Winterschlaf und Fußball-Bundesliga: Feste Ruhezeiten für die Liga

Gladbach befindet sich schon seit Saisonbeginn in einem Ruhezustand. Dortmund wacht nochmal auf und richtig ausgeschlafen ist eh nur der FC Bayern.
Z u den größten Ungerechtigkeiten des menschlichen Daseins gehört, dass Winterschlaf nur für beneidenswerte Lebewesen wie Igel und Murmeltiere vorgesehen ist. Dabei wäre es ein echter Gewinn, von November bis sagen wir Ende März jede Menge nebelumwaberte Morgengrauen, regentrübe Mittage und düsterkalte Abende verschlafen zu können.
Zumindest die Mönchengladbacher Borussia scheint das schon vor längerer Zeit erkannt zu haben und sich bereits zum Saisonstart in eine Art Hibernationsvorstufe versetzt zu haben, allerdings ohne vorher sicherzustellen, dass die anderen Vereine auch mitmachen. Tun sie offensichtlich nicht, nicht einmal der im sprichwörtlichen Schmuddelwetter beheimatete HSV, der seit nunmehr 13 Jahren zu Hause nicht mehr gegen Gladbach verloren hat.
Andererseits wird frühes Wachsein auf dem Spielfeld ohnehin nicht unbedingt belohnt, wie an diesem Wochenende der FC Augsburg schmerzlich bewies. Nach exakt 39 Sekunden hatte Anton Kade gegen RB Leipzig zwar schon das 1:0 erzielt, aber am Ende gewannen die anderen mit 5:2.
Wenn der BVB BVB-Dinge tut
Dauermüde den Hellwachen unter den Bundesligisten beim Gewinnen zuzusehen ist im Übrigen nur mäßig unterhaltsam, wenn man nicht gerade Bayern-Fan ist. Aberaberaber die Borussia aus Dortmund! Trotz verschlafener erster Halbzeit hat sie schließlich gegen Elversberg gewonnen und ist nun ganz vorne mit dabei, jedenfalls bis der BVB dann irgendwann wie gewohnt BVB-Dinge tut. Konkret: Nach starkem Saisonstart zu ausgiebiger Winterruhe neigt. Und den Münchnern die Meisterschaft überlässt.
Höchste Zeit, dass sich eine anerkannte Institution wie der DFB um das Grundproblem kümmert. Und in einer Art Modellprogramm zunächst verbindliche Winterschlafzeiten für die Bundesliga einführt, an die sich dann selbst hyperaktive Vereine wie besagte Bayern zu halten haben.
Schwieriger dürfte es mit vorzeitig weggedämmerten Klubs werden, die erst einmal geweckt werden müssen, bevor sie termingerecht wieder schlafen gehen dürfen. Aber Ordnung muss sein. Und die Resultate werden selbst diejenigen überzeugen, die eigentlich nicht lange auf Fußball verzichten wollen: Hellwache Spieler, die bei Biergartenwetter atemberaubende Kombinationen zeigen, mit ausgetüftelten Freistoßtricks die Massen begeistern und sensationelle Fouls begehen – wer würde das alles nicht der derzeitigen Tristesse vorziehen?
Und wenn sich der fußballerische Winterschlaf bewährt hat, könnte er auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden. Deren Dankbarkeit wäre grenzenlos, und der Deutsche Fußball-Bund hätte mit „DFB regelt“ einen schicken neuen Slogan.
Elke Wittich Journalistin
Schreibt nicht nur über Sport, sondern auch über Verschwörungsideologien, skandinavische Politik und Königshäuser. *** Die ersten Artikel für den taz-Sport gestalteten sich allerdings etwas schwierig: Mit den Worten "Wie, die schicken uns heute eine Frau?" wurde ich beispielsweise vor Jahren von einem völlig entsetzten Vorsitzenden eines Westberliner Fünftligavereins begrüßt. Da war er also, der große Tag, an dem über seinen Club in der taz berichtet werden würde, und dann das: Eine Frau! Ich antwortete ja, ich sei die Strafe und sofort war die Stimmung super. *** Und eines Tages werde ich über diesen Tag und andere, sagen wir: interessante Begegnungen mal ein Buch schreiben.
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