Wasserstoff – Zukunft ungewiss – Der Bundesrat will nicht für eine Transitleitung garantieren

Grüner Wasserstoff und Kraftstoffe, die mit grünem Wasserstoff produziert werden, gelten seit Jahren als grosse Hoffnungsträger für die Energiewende. Doch der Kapazitätsausbau kommt kaum voran.
Nun hat der Bundesrat entschieden, dass er keine Garantien übernimmt für eine Wasserstofftransitleitung quer durch die Schweiz. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann klärt die wichtigsten Fragen.
Wirtschaftsredaktor
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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.
Warum sind die Hoffnungen in Wasserstoff so gross?
Grüner Wasserstoff entsteht, wenn mit erneuerbarem Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Er kann insbesondere für die saisonale Speicherung von Strom genutzt werden, indem im Sommer mit überschüssigem Strom Wasserstoff produziert und im Winter wieder zu Strom umgewandelt wird. Grüner Wasserstoff kann zudem mit CO₂, das aus der Atmosphäre abgeschieden wurde, synthetisiert und zu klimaneutralem Treibstoff, zum Beispiel für die Luftfahrt, verarbeitet werden. In der Industrie kann grüner Wasserstoff bei sehr energieintensiven Prozessen fossiles Öl oder Gas ersetzen.
Wie verbreitet ist Wasserstoff in der Schweiz derzeit?
Aktuell stehen in der Schweiz 18 Wasserstofftankstellen und 54 Lastwagen sind wasserstoffbetrieben unterwegs. Damit ist Wasserstoff im Vergleich zu den meisten EU-Ländern pro Kopf recht weit verbreitet. Die Zahl der Anlagen, die Wasserstoff in der Schweiz produzieren, lässt sich noch an einer Hand abzählen. Die grösste betreibt der Energiekonzern Axpo seit zwei Jahren am Rhein in Domat/Ems GR. Wenn Wasserstoff in der Schweiz transportiert wird, dann aktuell nur über kurze Strecken. Die EU ist bei der Planung eines Leitungsnetzes für Wasserstoff weiter.
Warum hapert's mit dem Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur?
Die Betreiber von Wasserstoffproduktionsanlagen beklagen, dass die Nachfrage stagniere. Der Energiekonzern Axpo hat ein Projekt im Kanton Aargau im Jahr 2025 sistiert, weil sich ein potenziell grosser Kunde, der Betreiber einer Busflotte, zurückgezogen hatte. Es herrscht also im Moment eine Art Huhn-oder-Ei-Problem: Die potenziellen Produzenten von Wasserstoff sind zurückhaltend mit dem Bau von Anlagen, weil der Ausbau der Transportinfrastruktur ungewiss ist. Der Ausbau von Pipelines aber wird von politischen Behörden wie dem Bundesrat davon abhängig gemacht, dass eine genügend grosse Nachfrage besteht.
Was spricht für und gegen eine Wasserstoff-Transitleitung durch die Schweiz?
Es ist unklar, wie viel grünen Wasserstoff die Schweiz künftig benötigen wird. Eine Transitleitung würde also in erster Linie den Nachbarländern der Schweiz nützen. Das ist allerdings beim Erdgas heute auch schon so. Nur rund zehn Prozent des Gases, dass durch die bestehende Nord-Süd-Transitleitung fliesst, wird in der Schweiz verbrannt. Der Rückgriff darauf kann dennoch wichtig sein bei einer Verknappung. Die Branche fordert den Bundesrat deshalb dazu auf, dafür zu sorgen, dass die Schweiz nicht von der künftigen Wasserstoff-Infrastruktur umfahren wird.
Muss die Schweiz nicht wegkommen vom fossilen Erdgas, um ihre Klimaziele zu erreichen?
Doch, deshalb bauen Städte wie etwa Zürich ihre Erdgasverteilnetze zurück. Die Gasbranche will den Energieträger schrittweise klimafreundlicher machen. Heute beträgt der Anteil erneuerbarer Gase (Bio- oder synthetisches Methan) in der Schweiz im Schnitt zehn Prozent, bis 2050 sollen es 100 Prozent sein. Die bestehenden Gasleitungen können auch für den Transport von reinem Wasserstoff umgerüstet werden.
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