«Nicht gezögert»: Nati-Juwel (21) glänzt nach Mailand-Dämpfer

Darum gehts
- Zachary Athekame (21) hat die AC Milan verlassen und spielt seit diesem Sommer für Olympique Lyon.
- In der Ligue 1 überzeugt der Genfer mit zwei Toren und zwei Assists in den ersten fünf Spielen.
- Sein Aufstieg brachte ihm prompt das erste A-Nati-Aufgebot ein – auf der rechten Abwehrseite kämpft er mit Neuling Sascha Britschgi um den Stammplatz.
Ein Karriereknick führte zum grossen Kick: Zachary Athekame hat einen Weltclub verlassen, um seinem Leben eine neue Wende zu geben. Über Servette, YB und Xamax zur AC Milan klingt nach einem steilen Aufstieg. Das San Siro als Ziel aller Träume, eigentlich der grosse Durchbruch.
Eigentlich. Denn für Zachary Athekame war die Serie A mit 27 Einsätzen nicht genug. Als Spielball taktischer Überlegungen sehnte sich der 21-jährige Genfer nach mehr Spielzeit im grossen Scheinwerferlicht. Es begann ein schmerzhafter Prozess: «Ich wollte unbedingt zu einem Verein, bei dem ich jedes Wochenende auf dem Platz stehe.»
Es folgt der Wechsel zu Olympique Lyon im vergangenen Sommer. Die Flucht aus Mailand fühlte sich gleich zu Beginn in der Ligue 1 wie ein Befreiungsschlag an. «Ich hatte eine gute Zeit in Mailand, aber hier kann ich mich voll entfalten», sagt Athekame.
Wer ihn zuletzt über den rechten Flügel der Ligue 1 jagen sieht – unaufhaltsam, physisch brutal, mit zwei Toren und zwei Assists in den ersten fünf Spielen –, der versteht, was er meint und warum dieser Junge so für die grosse Bühne brennt.
Der Taktik-Käfig und die Freiheit von Lyon
In Italien regiert die Taktik, für Athekame ein starres Korsett. In Frankreich fand er die pure Physis – und ein System, das wie für ihn gemacht ist. Lyon-Trainer Paulo Fonseca lässt offensiv denken. Er fordert Mut. Genau das ist Athekames Treibstoff. «Dieser Stil entspricht mir vollkommen, deshalb habe ich nicht gezögert.»
Die Belohnung für den Mut folgte mit dem A-Nati-Aufgebot auf dem Fuss: Wer Athekame in den ersten Tagen im Trainingslager in Belek im Kreise der Nati beobachtet, sieht keinen schüchternen Neuling. Da ist eine grosse Entschlossenheit – mit gleichzeitiger Leichtigkeit.
Ähnlich wie bei Johan Manzambi – seinem «Best Buddy», wie er nach seiner ersten Nati-Pressekonferenz zu 20 Minuten sagt. Es wird gelacht, geflachst, gelebt. «Wir kennen uns unter den jungen Spielern teilweise schon sehr lange, die Stimmung ist super», sagt Athekame.
Das Rätsel aus der Genfer Talentschmiede
Die Nati ist auch die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Athekame ist Teil einer unheimlichen Welle. Denis Zakaria, Winsley Boteli und nun er – Genf flutet die Nationalmannschaft mit purem Talent. Ein Phänomen, das selbst den Protagonisten Rätsel aufgibt. «Ich weiss auch nicht, was in dieser Stadt los ist!», schmunzelt er.
Es ist ein süssbitterer Stolz. Drei Jahre verbrachte er in der Jugend von Servette, bevor er weiterzog. Dass der Genfer Traditionsklub die eigenen Juwelen oft zu leichtfertig verliert, kommentiert er diplomatisch, aber der Stolz auf die Heimat bleibt: «Wir sind einfach stolz darauf, Genfer zu sein.»
Die verpasste Weltmeisterschaft? Ein Schmerz, den er weggesteckt hat wie einen verpatzten Zweikampf. Kein Hadern, kein böses Wort. «Man muss die Entscheidungen des Trainerteams respektieren.» Er hat vor dem Fernseher mitgezittert. Jetzt ist er hier, um zu bleiben, sagt der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer Schweizerin.
Die Position des rechten Aussenverteidigers ist nach dem Rücktritt von Silvan Widmer offen wie nie. Ein Vakuum, das darauf wartet, von jemandem mit der Wucht und dem Hunger gefüllt zu werden.
Der Konkurrenzkampf mit Sascha Britschgi – dem anderen Neuling von Parma – treibt ihn nur noch mehr an. «Wir können beide rechts oder links spielen», sagt Athekame. Konkurrenz ist etwas Positives – wir pushen uns in jedem Training und geben alles, um unsere Qualitäten zu zeigen.
Wie beurteilst du den mutigen Schritt von Zachary Athekame, den AC Milan für mehr Spielzeit zu verlassen?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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