jugendliche. Dort standen hingegen beabsichtigte Vergiftungen im Vordergrund, wie Tox Info Suisse weiter mitteilte.
Dabei sei Tox Info Suisse vor rund 60 Jahren von privaten Trägern, mit Einnahmen aus Verträgen mit Spitälern, Spenden sowie Beiträgen der öffentlichen Hand finanziert worden, so der Bundesrat. In den vergangenen Jahren hätten sich die privaten Träger jedoch zu einem grossen Teil zurückgezogen.
Zwang zur Mitfinanzierung
Mit Anpassungen des Chemikaliengesetzes und des Heilmittelgesetzes will der Bundesrat die beiden Industriezweige Chemie und Pharma jetzt aber zur Mitfinanzierung zwingen. Damit würden jene Akteure zur Mitfinanzierung verpflichtet, deren Produkte die Ursache für über 70 Prozent der Vergiftungsfälle seien, so die Landesregierung.
Laut Bundesrat wären insgesamt rund 5800 Firmen betroffen. Chemikalienhersteller müssten durchschnittlich rund 240 Franken pro Jahr bezahlen, Zulassungsinhaber von Arzneimitteln rund 5300 Franken.
In der Wintersession 2025 hatte das Parlament die notwendigen finanziellen Mittel gesprochen, um den weiteren Betrieb der schweizerischen Giftnotrufnummer sicherzustellen. Der Bundesrat lehnte damals die Erhöhung ab.
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