Stadtflucht: Diese fünf Agglo-Kantone wachsen jetzt am stärksten

- Die Schweizer Bevölkerung ist in fünf Jahren um fast 460'000 Personen gewachsen.
- Wegen knapper Wohnungen und hoher Mieten ziehen immer mehr Menschen aus Städten in die Agglomerationsränder.
- Am stärksten wuchsen Schaffhausen, Wallis, Freiburg, Aargau und Thurgau mit jährlich 1,4 bis 1,6 Prozent in den letzten fünf Jahren.
Die Bevölkerung der Schweiz ist in den vergangenen fünf Jahren um nahezu 460'000 Personen gewachsen. Als Gründe nennt UBS-Ökonom Fabian Waltert in einer Analyse die Arbeitskräftenachfrage und die Aufnahme von gut 70'000 Geflüchteten aus der Ukraine.
«Das starke Bevölkerungswachstum war in den letzten Jahren der zentrale Treiber der Wohnungsnachfrage und somit mitverantwortlich für die heute in weiten Teilen des Landes bestehende Wohnungsknappheit sowie den kräftigen Anstieg der Mieten», schreibt Waltert.
Die Zunahme entspreche rund 240'000 Haushalten, doch im gleichen Zeitraum seien nur rund 220'000 Wohneinheiten dazugekommen. Das Wohnungsangebot konnte mit dem Nachfragewachstum nicht mehr Schritt halten.
Das sind die Wachstumskantone
Immer mehr Menschen zog es deshalb in die Agglomerationsränder. Die Kantone Schaffhausen, Wallis, Freiburg, Aargau und Thurgau verzeichneten in den letzten fünf Jahren mit durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten von 1,4 bis 1,6 Prozent das stärkste Bevölkerungswachstum.
Diese Kantone waren laut Waltert nicht nur Ziel zahlreicher Zuzüger aus dem Ausland. Sie zogen zugleich viele Haushalte aus anderen Kantonen an. So verloren die Kantone Basel-Stadt, Genf, Neuenburg und Waadt Bevölkerung an benachbarte Regionen.
Zürich schrumpft
Zürich verzeichnete in den letzten fünf Jahren zwar eine hohe Nettozuwanderung aus dem Ausland von insgesamt fast 38'000 Personen. Gleichzeitig verlor die Stadt die Rekordzahl von 21'500 Personen an andere Gemeinden. Die Leute zogen also von den Städten mit hohen Mieten und knappem Angebot in die Agglomeration.
Zu Zürich schreibt Waltert, dass sich die wegziehenden Haushalte zunächst vor allem in angrenzenden Regionen niederliessen, insbesondere im Glattal und in der Region Zimmerberg. Doch steigende Wohnungsknappheit und höhere Mieten hätten auch dort zu einer verstärkten Abwanderung in weiter entfernte Regionen geführt, insbesondere ins Zürcher Unter- und Oberland sowie in die Region Winterthur.
Von dort zogen wiederum zahlreiche Haushalte in angrenzende Kantone. Regionen in den Kantonen Aargau, darunter Mutschellen, Baden und Aarau, sowie in Schaffhausen und im Thurgau, insbesondere das Thurtal, verzeichneten zuletzt hohe positive Binnenwanderungssaldi gegenüber dem Kanton Zürich.
Agglo-Kantone wachsen um 25 Prozent bis 2055
Im vergangenen Jahr sei die Bevölkerung aber nicht mehr so stark gewachsen wie die Jahre zuvor und auch für dieses Jahr erwartet der Ökonom ein geringeres Wachstum. Deshalb dürfte sich der Wohnungsmarkt stabilisieren. So rechnet Waltert mit keinem weiteren Rückgang der Leerwohnungsziffer. «Dennoch dürften die Mieten vorerst weiter steigen und die Budgets vieler Haushalte spürbar belasten.»
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Für die Zukunft verweist Waltert auf das Referenzszenario des Bundesamts für Statistik, das bis 2055 mit einem Anstieg der Zahl der Privathaushalte um 18 Prozent rechnet, was einem mittleren jährlichen Zuwachs von knapp 0,6 Prozent entspräche.
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Für die Kantone Luzern, St. Gallen, Waadt, Wallis und Thurgau wird ein Zuwachs von mindestens 25 Prozent erwartet. Dagegen dürfte die Zahl der Haushalte in den Kantonen Jura, Bern, Glarus, Neuenburg, Appenzell Ausserrhoden und im zuletzt noch stark gewachsenen Kanton Schaffhausen nur geringfügig um rund 5 Prozent zunehmen oder je nach Szenario sogar zurückgehen.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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