Portugal erlaubt Einstieg der Lufthansa bei staatlicher Airline TAP
Kabinettsbeschluss in Lissabon Lufthansa darf bei Portugals TAP einsteigen
Stand: 14.10.2026 • 14:53 Uhr
Die portugiesische Regierung treibt die Teilprivatisierung der verstaatlichten Fluggesellschaft TAP voran. Im Kampf um 44,9 Prozent der Anteile setzte sich die Lufthansa gegen Air France-KLM durch. Der Einstieg dauert aber noch.
Die Lufthansa kann bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP einsteigen und damit ihr Geschäft vor allem in Lateinamerika ausbauen. Die Regierung in Lissabon wählte den deutschen Luftfahrtkonzern als bevorzugten Partner für den Erwerb von 44,9 Prozent der staatlichen Airline aus, wie Ministerpräsident Luís Montenegro nach einem Kabinettsbeschluss mitteilte.
Die Kosten belaufen sich demnach auf 1,2 Milliarden Euro. Der Betrag soll ohne Aktienpakete gezahlt werden. Bis zum Einstieg dauert es aber noch: Nach den abschließenden Vertragsverhandlungen sind weitere Genehmigungen erforderlich. Die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission könnte nach Einschätzung der portugiesischen Regierung 18 bis 24 Monate dauern. Der Abschluss des Geschäfts wird deshalb erst 2028 erwartet.
Für die Lufthansa sind vor allem Verbindungen nach Lateinamerika interessant, insbesondere nach Brasilien. Lissabon soll als Drehkreuz gestärkt werden und Porto ausgebaut werden, wie der Konzern in der Vergangenheit mitgeteilt hatte. Die nationale Identität der Airline TAP soll demnach wie bei anderen Töchtern der Gruppe gewahrt bleiben.
Lufthansa setzte sich gegen Air France-KLM durch
Über seine Wartungstochter Lufthansa Technik baut der deutsche Konzern zudem eine Reparatur- und Wartungsanlage im portugiesischen Santa Maria da Feira. Dort sollen rund 700 Arbeitsplätze entstehen. TAP ist auch wegen ihrer Verbindungen in das portugiesischsprachige Afrika und in die USA attraktiv. Die Fluggesellschaft hat mehr als 100 Flugzeuge und beschäftigt etwa 9.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mit dem Zuschlag setzte sich die Lufthansa gegen den französisch-niederländischen Konkurrenten Air France-KLM durch, der zuvor bei der skandinavischen SAS den Zuschlag für eine Mehrheit erhalten hatte. Das Angebot der Lufthansa sei 16 Prozent höher gewesen als das von Air France-KLM, sagte Montenegro.
Beide Fluggesellschaften hatten im September ihre endgültigen Gebote für die Beteiligung eingereicht. Zuvor hatte die portugiesische Regierung beide Interessenten um Nachbesserungen gebeten.
Zuletzt rote Zahlen bei TAP
Portugal hatte die Airline TAP während der Corona-Krise im Jahr 2020 verstaatlicht. Nun soll sie teilprivatisiert werden, die Mehrheit der Anteile soll aber beim portugiesischen Staat bleiben.
Nach vier Jahren in Serie mit schwarzen Zahlen verbuchte TAP im ersten Halbjahr dieses Jahres 99,2 Millionen Euro Nettoverlust. Belastend wirkten sich unter anderem die gestiegenen Preise für Kerosin aus. Die Betriebserlöse stiegen um 4,3 Prozent auf rund 2,04 Milliarden Euro. Mit 8,2 Millionen Passagieren beförderte die Airline 4,2 Prozent mehr Menschen als im ersten Halbjahr 2025.
Lufthansa hatte zuletzt eine Minderheit von 41 Prozent an der Italienischen ITA übernommen und bereits Optionen gezogen, um im kommenden Jahr auf 90 Prozent aufzustocken. Im MDax-Konzern Lufthansa sind zudem die früheren Staatsairlines der Schweiz, Österreichs und Belgiens integriert.
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