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Monday, September 28, 2026

Nein zu Neutralitätsinitiative – Ist die Ära Blocher jetzt definitiv vorbei?

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«Das tut schon ziemlich weh. Nicht wegen mir, aber wegen der Schweiz.» Christoph Blocher versucht gar nicht erst, das Resultat kleinzureden. 70 Prozent Nein ist allzu deutlich. Aber der 85-Jährige stellt sich der Niederlage nicht etwa bei einem unabhängigen Medienhaus, sondern spricht in seinem Garten zum Haussender «Teleblocher». Er meidet also Öffentlichkeit und Kritik. Sind das Vorzeichen eines endgültigen Rückzugs?

Zwei ältere Männer in Anzügen sitzen draussen und unterhalten sich.
Legende: Alt Bundesrat Christoph Blocher bespricht auf «Teleblocher» das deutliche Nein zu seiner Neutralitätsinitiative. YouTube / TeleBlocher

«Nein», sagt Matthias Ackeret, der dieses Interview am Sonntag auf Blochers Residenz in Herrliberg geführt hat. «Solange er fit ist, wird er weitermachen.» Ackeret bezeichnet sich selbst als «Blocher-Versteher», denn er führt solche unkritischen Interviews mit ihm jede Woche und das seit bald 20 Jahren.

Die Neutralitätsinitiative sei in den Medien zu einer letzten Schlacht hochstilisiert worden, doch diese Beschreibung treffe nicht zu. «Ich habe viele Niederlagen von Christoph Blocher erlebt, wo die Zeitungen schon politische Nachrufe geschrieben haben. Trotzdem er ist immer wieder zurückgekommen.»

Angetrieben von Überzeugungen

Aber woher nimmt er die Kraft dazu? In dieser Hinsicht sei Blocher einmalig, findet Ackeret, denn er handle aus einer tiefen Überzeugung heraus. «Blocher tut etwas, weil er überzeugt ist, dass es das Richtige ist.» Das sieht auch der Historiker Thomas Maissen so, der Blocher mehrfach für seine Erzählung der Schweizer Geschichte kritisiert hat.

Er denkt, die Schweizer und Schweizerinnen sollen ihm folgen.

Der SVP-Doyen sei ein Überzeugungstäter, der auch für Anliegen kämpfe, deren Chancen von Beginn weg schlecht stünden – wie bei der Neutralitätsinitiative. Für Blocher stehe nicht im Vordergrund, ob er gewinne oder nicht. «Da ist in gewisser Hinsicht die Überzeugung stärker als die Weisheit des Alters.»

Und damit wäre auch die Frage geklärt, ob Blocher in seinem fortgeschrittenen Alter schlicht den Bezug zur Bevölkerung verloren hat. Laut Maissen ging es Blocher gerade in Sachfragen nie darum, die Fahne in den Wind zu hängen, je nachdem, wie gerade die Umfragen standen. «Er denkt, die Schweizer und Schweizerinnen sollen ihm folgen. Und dafür kämpft er eben auch.» Auch der Journalist Ackeret sagt, Blocher habe stets versucht, Stimmungen zu schaffen statt sie nur aufzunehmen – mal erfolgreich, mal nicht. Bei Wahlen hingegen habe ihn sein Gespür gut geleitet, schliesslich habe sich der Wähleranteil der SVP unter seiner Ägide fast verdreifacht.

Das Wechselspiel zwischen Blocher und den Medien

Schliesslich sind sich der Kritiker und der Versteher in einem weiteren Punkt einig: Dass Blocher nach wie vor so eine grosse Rolle spiele, hänge auch stark mit dem medialen Interesse an seiner Person zusammen. «Es gibt geradezu eine mediale Sehnsucht nach ihm», sagt Matthias Ackeret.

Tatsächlich habe es in der Geschichte der Schweiz noch nie eine Figur gegeben, die über einen so langen Zeitraum so viel mediale Aufmerksamkeit auf sich habe ziehen können, sagt der Historiker Thomas Maissen. «Der Schweizer Politikbetrieb ist ja meistens relativ berechenbar, wenn nicht gar langweilig. Und da ist so ein Christoph Blocher immer herzlich willkommen, wenn er das etwas aufmischt.»

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