Forscher finden «gummiverwandte Chemikalien» in Schweizer Milch

- Forschende finden vier gummiverwandte Chemikalien in Schweizer Rohmilch.
- Mögliche Quellen sind Reifenabrieb und Gummiteile in der Milchproduktion.
- Welche gesundheitlichen Risiken davon ausgehen, ist noch unklar.
Der Konsum von Rohmilch ist nicht ganz unproblematisch. Tatsächlich raten Fachleute – anders als manche Influencer – sogar davon ab. Etwa weil die Milch das FSME-Virus oder andere Erreger enthalten und übertragen kann. Und nicht nur das, wie Schweizer Forschende nun berichten. Sie haben in Schweizer Rohmilch mehrere «gummiverwandte Chemikalien» nachgewiesen.
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Wie wurden die Chemikalien entdeckt?
Das Team um Florian Breider vom Zentralen Umweltlabor der ETH Lausanne (EPFL) suchte gezielt nach derartigen Chemikalien. Schliesslich gelangten jährlich «schätzungsweise sechs Millionen Tonnen Gummipartikel durch Reifen- und Strassenabrieb in die Umwelt. Ein Teil davon gelangt über die Luft, das Oberflächenwasser und Düngemittel auf landwirtschaftliche Flächen.» Unklar war, ob die Gummipartikel auch in die Milchproduktion gelangen. Untersucht wurden Milchproben von 17 verschiedenen Schweizer Bauernhöfen.
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Vier gummiverwandte Chemikalien in Schweizer Rohmilch
Die Forschenden wurden fündig: Insgesamt entdeckten sie bei ihrer Analyse vier gummiverwandte Chemikalien in Schweizer Rohmilch. «Mindestens eine dieser Verbindungen war in sieben der 17 untersuchten Proben nachweisbar», teilt das Team mit. Die kontaminierten Proben stammten alle aus der Nähe von Strassen. «In den drei Proben, die von weitab von stark befahrenen Strassen gelegenen Almen entnommen wurden, wurden keine der Zielverbindungen gefunden.» Ob das Zufall war oder die Strasse und der dort stattfindende Reifenabrieb Ursache der Kontamination ist, ist unklar. Die Stichprobengrösse sei zu gering gewesen.

Auch Anlagen in der Milchproduktion tragen zur Kontamination bei
Breider und seine Kolleginnen und Kollegen konnten bei ihrer Untersuchung noch eine weitere mögliche Gummiquelle identifizieren. Bei der Analyse von Schläuchen, Dichtungen und anderen in der Milchproduktion verwendeten Gummikomponenten wurden sie fündig (siehe Box). «Überraschend ist, dass diese Verbindungen aus Materialien stammen, die laut Gesetz für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen sind», so Breider. In der Produktion kommt die Milch mit verschiedenen gummibasierten Anlagenkomponenten in Kontakt. Deren Zusatzstoffe verbessern zwar die Flexibilität, Hitze- und Verschleissfestigkeit, können jedoch mit der Zeit in geringen Mengen in die Milch übergehen, teilt die EPFL mit.
Mindestens eine Chemikalie schädlich für Fische
Die Forschenden analysierten die Zusammensetzung verschiedener Gummimaterialien und Milchviehanlagen mit Abnutzungserscheinungen. Unter 14 weiteren in den analysierten Materialien nachgewiesenen Verbindungen fanden sie 6PPD-Chinon (6PPD-Q). Die Substanz gilt als schädlich für bestimmte Fischarten. Sie wird Gummiprodukten nicht gezielt zugesetzt, sondern entsteht mit der Zeit durch die Oxidation von Gummiadditiven.
Was bedeutet das für die Gesundheit?
Das ist noch offen. «Die gesundheitlichen Auswirkungen müssten noch ermittelt werden, so die EPFL. «Diese Arbeit war eine Vorstudie, und wir müssen die tatsächlichen Risiken, die mit diesen Ergebnissen verbunden sind, evaluieren», erklärt Breider. Die Ergebnisse legten nahe, dass die Zusammensetzung und das Design einiger in der Lebensmittelproduktion verwendeter Materialien genauer untersucht werden müssen, um eine Kontamination von Milchprodukten zu vermeiden.
Die Studie wurde im Fachjournal «Food Chemistry X» veröffentlicht.
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