Anschlusslösung für Lehrlinge – Rettung geglückt: 80 Berner Lernende atmen auf

120 Jugendliche standen in den letzten Wochen vor einer ungewissen Zukunft. Ihr Lehrbetrieb – die BiCT AG aus Bern – schliesst wegen wirtschaftlicher Probleme nach den Herbstferien. Der Kanton Bern startete für die angehenden Informatikerinnen und Mediamatiker eine Rettungsaktion, die nun geglückt scheint.
Wir sind erleichtert, dass es einen Weg gibt für unseren Sohn. Es war eine sehr schwierige Zeit.
Einer, der aufatmen kann, ist der 16-jährige Nico aus Murten. Er hat seine Lehre zum Mediamatiker erst diesen Sommer begonnen. Seine Mutter ist dankbar, dass es jetzt eine Anschlusslösung gibt.
Nico wird an der technischen Fachschule Bern weiterfahren. Diese übernimmt von der BiCT AG alle rund 80 Mediamatik-Lernenden des ersten und zweiten Lehrjahres. «Wir sind erleichtert, dass es einen Weg gibt für unseren Sohn. Es war eine sehr schwierige Zeit», so Denise Vogel.
Möglichst viel Konstanz für die Lernenden
Auch die acht Coaches des Betriebs werden von der Technischen Fachschule übernommen, die vom Kanton finanziert wird. Als kantonale Lehrwerkstätte bietet sie Lehrstellen in 13 verschiedenen Berufen an. Die Mediamatik-Lernenden nehmen ihre Berufsbildner somit an den neuen Ort mit.
Ein nahtloser Übergang ist uns sehr wichtig.
Dies sei eine Voraussetzung für die Übernahme gewesen, sagt Direktor Matthias Zurbuchen. «So können wir den Wechsel stemmen.» Die Technische Fachschule Bern bietet bereits heute 650 Lehrstellen an, nun kommen 80 neue dazu. Eine Herausforderung: «Wir haben aber die nötige Grösse und die nötige Erfahrung dafür.»
Nebst den Coaches bleibt den Lernenden auch die gleiche Berufsfachschule erhalten. «Für die Lernenden, die auf Anfang November zu uns wechseln, soll sich so wenig wie möglich ändern. Ein nahtloser Übergang ist uns sehr wichtig», so Direktor Zurbuchen.
Dasselbe Modell, anderes Schicksal?
Dass die BiCT AG nach den Herbstferien keine Ausbildungen mehr anbieten kann, hat zwei Gründe. Einerseits sei nach wie vor ein Covid-Kredit belastend, der zurückbezahlt werden müsse, wie das Unternehmen auf Anfrage von SRF mitteilt. Andererseits seien Partnerunternehmen wegen der rückläufigen Nachfrage nach Lernenden im Bereich Informatik weniger bereit, diese zu übernehmen und ihre Arbeit zu entschädigen. Dies ist jedoch ein wichtiger Punkt des Geschäftsmodells von BiCT.
So funktioniert(e) BiCT
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Das Berufsbildungsunternehmen BiCT AG bildet Mediamatikerinnen und Informatiker aus. Es funktioniert wie ein Lehrbetrieb und schliesst mit den Jugendlichen Lehrverträge ab. Im ersten und zweiten Lehrjahr arbeiten die Jugendlichen im BiCT selber und gehen in die Berufsschule. Im dritten und vierten Lehrjahr unterscheidet sich das BiCT von einem regulären Lehrbetrieb. Da arbeiten die Jugendlichen in einer Partnerfirma, in welcher sie die Ausbildung abschliessen. Das BiCT ist daher auf die Bereitschaft anderer Firmen angewiesen, dass diese Lernende übernehmen und das BiCT dafür entschädigen.
Dieses Modell, dass Lernende im dritten und vierten Jahr ihre Lehre in einem anderen Betrieb weiterführen, möchte die Technische Fachschule Bern übernehmen. Er habe ein gutes Gefühl, dass sich solche Praktikumsplätze finden liessen, sagt Matthias Zurbuchen. Bestehende Ausbildungspartner der BiCT hätten sich bereit erklärt, im gleichen Umfang wie bisher Lernende zu übernehmen.
Erleichterung beim Kanton
Bildungs- und Kulturdirektor Reto Müller ist erfreut über die gefundene Lösung: «Ich bin froh, dass wir innerhalb einer solch kurzen Zeit, nach zwei runden Tischen, tragfähige Lösungen finden konnten.» Wie viel Geld der Kanton für den neuen Bildungsgang an der Technischen Fachschule Bern ausgibt, kann Müller nicht beziffern.
Es war ein ziemlicher Schock und eine Enttäuschung, dass Lehrverträge trotz schwieriger Verhältnisse abgeschlossen wurden.
Von den finanziellen Schwierigkeiten der BiCT AG hätten sie im August, kurz vor dem Start der Lehre von Nico erfahren, sagt Mutter Denise Vogel. Rückblickend fragt sie sich, warum trotz schwieriger Verhältnisse überhaupt noch Lehrverträge abgeschlossen worden sind. Nach der Enttäuschung folgt jetzt aber die Erleichterung. Das Bangen der 80 Lernenden hat ein Ende.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 10.9.2026, 17:30 Uhr ; lana;vonb;rama
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