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Monday, October 19, 2026

Grabschen, Pfeifen, Masturbieren: Was Frauen im ÖV erleben

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  • 20 Minuten hat junge Frauen gefragt, wie sicher sie sich in der Öffentlichkeit und im ÖV fühlen.
  • Mehrere erlebten sexuelle Belästigung im Zug, etwa Vanessa (23), auf deren Oberschenkel ein Mann die Hand legte.
  • Lilith (27) bestellt nachts lieber einen Uber, Lilli (18) findet die Angst der Schweizer übertrieben.

Zwei Fälle innert weniger Tage, zwei junge Frauen berichten von beunruhigenden Erlebnissen im ÖV: In einem St. Galler Bus sollen Studentinnen von einem Mann sexuell belästigt worden sein. In einem Zug entblösste ein Mann laut einer Passagierin mehrfach sein Geschlechtsteil. Sie alarmierte die SBB-Transportpolizei. 20 Minuten wollte deshalb von jungen Frauen wissen: Wie sicher fühlen sie sich unterwegs?

Mehrere junge Frauen erlebten sexuelle Belästigung im Zug

Vanessa (23) wurde vor knapp zwei Jahren im Zug sexuell belästigt. «Ein Mann in meinem Zugabteil legte plötzlich seine Hand auf meinen Oberschenkel», sagt sie. Sie wechselte daraufhin das Abteil, doch der Mann sei ihr gefolgt. «Ich hasste es, dass er mein Nein nicht akzeptieren konnte», so Vanessa. Sie befürchtet, dass Kamerabrillen solche Übergriffe noch verstärken könnten.

Auch eine weitere junge Frau (18) berichtet von einem Vorfall im Zug. Als sie 13 war, sass ein Mann im selben Abteil. «Er hat mich angeschaut und sich mehrfach in den Schritt gefasst», sagt sie. Zunächst habe sie die Situation wegen ihres Alters nicht einordnen können. «Aber dann wollte ich so schnell wie möglich weg.» Die neuen Kamerabrillen bereiten ihr zusätzlich Sorgen: «Es ist beängstigend, dass man nichts dagegen tun kann.»

«Ich will diese Angst nicht mehr verspüren»

«Komische Gestalten sind meistens einfach Männer», sagt Franziska (24). Sie und ihre Freundin Letizia (17) haben Belästigung nicht nur im ÖV erlebt: «Wir wurden schon öfters von stehenden Lieferwagen angehupt oder von Bauarbeitern auf einer Baustelle angepfiffen.» Weshalb sich Männer so verhielten, könnten sie sich nicht erklären. «Die Männer fühlen sich dann angeturnt und wir Frauen uns unwohl.»

Auch Lilith und Meera (beide 27) beschäftigt das Thema. «Ich fahre nachts kaum mehr ÖV, sondern bestelle einen Uber bis zu mir nach Hause», sagt Lilith. Meera findet, Männer unterschätzten oft, wie sehr Frauen solche Erfahrungen beschäftigen. Sie wünscht sich, dass sie offener darüber sprechen. Für die 27-Jährige ist klar: «Ich will mich nicht mehr unsicher fühlen – ich will diese Angst nicht mehr verspüren.»

Sie wünschen sich mehr Zivilcourage von Mitreisenden: Paula (22) und Anna (23) fühlen sich nachts im ÖV unsicher.

Sie wünschen sich mehr Zivilcourage von Mitreisenden: Paula (22) und Anna (23) fühlen sich nachts im ÖV unsicher.20min/Josephine Schertenleib

Anna (23) wünscht sich mehr Zivilcourage

Paula (22) und Anna (23) fühlen sich im öffentlichen Verkehr vor allem nachts unwohl. «Wenn der Bus fast leer ist und nur noch zwei alkoholisierte Männer darin sitzen, wird mir mulmig», erzählt Anna. Sie wünscht sich mehr Zivilcourage von anderen Passagieren: «Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele lieber wegschauen.»

Paula setzt auf Kopfhörer, damit sie gar nicht erst angesprochen wird. Falls etwas passiere, würde sie ihr Handy zum Filmen zücken. Das gebe ihr ein Gefühl von Sicherheit. «Aber das ist auch gruselig, wenn ich weiss, dass jeder einen filmen kann.»

«Ich wurde klar belästigt»

Yael (18) und Anastasia (19) beobachten ebenfalls, dass es besonders abends und an Wochenenden zu unangenehmen Situationen kommen kann. «Dann sind viele Menschen unterwegs, die Alkohol getrunken haben und nicht mehr zurechnungsfähig sind», sagt Yael.

Anastasia erinnert sich an eine Begegnung im Bus: «Ein Mann hat mich immer wieder angesprochen. Obwohl ich bewusst wegschaute und nicht auf ihn einging, liess er mich nicht in Ruhe – ich wurde klar belästigt.» Solche Erlebnisse gäben ihr ein ungutes Gefühl, wenn sie allein unterwegs sei.

Auch Yael hat eine unangenehme Erfahrung gemacht. Auf dem Heimweg sah sie in der Spiegelung eines Zugfensters, dass ein Mann sie filmte. «Ich habe ihn direkt konfrontiert und aufgefordert, die Aufnahmen zu löschen – diese Begegnung ist mir bis heute präsent», sagt die 18-Jährige.

Hast du auch schon einmal sexuelle Belästigung erlebt?

«Schweizer übertreiben mit ihrer Angst»

Svenja und Sarah (beide 18) haben dagegen bisher keine sexuelle Belästigung im Zug erlebt und fürchten sich auch nicht davor. «Ich nehme höchstens einen Airpod aus dem Ohr, damit ich die Umgebung höre.» Mehr Sorgen machen ihnen die neuen Kamerabrillen. «Es würde mich hässig machen, wenn jemand mir in den Ausschnitt filmen würde.»

Lilli (18) sieht die Situation ebenfalls weniger dramatisch: «In der Schweiz fühle ich mich sehr sicher, auch wenn ich alleine unterwegs bin.» Sie komme ursprünglich aus Ungarn, dort sei ihr Sicherheitsgefühl anders. «Schweizer und Schweizerinnen übertreiben mit ihrer Angst, es könnte noch viel schlimmer sein als die Lage hier.»

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Fabienne Gnos

Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.

Josephine Schertenleib

Josephine Schertenleib (jos), Jahrgang 2001, arbeitet seit September 2024 für 20 Minuten und ist Teil des Regionen-Teams.

Zoé Stoller

Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.

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