«Trauriges Bild»: Viele Plätze in neuem Zirkus bleiben leer

- News-Scouts berichten von fast leeren Vorstellungen des Circus Mundial.
- In Gossau SG seien am Freitagabend nur 22 Plätze besetzt gewesen.
- Direktor Gino Frank sagt, dass es an anderen Spielorten besser gelaufen sei.
- Branchenkenner sehen für den neuen Zirkus eine Chance. Ein Stammpublikum aufzubauen, brauche aber Zeit.
Eine spektakuläre Trapeznummer, ein Live-Orchester und ein Clown: Mit diesem Programm tourt der Circus Mundial seit diesem Jahr durch die Schweiz. Wie mehrere Besucher berichten, hat der Zirkus zuletzt hartes Brot zu beissen: Viele der Plätze im Chapiteau, das bis zu 800 Leuten Platz bieten würde, seien leer geblieben.
Ein Leser etwa besuchte kürzlich in Wetzikon ZH zusammen mit seiner Familie die Aufführung am Sonntagmorgen. «Viele internationale Akrobaten und ein riesiger Aufwand – aber es sassen wohl nicht viel mehr als 50 Nasen im Publikum. Es war ein trauriges Bild.» Er bezweifle, dass sich das bei Preisen ab 20 Franken pro Erwachsenem rechne.
Nicht besser lief es am vergangenen Freitagabend in Gossau SG. Ein News-Scout sagt, nur gut 20 Personen hätten die Vorstellung besucht. Er habe gehört, wie sich selbst einer der Artisten gewundert habe, wo denn all die Leute blieben. «Es tat mir im Herzen weh, zu sehen, dass die Artisten vor so wenig Publikum auftreten. Die Show war cool.»
«Wir planen bereits die Tournee vom nächsten Jahr»
Hinter dem Zirkus steht Gino Frank (40), Spross einer deutschen Zirkusfamilie. Er sah eine Marktlücke im Land, nachdem traditionelle Zirkusbetriebe wie Nock oder Royal die Segel hatten streichen müssen.
Trotz der zuletzt schwach besuchten Vorstellungen ist man beim Circus Mundial zufrieden mit der ersten Saison. «Bei der Premiere im März in Uster war jede Vorstellung ausverkauft, auch andere Städte liefen sehr gut», sagt Frank. Schon 20’000 Menschen hätten den Zirkus besucht.
Kämen wenig Leute, frage man sich, was man falsch gemacht habe, so Frank: «Es war sicher ein Fehler, nach Gossau oder Wetzikon zu kommen, wenn Schulferien sind und in St. Gallen die OLMA stattfindet.» Auch die Hitzewelle im Sommer habe etwa in Neuenburg nicht geholfen. «Da gehen die Menschen lieber baden.» Doch das Team lerne aus diesen Erfahrungen. «Wir müssen die nächste Tournee noch besser planen.»
«Sind nächstes Jahr an jedem Spielort wieder willkommen»
Laut Frank beschäftigt der Circus Mundial 24 Mitarbeitende. «Wir sind vor allem ein Familienbetrieb. Selbst wenn alle Fremdarbeiter heimreisen würden, könnte meine Familie immer noch das Zelt abbauen und in einer anderen Stadt wieder aufbauen.»
Er betont, dass es auch im nächsten Jahr weitergehe. Nicht zuletzt dank Sponsoren sei die Tournee gesichert. Man habe in den besuchten Städten weder Abfall noch Schulden hinterlassen, so der Direktor. «Wir sind an jedem Spielort wieder willkommen.»
Das Publikum sei dankbar, sagt Frank: «Ich stehe nach den Vorstellungen vor dem Zelt und verabschiede die Gäste. Viele bedanken sich, weil ihnen ein echter Zirkus zu normalen Preisen einfach gefehlt hat.»
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«Sich zu etablieren, braucht halt Zeit»
Der Club der Circus-, Variété- und Artistenfreunde der Schweiz (CVA) verfolgt den neuen Zirkus genau. «Die Schweizer Zirkusgeschichte zeigt, dass bei vier Neugründungen ein Zirkus mittel- bis langfristig wirtschaftlich tragfähig ist», sagt Vereinspräsident Filip Vincenz. Ob Mundial das Kunststück gelingen werde, müsse sich erst noch zeigen.
Weil mehrere Zirkusse verschwunden seien, sehe er aber eine Chance für den Neuling. Vor Saisonstart treffe jeder Zirkus eine Annahme über die durchschnittlich zu erwartende Auslastung. «Daraus lassen sich die verkraftbaren Ausgaben für Personal, Transport und Werbung ableiten. Die Familie Frank kennt die Härte des Geschäfts und ist nicht blauäugig gestartet.»
Auch Sascha Landheer von der Zirkusplattform Circustime sagt, Zirkusse erhielten in der Regel keine Subventionen und stünden wirtschaftlich unter Druck. Selbst grosse Namen füllten nicht jede Vorstellung. Neue Betriebe bräuchten einen langen Atem: «Sich zu etablieren, braucht halt Zeit.»
Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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