Nachfolge von Guy Parmelin – Erste Bundesratskandidatur: Ist Bundesrat noch ein Traumjob?

Seit zwei Wochen ist klar: Im Bundesrat wird ein Job frei – doch anstelle von Kandidaturen kamen zuerst Absagen. Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz ist nun die Erste, die für die Nachfolge von Guy Parmelin kandidiert. Warum andere noch abwarten und ob das Amt als Bundesrat überhaupt noch ein Traumjob ist, weiss SRF-Bundeshausredaktorin Christine Wanner.
Christine Wanner
Bundeshausredaktorin
Christine Wanner ist seit 2022 Bundeshausredaktorin. Zuvor hat sie als Inlandredaktorin für Radio SRF gearbeitet. Sie hat an der Universität Bern Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte sowie Medienwissenschaften studiert. Wanner hat sich insbesondere mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Risiken und Gefahren beschäftigt – beispielsweise in der Atomfrage und beim Umgang mit Naturkatastrophen.
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Ist Bundesrat, Bundesrätin heute noch ein Traumjob?
Früher sagte man, jeder und jede im Parlament möchte insgeheim in den Bundesrat gewählt werden. Heute ist die Welt komplexer und unberechenbarer geworden. Das heisst, auch Regierungsaufgaben sind anspruchsvoller geworden und die Agenden von Regierungsmitgliedern dichter. Es ist ein 24-Stunden-Job, man hört auch ein Verschleissjob. Das heisst, Leute, die sich für das Amt zur Verfügung stellen, müssen sich bewusst sein, gewisse Freiheiten aufzugeben, auch im Privatleben.
Der Job als Bundesrat ist sehr fremdbestimmt. Was heisst das?
Wer an die Regierung denkt, denkt vielleicht in erster Linie: Das ist ein sehr einflussreicher Job, mit Verantwortung. Ein Job, bei dem man viel unterwegs ist. Es heisst aber auch, dass die Agenda weitgehend fremdbestimmt ist. In der heutigen Zeit mit den schnellen Kommunikationsmöglichkeiten und der Mobilität sind auch die Entscheidungsprozesse beschleunigt. Das bedeutet für Verantwortungsträgerinnen und -träger, dass sie rund um die Uhr verfügbar sein müssen. Und es ist schwieriger geworden, einfach mal abzutauchen und nicht erreichbar zu sein.
Wie muss man sich diesen fremdbestimmten Alltag als Bundesrätin oder als Bundesrat vorstellen?
Mit dem Amt sind sehr viele Pflichten verbunden: Termine, die von den Institutionen vorgegeben sind, wie Bundesratssitzungen, Medienkonferenzen, Gespräche mit Parteien, Räten und Kommissionen. Dazu kommen repräsentative Auftritte, Konferenzen, diplomatische Empfänge und so weiter. Deshalb gibt es auch das Bonmot: Der einzige selbst gewählte Termin eines Bundesrats oder einer Bundesrätin ist der Zeitpunkt des Rücktritts.
Warum gab es bisher keinen grossen Ansturm auf das Amt?
Es gibt verschiedene Gründe. Zum einen: Es bleibt ja noch Zeit. Zum andern braucht es vor einer Kandidatur Abklärungen: Ist das Amt mit der Familie und dem beruflichen Engagement vereinbar? Hat man effektive Wahlchancen? Danach stellt die Partei eine Auswahl an Kandidaturen zusammen. Zudem gibt es taktische Gründe: Je früher sich jemand aus der Deckung wagt, desto länger haben die Medien und die Öffentlichkeit Zeit, um zu berichten – auch kritisch. In der Schweiz sind wir zudem meist bescheiden, wir heben uns selbst nicht sofort hervor und sagen: «Ich bin die Beste, ich bin am geeignetsten».
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