Ehrlich, aufmerksam und beliebt? «Du kannst nicht alles sein»

Eine Freundin zeigt dir ein Outfit und fragt: «Steht mir das?» Du merkst, wie sehr sie es liebt. Sagst du, was du wirklich denkst, oder schonst du ihre Gefühle? Wie du auf diese Situation reagierst, könnte dir zeigen, wo du in der «Triangle Trap», der Triangel-Falle, bist.
Wie gehst du damit um, wenn du jemandem ehrlich Feedback geben sollst?
Die Triangel-Falle ist eine Idee von Mark Manson. Der US-Autor und Podcaster wurde mit dem Selbsthilfe-Bestseller «The Subtle Art of Not Giving a F*ck» bekannt und schreibt über persönliche Entwicklung und Beziehungen.
Sein Dreieck besteht aus den Eigenschaften «Perceptive» (wie gut du Menschen und soziale Situationen lesen kannst), «Honest» (wie ehrlich und direkt du bist) und «Liked» (wie sehr du von anderen gemocht wirst). «Du kannst zwei dieser drei Dinge sein, aber nicht alle drei», sagt Manson in seinem Video.
Drei Ecken, drei Typen
Kannst du andere gut lesen und bist beliebt? Dann bist du laut Manson wahrscheinlich ein People Pleaser und weisst, was andere hören wollen – und willst, dass sie dich mögen. Das sorgt wiederum dafür, dass du manchmal nicht ganz ehrlich bist, weil du der Konfrontation aus dem Weg gehen oder die Gefühle anderer schonen möchtest.
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Kannst du andere gut lesen und bist gleichzeitig ehrlich? Dann merkst du zwar, dass die Wahrheit wehtun könnte, sagst sie aber trotzdem. Diesen Typ nennt Manson zugespitzt «eine Art Arschloch». Manchmal kann diese direkte Ehrlichkeit hilfreich sein, weil du Dinge aussprichst, die sonst niemand sagen will – mit deiner Art machst du dich aber womöglich auch unbeliebt.
Wer ehrlich und beliebt ist, bekommt laut Manson dagegen womöglich nicht mit, wie die eigenen Worte bei anderen ankommen. Diesen Typ bezeichnet er als ahnungslosen Träumer. «Jede soziale Stärke kostet dich irgendwann mindestens eine der anderen», sagt Manson.
So reagieren die drei Typen
Eine Freundin fragt, ob ihr das neue Outfit steht.
Aufmerksam + beliebt: «Mega, steht dir super!» – obwohl die Person anders denkt.
Aufmerksam + ehrlich: «Nein, die Farbe und der Schnitt stehen dir gar nicht.»
Ehrlich + weniger aufmerksam: «Ist jetzt nicht so mein Fall.» – ohne zu merken, dass die Antwort verletzen könnte.
Ein Kollege fragt nach Feedback zu seiner Präsentation.
Aufmerksam + beliebt: «War super!» – obwohl einiges nicht funktioniert hat.
Aufmerksam + ehrlich: «Die Einleitung war zu lang, ab der Mitte wurde es unklar.»
Ehrlich + weniger aufmerksam: «War ziemlich langweilig.» – ohne zu merken, wie hart das ankommt.
Was die Forschung dazu sagt
Manson stellt die «Triangle Trap» selbst als seine Denkfigur vor. Eine etablierte psychologische Theorie mit genau diesen drei Ecken ist sie nicht. Und zumindest die Annahme, dass Ehrlichkeit zwangsläufig soziale Nachteile mit sich bringt, ist wissenschaftlich nicht so eindeutig.
In mehreren Feld- und Laborexperimenten untersuchten die Verhaltensforscherinnen Emma Levine von der University of Chicago und Taya Cohen von der Carnegie Mellon University, wie Menschen ehrliche Gespräche einschätzen. Ihr Ergebnis: Die Teilnehmenden erwarteten häufiger negative soziale Folgen, als sie tatsächlich erlebten. Zudem empfanden sie ehrliche Gespräche als angenehmer und sozial verbindender, als sie vorher erwartet hatten.
Wie schätzt du dich selbst ein, wo stehst du in der Triangel-Falle?
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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