Kerosinknappheit – Flughafen Zürich droht Kerosin-Engpass – Bund öffnet Pflichtlager

- Auch in der Schweiz wird der Flugtreibstoff knapp.
- Deshalb dürfen die Pflichtlager angezapft werden. Das hat der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung des Bundes entschieden.
- Wegen logistischer Probleme auf dem Rhein und im Schienengüterverkehr droht am Flughafen Zürich sonst eine Unterversorgung.
- Konkret sollen in den nächsten zwei Wochen bis zu 30 Millionen Liter Kerosin freigegeben werden. Das entspricht 6.5 Prozent des eingelagerten Flugtreibstoffes.
Der Hauptgrund für den drohenden Engpass liegt bei den Zufahrtsstrecken aus Deutschland. Dort kommt es derzeit im internationalen Schienengüterverkehr zu massiven Verspätungen und Komplettausfällen, wodurch der Nachschub an Treibstoff für den Flugbetrieb ins Stocken geraten ist.
Die Situation auf der Schiene ist aktuell besonders angespannt, da das Transportnetz eine doppelte Last tragen muss. Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein können die Frachtschiffe nicht voll beladen werden oder fallen ganz aus. Die dadurch notwendigen Ersatztransporte für diverse Güter wurden bereits auf die ohnehin stark ausgelastete Schiene verlagert.
Empfehlung gemäss Energieagentur
Laut SRF-Wirtschaftredaktor Dario Pelosi liegt die Ursache des Mangels an Treibstoffen bei den Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine. «Zwar gibt es derzeit trotz der Angriffe in der Meerenge von Hormuz genügend Rohöl auf dem Weltmarkt. Es fehlt aber an Raffinerien», sagt Pelosi.
Zum einen seien Raffinerien am Golf noch nicht wieder voll leistungsfähig. Zum anderen dürften durch Angriffe der Ukraine gegen 50 Prozent der Raffineriekapazität Russlands beeinträchtigt sein. Russland sei einer der wichtigsten Lieferanten von Diesel und Kerosin, sagt Pelosi.
Wegen dieser Knappheit hat die Internationale Energieagentur ihren Mitgliedsländern auch vorgeschlagen, Teile ihrer Reserven auf den Markt zu werfen, um weitere Engpässe zu vermeiden.
Kein Engpass bei anderen Treibstoffen
Während beim Flugtreibstoff nun auf die Reserven zurückgegriffen werden muss, präsentiert sich die Lage bei den restlichen Treibstoffen zwar ebenfalls angespannt, aber weniger akut. Die Versorgung der Schweiz mit Benzin, Dieselöl und Heizöl hat sich gemäss Bundesangaben gegenüber der Vorwoche zwar verschlechtert. Dennoch sei die flächendeckende Versorgung in diesen Bereichen aktuell weiterhin sichergestellt, heisst es.
Die nun angezapften Pflichtlager für Flugpetrol sind ein wichtiges Instrument der wirtschaftlichen Landesversorgung. Die Schweiz ist als Binnenland bei vielen lebenswichtigen Gütern auf Importe angewiesen. Kommt es wie aktuell zu Lieferengpässen, kann der freie Markt die Nachfrage möglicherweise nicht mehr decken.
In solchen Situationen greift das Pflichtlagersystem, das auf einer Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der Privatwirtschaft basiert. Der Bund legt dabei fest, welche wichtigen Güter gelagert werden müssen und in welchen Mengen dies zu geschehen hat. Die Vorräte selbst gehören den jeweiligen Unternehmen, die zur Lagerhaltung verpflichtet sind.
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