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Wednesday, November 4, 2026

20 Minuten bei den Demokraten: «Es wird ordentlich gefeiert»

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Die 20-Minuten-Reporterinnen Carolin Teufelberger und Ann Guenter berichten aus der Wahlnacht in Dallas, Texas.20min

Darum gehts

  • Die Demokraten feiern in Texas einen historischen Erfolg und holen erstmals seit über drei Jahrzehnten einen Senatssitz.
  • James Talarico setzt sich gegen den Republikaner Ken Paxton durch, der kurz darauf seine Niederlage einräumt.
  • In Dallas fliegt das Konfetti, während die Republikaner in Paxtons Heimatstadt Trübsal blasen.

Kurz vor Schliessung der Wahllokale herrscht vor dem Dallas County Records Building reger Betrieb. Einige kommen direkt von der Arbeit, andere mit Kindern oder mit dem Velo. Für Tahzja (35) ist der Gang ins Verwaltungsgebäude bewusst ein besonderer Moment: «Ich wollte das Gefühl haben, an einem offiziellen Ort zu wählen.»

Tahzja kurz nach der Wahlabgabe.

Tahzja kurz nach der Wahlabgabe.20min

Sie hat demokratisch gewählt, unter anderem den Senatskandidaten James Talarico. Früher habe sie für die Republikaner gestimmt. «Aber jetzt reicht es.» Sie habe genug von der aktuellen Regierung und der MAGA-Bewegung. Entscheidend sei für sie nicht die Partei, sondern die Person: Wer ein Amt innehabe, müsse alle Menschen vertreten.

Erica (34) arbeitet mit Kleinkindern aus einkommensschwachen Familien. Politische Entscheide hätten direkte Folgen für sie und ihre Arbeit, sagt sie. Wen sie gewählt hat, verrät sie nicht. Rod (30) dagegen stimmt durchgehend demokratisch. Talarico sei bei Abtreibung und Cannabis offener als sein Gegner Ken Paxton: «Ich habe gemerkt, dass wir Veränderung brauchen.»

Warten auf die Resultate

Um 19 Uhr Ortszeit (2 Uhr Schweizer Zeit) schliessen die Wahllokale, in der Innenstadt beginnt das Warten. An der Watch Party der Texas Democrats dringen Musik und Lichter bis auf den Parkplatz, drinnen laufen auf mehreren Bildschirmen die ersten Resultate. Die Stimmung erinnere an ein Sportereignis, berichtet 20-Minuten-Reporterin Melissa Greiter.

In der Ten Bell Tavern in East Dallas treffen sich die Bishop Arts Area Democrats und die «Liberal Thinkers and Drinkers». Die Leute skandieren «Blue Wave». Natalie (44) sieht gute Chancen für ihre Partei, bleibt aber vorsichtig: «In Texas weiss man nie.»

«Es wird eine lange Nacht»

Republikanische Stimmen zu finden, ist in dieser Nacht schwieriger. Die Young Republicans lehnen eine Medienanfrage ab. In zwei als republikanisch geltenden Bars auf dem Campus der Southern Methodist University ist die Wahl kaum ein Thema, mehrere Gäste wollen nicht darüber sprechen.

Fündig werden die Reporterinnen schliesslich in McKinney im Collin County nördlich von Dallas, der Heimatstadt von Ken Paxton. Linda, republikanische Wählerin, mahnt dort noch vor dem Entscheid zur Geduld. Im Westen von Texas, etwa in El Paso, seien die Wahllokale wegen der Zeitverschiebung noch offen. «Es wird eine lange Nacht.» Dass Paxton in den ersten Resultaten schwach abschneidet, überrascht sie. Für abschliessende Schlüsse sei es aber zu früh.

Republikanisch wählt Linda wegen tiefer Steuern, einer starken Wirtschaft und des Schutzes von Kindern. Bei Geschlechtsangleichungen vertritt sie eine restriktive Haltung. Den Benzinpreis von 3,30 Dollar pro Gallone, umgerechnet rund 87 US-Cent pro Liter, findet sie akzeptabel. Für ein höheres Ziel seien vorübergehende Entbehrungen zumutbar.

Der republikanische Wähler Tony (24) ist von den demokratischen Erfolgen in Texas und Ohio enttäuscht. Er macht vor allem Trump verantwortlich: Dessen Versprechen zu Ukraine, Iran und Lebenshaltungskosten seien aus seiner Sicht nicht erfüllt worden. Die Resultate schockierten ihn, dennoch will er die Auszählung abwarten und sich am nächsten Tag informieren. Seine Hinweise auf frühere angebliche Wahlmanipulationen bleiben unbelegt.

Suresh (60) nennt als grösste Sorge eine «sozialistische Politik». Er kritisiert die Einwanderungspolitik der Demokraten und aus seiner Sicht mangelnde Kontrollen bei den Corona-Hilfen. «Wir wollen eine starke Wirtschaft.» Auch die Republikaner hätten Fehler gemacht, räumt er ein. Die Politik der Demokraten lehne er aber grundsätzlich ab.

Tränen und Konfetti


Kurz nach 22 Uhr Ortszeit erklären die US-Medien Talarico zum Sieger. In den Bars der Demokraten gibt es kein Halten mehr. «Die Tränen flossen, und das Konfetti flog», berichtet 20-Minuten-Reporterin Carolin Teufelberger. Wenig später räumt Paxton seine Niederlage ein.

Byron Henry ist der Vorsitzende der Republikanischen Partei von Collin County. Er spricht von «einigen Überraschungen». Den Verlust des Senatssitzes nennt er eine «grosse Niederlage». Auffällig seien für ihn Paxtons Resultate in McKinney: Paxton schneide dort deutlich schlechter ab als andere republikanische Kandidaten. Das deute auf ein Problem mit dem Kandidaten selbst hin. Für andere Rennen sieht Henry noch Chancen, weil in Collin County viele Stimmen noch nicht ausgezählt seien.

Bei den Lebenshaltungskosten verweist Henry auf die aus seiner Sicht gesunkene Inflation unter Präsident Trump. Viele Menschen spürten davon aber noch nichts: Mieten, Immobilienpreise und Benzin blieben im Alltag entscheidend. Er erwarte, dass sich die Preise gegen Ende Jahr stabilisierten.

Melissa Greiter

Melissa Greiter (mgr) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2025 Redaktorin im Ressort News, Wirtschaft und Videoreportagen.

Carolin Teufelberger

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

Ann Guenter

Ann Guenter (gux), arbeitet seit 2012 als Auslandsredaktorin für 20 Minuten. Seit August 2015 ist sie zudem Chefreporterin International.

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