„Ali G“-Comeback: Karikaturen, die von Fox News stammen könnten

Sacha Baron Cohens „Ali G“-Comeback erweist sich als Flop. Sein Humor ist schlecht gealtert.
Foto: Jordan Strauss/Invision/ap/dpa
Keine Woche lief der Film in den deutschen Kinos, schon ist er bei einem großen Streamingdienst zu sehen. Damit erweist sich das Comeback des Comedians Sacha Baron Cohens mit seiner Kunstfigur „Ali G.“ als Flop.
Der 55‑Jährige kehrt darin zu seinen Anfängen zurück: Mit der Rolle eines trotteligen Vorstadt-Rappers begann er in den frühen 2000er Jahren seine Karriere, in seiner „Da Ali G Show“ führte er absurde Interviews mit Politikern und Prominenten, um sie mit scheinbar naiven Fragen vorzuführen. Eines seiner ersten Opfer: ein gewisser Donald Trump.
Schon als sein erster Spielfilm „Ali G in da House“ vor 24 Jahren in die Kinos kam, gab es Kritik, sein Humor sei rassistisch. Denn Cohen machte sich über die ursprünglich schwarze und heute längst globalisierte HipHop-Kultur lustig und verballhornte jamaikanisches Rap-Patois. Manche sahen darin eine moderne Form des „Blackfacing“, mit dem sich weiße US-Amerikaner im 19. Jahrhundert über Schwarze lustig machten, indem sie sich schwarz anmalten.
Schwule-Klischees und Stereotype über Muslime
Seine größten Erfolge feierte Cohen mit seinen Mockumentarys, insbesondere mit „Borat“ (2006). Als vermeintlich kasachischer Reporter mit markantem Schnurrbart stolperte er durch peinliche Alltagsszenen und führte seine ahnungslosen Gesprächspartner mit versteckter Kamera vor, um ihre Vorurteile zu entlarven. Die kasachische Regierung war wenig begeistert, dass Cohen ihr Land als rückständig, antisemitisch und primitiv darstellte. Auch ein rumänisches Roma-Dorf fühlte sich getäuscht und klagte dagegen, sich im Film als Diebe und Frauenfeinde dargestellt zu sehen, die Klage wurde aber von einem US-Gericht abgewiesen.
Mit seinen späteren Filmen konnte Cohen nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Sein Nachfolger „Brüno“ nervte mit Klischees über schwulen Sex und brachialem Fäkalhumor. Und seine Komödie „Der Diktator“ von 2012 hinterließ einen fragwürdigen Beigeschmack, konnte man sie nach den brutalen Kriegen der USA im Irak und in Libyen doch durchaus als humoristische Rechtfertigung von gewaltsamen „Regime Changes“ verstehen.
Nahöstliche Potentaten wie Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi boten zwar reichlich Stoff für humoristische Überspitzung. Im Rückblick fällt aber auf, wie gerne Cohen in seinen Filmen gerade Stereotypen über Muslime bediente.
Von Trump abgehängt
Angesichts der Absurditäten der Trump-Ära, die vor fast zehn Jahren mit dessen erster Präsidentschaft 2017 begann, wirkt seine Satire zudem oft stumpf und von der Realität überholt. Und angesichts des Hasses und der Häme, mit der rechte Populisten gegen alles, was sie für „woke“ halten, zu Felde ziehen, wirkt sein „Bothsideism“, mit dem er gegen rechte Rassisten wie vermeintlich linke Moral gleichermaßen austeilt, etwas aus der Zeit gefallen.
Das zeigt sich auch in seinem neuen „Ali G“-Film. Dessen zweite Hauptfigur ist ein „woker“ Professor für Gender Studies mit dem absurden Namen Dr. Nira Cain-N’Degeocello, der ebenfalls von Cohen verkörpert wird. Der trägt natürlich eine Keffiyeh und will Ali G, dem er „kulturelle Aneignung“ vorwirft, deswegen „canceln“ – die Karikatur eines linken Akademikers, die dem rechten Hetzsender Fox News entsprungen sein könnte.
In seinem Versuch, vermeintlich humorlose Moralapostel zu karikieren, wirkt Cohen selbst humorlos und platt.
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