Alltag in Iran zwischen Wirtschaftskrise und Angst vor Krieg
Alltag in Iran "Die Regierung macht nur leere Versprechungen"
Stand: 05.10.2026 • 11:26 Uhr
Im Krieg der USA gegen Iran ist keine Lösung in Sicht. Gekämpft wird derzeit nicht, Gespräche haben keine Fortschritte gebracht. Die wirtschaftliche Lage in Iran bleibt katastrophal. Wie beeinflusst das den Alltag?
"Iran, die Superpower" - das singen Anhänger der Islamischen Republik. Jeden Abend gehen sie in der iranischen Hauptstadt Teheran auf die Straße. Sie wollen der Führung ihre Unterstützung im Krieg gegen die USA zeigen.
Tagsüber geht der Alltag in Teheran vordergründig weiter. Doch die Menschen haben Sorgen - dass der Krieg wieder ausbrechen könnte, ist nur eine davon. "Die wirtschaftliche Situation ist katastrophal", erzählt ein Mann auf der Straße. Auf dem Markt laufe überhaupt nichts. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht."
Währung auf historischem Tiefstand
Die Lebensmittelpreise steigen weiter an, die Inflation macht den Menschen zu schaffen. Am Wochenende ist die iranische Währung erneut abgerutscht - auf einen neuen historischen Tiefstand.
Ali aus der Stadt Sari am Kaspischen Meer ist zu Besuch in Teheran. Die Lage beschäftigt ihn. "Bei dieser Inflation und dieser Situation ist es so", erklärt Ali: "Wenn jemand heute etwas kaufen möchte - der Dollar steht bei 230.000 Toman -, ist der Preis eine Woche später schon wieder gestiegen."
Der Auslöser für die letzten Proteste im Dezember und Januar war ebenfalls ein Kurssturz der Währung Rial. Vereinzelt soll es jetzt wieder zu kleinen Protesten um den Teheraner Basar herum gekommen sein. Ausgeweitet haben sie sich nicht.
Unzufrieden und ungewiss
Die Unzufriedenheit sei dennoch groß, berichtet eine Frau: "Was soll ich über die Regierung sagen? Sie macht nur leere Versprechungen", kritisiert sie. Sie wisse nicht, wo sie anfangen solle: Die Schulen seien in einem katastrophalen Zustand. "Ich habe drei Stunden bei einer Zahnklinik gesessen, ohne eine Behandlung zu bekommen", erzählt sie weiter. "Die Zahnärzte dort sagten, dass ihnen die Materialien fehlen."
Auch die militärische Lage ist ungewiss. Der Krieg mit den USA pausiert gerade nur. Gespräche über eine Lösung haben zuletzt, am Rande der UN-Vollversammlung in New York, keine Fortschritte gebracht.
Eine Antwort aus den USA auf einen iranischen Vorschlag zur Lösung des Konflikts sei am Wochenende über den Vermittlerstaat Katar nach Teheran übermittelt worden, berichten iranische Medien. Den prüfe man jetzt.
Außenminister droht mit "mächtiger Antwort"
Doch in der Straße von Hormus hat Iran in den letzten Tagen wieder Tanker angegriffen, die von den USA organisiert Öl durch die Meerenge transportieren wollten. Acht Schiffe sollen getroffen worden sein. Außenminister Abbas Araghtschi zeigte sich am Sonntag verhandlungsbereit - drohte aber auch. "Wenn unsere Feinde wieder die militärische Konfrontation wählen, wird unsere Antwort mächtiger sein als zuvor", verkündete Araghtschi. "Wir werden uns mit noch größerer Kraft verteidigen."
Für die Menschen bleibt die Lage also diffus. Teheran-Besucher Ali aus Sari beschreibt es so: "Ich habe das Gefühl, dass der Druck noch größer wird. Wie soll ich es sagen? Wir sind zu lebenden Toten geworden." Sie hätten im Moment keine Möglichkeit mehr, sich weiterzuentwickeln. "So ist das Leben sehr schwer, aber was sollen wir machen?"
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