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Friday, October 2, 2026

«Für mehr Zeit mit meiner Tochter reicht das Geld nicht»

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  • Viele Männer in der Schweiz wünschen sich laut einer Studie der Universität Zürich eine Pensumsreduktion, scheitern aber meist an der Umsetzung.
  • Zwei Betroffene berichten: Florian (41) ist durch Unterhaltszahlungen an ein 100-Prozent-Pensum gebunden, M. (36) kann sich wegen hoher Fixkosten keine Lohneinbusse leisten.
  • Beide Männer fordern ein System, in dem entweder die Löhne steigen oder die Lebenshaltungskosten sinken, damit Teilzeit eine reale Option wird.

Florian (41) wäre gerne mehr für seine Tochter da, einfach «Vater sein». Zeit dafür finde sich bei einer Vollzeitanstellung jedoch kaum. Deswegen wolle er bereits eine Weile sein Pensum auf 90 oder 80 Prozent reduzieren. Doch bisher hat das noch nicht geklappt. Wie ihm geht es vielen Männern in der Schweiz wie eine neue Studie der Universität Zürich zeigt. Unter Angestellten mit einer 100-Prozent-Stelle will ein beachtlicher Teil seit Jahren auf Teilzeit wechseln. Die Umsetzung dieses Wunsches gelinge ihnen jedoch selten. Warum?

«Wohl Problem bei vielen getrennten Vätern und Müttern»

«Der Wunsch, mein Pensum zu reduzieren, kommt bei mir nicht daher, dass ich weniger arbeiten möchte oder keine Freude an meiner Arbeit habe», sagt Florian. «Ich arbeite auf dem Bau und bin körperliche Arbeit und ein 100-Prozent-Pensum gewohnt.» Dennoch merke er immer mehr, dass Arbeit nicht das ganze Leben sein sollte. «Ich würde sehr gerne zumindest regelmässig mehr Zeit für mein Privat- und Familienleben haben.»

Der 41-jährige Florian möchte mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen. Finanziell ist das schlicht nicht drin.

Der 41-jährige Florian möchte mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen. Finanziell ist das schlicht nicht drin.Privat

Der 41-Jährige sei von der Mutter seiner Tochter getrennt und bezahle Unterhalt. Gemäss Vereinbarung müsse er dabei ein Mindestgehalt erreichen. «Dabei entsteht für mich ein Widerspruch: Auf der einen Seite soll und möchte ich meiner finanziellen Verantwortung als Vater selbstverständlich nachkommen. Auf der anderen Seite bedeutet Vatersein für mich aber nicht nur, Geld zu verdienen und Unterhalt zu bezahlen.» Zeit, Präsenz und die Möglichkeit, tatsächlich für sein Kind da zu sein, gehörten für ihn genauso dazu.

Er findet, das System müsse stärker berücksichtigen, dass Eltern neben finanziellen Mitteln auch Zeit für ihre Kinder brauchen. «Wenn man ohnehin schon darum kämpfen muss, Zeit mit seinem Kind verbringen zu können, fühlt es sich zusätzlich schwierig an, wenn man beruflich und finanziell praktisch an ein 100-Prozent-Pensum gebunden ist. Ich muss zwischen Zeit und Geld für meine Tochter entscheiden.» Ein Problem, das er glaubt, bestehe für viele Väter und Mütter in ähnlichen Situationen. «Ich wünsche mir deshalb ein System, in dem beides möglich ist.»

«Bei 80 Prozent könnte ich mir schon allein die Fahrt zur Arbeit nicht leisten»

Auch M. (36) könne aus finanziellen Gründen nicht Teilzeit arbeiten. «Grundsätzlich ist mein Wunsch nach Teilzeitarbeit wegen der hohen Arbeitsbelastung entstanden.» Wie Fabio merkte er, dass sein Privatleben darunter leide. «Meine Tochter sehe ich zwar immer, aber nach einem Arbeitstag mit hoher Belastung bin ich oft durch. Mit einem 80-Prozent-Pensum könnte ich noch immer volle Leistung auf der Arbeit bringen, aber einen Tag mehr mit der Familie verbringen, ohne ausgebrannt zu sein.»

Welches Teilzeit-Modell wäre für dich am ehesten vorstellbar?

Diesen Traum könne er sich aber aktuell nicht leisten. Seine Frau könne aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten und beziehe IV-Rente. «Zusammen mit meinem Lohn kommen wir über die Runden, jedoch können wir so schon nichts auf die Seite legen.» Miete, Krankenkasse, Steuern und alle anderen Fixkosten frässen das Budget weg. «Ich setze meine Bedürfnisse so weit hinten an, damit meine Frau und Tochter so wenig wie möglich von all den Schwierigkeiten mitbekommen, aber einfach ist es nicht.»

Wenn er jetzt noch 80 Prozent arbeiten würde, könne er sich «nur schon die Fahrt an den Arbeitsplatz mit diesen Spritpreisen» nicht mehr leisten. Auch er wünsche sich ein System, in dem die verschiedenen Ansprüche gemeinsam erreichbar seien. «Ich vermisse die Möglichkeiten von früher, wo das Einkommen eines normal arbeitenden Elternteils für das würdige Überleben einer Familie ausreichte. Deshalb müssen entweder die Kosten runter oder die Löhne hoch, damit man allenfalls die Teilzeitarbeit als Option offen halten kann.»

Lebst du oder lebt jemand, den du kennst, in Armut?

Hier findest du Hilfe:

Jan Janssen

Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News.

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